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Gottesdienst-Reihe: Wo sich der Mensch zu Hause fühlt

Der letzte „etwas andere Gottesdienst“ des Jahres am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Rendeler Kirche drehte sich wieder um das weihnachtliche Themengebiet Vertreibung – Zuflucht – Ankunft. In diesem Jahr waren zwei Mitbürger ausländischer Herkunft eingeladen, um über ihre Erfahrungen zum Thema Heimat zu berichten.
Zu Weihnachten gemeinsam Gottesdienst feiern in der neuen Heimat: Pfarrer Werner Giesler mit Purita Botz und Muriel Menzel (von links) in der Rendeler Dorfkirche. Zu Weihnachten gemeinsam Gottesdienst feiern in der neuen Heimat: Pfarrer Werner Giesler mit Purita Botz und Muriel Menzel (von links) in der Rendeler Dorfkirche.
Karben. 

Zu Gast beim „etwas anderen Gottesdienst“ der evangelischen Gemeinde Rendel waren die im Ortsteil Rendel lebende Muriel Menzel aus Paris, Bibliothekarin, Vorstand des TV Rendels und Vorsitzende des Karbener Partnerschaftsvereins, und die Klein-Kärberin Purita Botz aus Spanien, Modedesignerin und Malerin. Zwei Liedtexte stellte Stephan Kuger vom Kirchenvorstand in seiner Begrüßung voran, das Wanderlied „Nun ade Du mein lieb Heimatland“, das Heimat am Ort des Aufwachsens verortet, und Herbert Grönemeyers Song „Heimat“, dessen Refrain: „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl“ Titelgeber für den Gottesdienst war.

Schwieriger Begriff

An die Schwierigkeit mit dem Heimatbegriff erinnerte Pfarrer Werner Giesler anhand eines harmlosen Heimatgedichtes aus dem Norddeutschen, das, obschon im 19. Jahrhundert geschrieben, von den Nationalsozialisten als Lied vertont und für deren Zwecke missbraucht wurde. Pfarrer Giesler verbinde als gebürtiger Bad Schwalbacher Heimat eher örtlich: endlose Wälder und steile Anstiege, wohin er manchmal zurückversetzt werde, wenn er durch andere Wälder streife. Aber zu Hause sei er in Klein-Karben. „Die Heimat gibt mir Verankerung in der Welt, das Zuhause lässt mich in der Welt geborgen sein. Heimat und Zuhause müssen nicht, aber können dasselbe sein“.

Dazu folgten sieben Impulse, sich dem komplexen Thema zu nähern. Muriel Menzel, die von ihrer Familie begleitet wurde, bestätigte, dass auch für sie trotz ihres Rendeler Zuhauses Paris ihre Heimat bleibe. Mit Purita Botz gemein habe sie das Glück gehabt, bereits früh durch ihren deutschen Mann die wesentliche Verbindung zur Kultur des neuen Landes erhalten zu haben. Während Botz von ihrem Heimweh und den Vorbehalten ihrer Mutter vor dem deutschen Freund berichtete und wie sie und er schließlich mit Hilfe mehrerer Fürsprecher und Zufälle doch noch zusammen kamen, konnte Menzel als Zeichen für Ihre Aufnahme in die neue Familie erleben, dass der achtzigjährige Großvater ihres Mannes extra einen Französisch-Volkshochschulkurs für die Hochzeitsansprache belegte.

Offenheit erwidert

Sie erinnere sich jedoch auch an die respektlose Behandlung auf dem Amt. Die Deutschen hätten es ihr aber nicht schwer gemacht und ihre Offenheit erwidert, betonte Botz. Ihr sei es Bedürfnis mitzuteilen, dass wesentlich für Integration die Sprache, sinnvolle Betätigung und Vereine seien: „Wer sich langweilen muss, kommt auf dumme Gedanken!“ Das Podium schloss sie mit dem Friedensappell, dass Gott keine Grenzen kenne: „Ob Christen, Muslime oder Buddhisten, wir sind alle Gottes Kinder!“

Die Lieder „Herr Deine Liebe ist wie Gras und Ufer“ und „Bei Dir bin ich geborgen“ drückten schließlich die Sehnsucht nach einem religiösen Zuhause aus, ehe Pfarrer Giesler den Gottesdienst mit Fürbitten, Vaterunser und dem Segen beendete. Die Diskussion ging allerdings beim Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst weiter. red

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