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Wo die Tradition schreinert

Von Holz ist ihr Ding – schon seit vier Generationen. Die Rede ist von der Gronauer Schreinerfamilie Wenzel. Mit Roman (16) steht die fünfte Generation bereit. Er besucht die zwölfte Klasse am Bad Vilbeler Georg-Büchner-Gymnasium.
Drei Generationen an einem Tisch (von links): Der 16-jährige Roman Wenzel, Seniorchef Gerhard Wenzel (80) sowie der Schreinermeister Holder Wenzel (46). Foto: Fauerbach Drei Generationen an einem Tisch (von links): Der 16-jährige Roman Wenzel, Seniorchef Gerhard Wenzel (80) sowie der Schreinermeister Holder Wenzel (46). Foto: Fauerbach
Bad Vilbel. 

Ins Schreinerhandwerk schnupperte Roman im väterlichen Betrieb bereits während eines Schülerpraktikums hinein. Handwerk habe goldenen Boden, sagt der Volksmund. Und denkt dabei vor allem an die finanzielle Komponente. Handwerker interpretieren den Spruch aus ihrer Erfahrung so: "Der goldene Boden des Handwerks besteht darin, dass das handwerkliche Können und geistige Wissen von Generation zu Generation weiter gegeben werden."

Holzräder kamen an

Die Geschichte des Familienbetriebes Wenzel reicht bis ins Jahr 1864 zurück. Damals gründete der 24 Jahre junge gelernte Stellmacher Johann Kasimir Wenzel eine Wagnerei. Er fertigte Holzräder mit Naben für die Erntewagen der Bauern, Holzpflüge und Heugabeln aus Holz an.

Ein Blick in das bis heute erhaltene Arbeitsbuch aus dem Gründungsjahr zeigt, dass der junge Betrieb gut ausgelastet war. Auftrageber waren neben Bauern auch Handwerker und Privatleute, die Gegenstände aus Holz benötigten oder etwas repariert haben wollten.

Wagner gelernt

Seit 1884 befindet sich der Betrieb in dem Anwesen Kirchstraße 2. Sohn Friedrich Wilhelm Wenzel, Jahrgang 1882, lernte ebenfalls Stellmacher oder Wagner, wie der Beruf in Hessen auch hieß. Er übernahm vom Vater die Firma und führte sie fort. Friedrich Wilhelm Wenzel erwarb sich schnell einen guten Ruf als Experte. Er wurde 1949 von der Handwerkskammer Wiesbaden zum Altmeister ernannt.

Seinen florierenden Betrieb übergab er 1952 an seinen Sohn Gerhard Otto-Karl Wenzel. Der hatte in einem Vilbeler Betrieb eine Lehre als Karosseriewagner erfolgreich abgeschlossen. "Wir stellten Holzformen her, über die Karosseriespengler ihre Bleche trieben und formten", erinnert sich der heutige Seniorchef.

Auch Führerhäuser von Lastwagen oder Karosserieteile von Personenwagen wurden damals aus Holz hergestellt. In dem Familienbetrieb kündigte sich 1956 eine neue Ära an. Gummibereifte Erntewagen lösten die mit Holzrädern bestückten Wagen ab. Die Aufträge nahmen gravierend ab.

Da zahlte sich die Freundschaft von Gerhard Wenzel zum in ebenfalls in Gronau lebenden Schreiner Waldemar Kummetat aus. "Der Waldemar war ein begnadeter Schreiner und Restaurator. Der konnte alles, auch die schwierigsten Sachen, etwa mit Schelllack polieren oder kunstvoll schnitzen, perfekt. Er hat seine Kenntnisse in der Bearbeitung historischer Möbel an mich weitergegeben", berichtet der inzwischen 80-Jährige. Seine ersten Kunden waren Frankfurter Antiquitätenhändler. Später kamen Privatleute hinzu. Der Name der Gronauer Schreinerei war bei Sammlern schon bald überregional ein Begriff geworden.

Heute führt Sohn Holder (46) die Schreinerei. Er hat das Schreinerhandwerk bei seinem Vater gelernt. "Der war ein sehr strenger Lehrmeister, er hat mir keine Kleinigkeit nachgesehen", berichtet Holder. Er schloss seine Lehre 1983 als zweitbester Tischler im Gebiet der Handwerkskammer Wiesbaden ab.

Vom Vater übernahm Holder als Schreinermeister und geprüfter Restaurator im Schreinerhandwerk im Jahr 2003 den Betrieb. Im mehrfach ausgezeichneten Ausbildungsbetrieb lernten spätere Innungs- und Kammersieger ihr Handwerk.

Ein Standbein der Firma ist neben Schreinerarbeiten wie Reparaturen und den Möbelanfertigungen aus Massivholz das Restaurieren von Antiquitäten.

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