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Ernesto Cardenal liest in Friedberg: Widerstand und große Freiheit

Ernesto Cardenal ist Dichter und einer der bedeutendsten Vertreter der Befreiungstheologie. Trotz seines Alters von 90 Jahren hat der einstige nicaraguanische Kulturminister nichts an Kampfgeist eingebüßt. Das stellte er während einer Konzertlesung in Friedberg unter Beweis.
Ernesto Cardenal wurde nach dem Sieg der Revolution 1979 Kulturminister. 1985 suspendierte Papst Johannes Paul II. Cardenal wegen seiner politischen Tätigkeit vom Priesteramt. Foto: Martini Ernesto Cardenal wurde nach dem Sieg der Revolution 1979 Kulturminister. 1985 suspendierte Papst Johannes Paul II. Cardenal wegen seiner politischen Tätigkeit vom Priesteramt. Foto: Martini
Friedberg. 

„Seen faszinieren die Menschen, weil Gott sich in ihnen spiegelt“, sagte Cardenal. Der Lyriker wurde am großen See von Nicaragua geboren. Dort wuchs er auf, verbrachte einen Großteil seines Lebens am Ufer des Sees oder auf der Inselgruppe Solentiname, wo er in den Sechzigerjahren als Priester eine Urchristengemeinde gründete. In vielen Gedichten beschrieb Cardenal die Schönheit des großen Sees von Nicaragua.

Zum zweiten Mal war der Dichter und Theologe auf Einladung der evangelischen Kirchengemeinde Friedberg und des evangelischen Dekanates Wetterau zu Gast. „Cardenal hat uns gelehrt, wie Auferstehung mitten im Leben sein kann. Er beschreibt das in Wort und Bild“, sagte Pfarrerin Susanne Domnick.

Die mehr als 150 Besucher erlebten einen zweieinhalbstündigen Abend mit Gedichten und Musik, aber auch eindringlichen Appellen, mitzuhelfen, den geplanten Bau des Nicaragua-Kanals zu verhindern.

 

Zerstörung durch Kanal

 

Mit der typischen schwarzen Baskenmütze und im weißen Bauernhemd betrat die Kultfigur der nicaraguanischen Revolution den Altarraum der Heilig-Geist-Kirche. „In Nicaragua tut sich Erschreckendes“, wies Cardenal auf den Zweck seiner Reise hin. Quer durch das mittelamerikanische Land solle ein Kanal für Containerschiffe gebaut werden. Die Verträge habe Staatspräsident Daniel Ortega von der Nationalversammlung ohne Befragung der Bevölkerung beschließen lassen. Dem chinesischen Investor seien weitestgehende Rechte eingeräumt, aber keine Pflichten auferlegt worden. So unterstehe der Investor nicht der nationalen Gerichtsbarkeit, müsse keine Steuern zahlen.

„Unser Land ist verkauft worden. Ich bin aus Nicaragua gekommen, um dieses Verbrechen offen zu legen“, klagte Cardenal seinen früheren Weggefährten an. Die Folgen für Natur und Umwelt seien verheerend. Das größte Trinkwasserreservoir Nicaraguas versalze durch die Verbindung von Atlantik und Pazifik. Die Tierwelt verändere sich, Inseln verschwänden in dem ansteigenden Wasserspiegel, Bauern würden enteignet.

 

Glaube und Mission

 

In seinen Gedichten und Texten erzählte der Dichter von seinem Eintreten für die Revolution, von seinem tief gründenden Glauben an Gott, den er mit dem Leben der Menschen verknüpft, und von der Schönheit der nicaraguanischen Natur. Die Besucher spürten: Cardenal hat eine Mission, eine Botschaft, die er unabhängig von politischen Opportunitäten oder kirchlichen Autoritäten verkündet.

Für südamerikanische Leichtigkeit und Lebensfreude sorgte das Duo „Sal“. Roberto Deimel (Percussion, Gitarre, Gesang) und Anibal Civilotti (Gitarre, Gesang) spielten sehnsuchtsvolle Lieder vom Paraná, einem der größten Flüsse Südamerikas, Schlaflieder mit sozialkritischem Textinhalt, mitreißende Sambas aus Argentinien und Brasilien sowie ein bäuerliches Volkslied.

(ini)
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