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Initiative: Zehn Jahre Stolpersteine in Karben: Anstöße für die Erinnerung

Von Irma Mattner und Hartmut Polzer blicken auf zehn Jahre Initiative Stolpersteine in Karben zurück. Mit der Verlegung von mittlerweile 61 Stolpersteinen wird an die einstigen jüdischen Bürger Karbens erinnert, die in der Zeit des Nationalsozialismus erniedrigt, verfolgt und ermordet wurden.
Hartmut Polzer (rechts) bei der ersten Verlegung von Stolpersteinen in der Heldenberger Straße in Karben im November 2007. Im Vordergrund Gunther Demnig, links Rabbiner Andrew Steimann. Hartmut Polzer (rechts) bei der ersten Verlegung von Stolpersteinen in der Heldenberger Straße in Karben im November 2007. Im Vordergrund Gunther Demnig, links Rabbiner Andrew Steimann.
Karben. 

„Am Ort des Geschehens an die Menschen zu erinnern, empfinden wir als sehr sinnvolle Art des Gedenkens. Wenn man vor dem Haus steht, in dem der Mensch gelebt hat und etwas über sein Leben erfährt, dann ist es fast so, als ob man denjenigen gekannt hat“, sagen Irma Mattner und Hartmut Polzer.

Ihr Engagement sei ausgelöst worden durch die Teilnahme an einer Verlegung von Stolpersteinen in Bad Vilbel im Jahr 2006. „Bis dahin haben wir uns nicht weiter mit dem Thema auseinandergesetzt“. Doch als dort vom Schicksal einer Jüdin erzählt worden war, „bekam die Frau dadurch ein Gesicht. Daraufhin haben wir uns überlegt, wie war das eigentlich in Karben?“

Info: Eine der größten Gemeinden

Um das Jahr 1900 herum waren von den rund 1400 Einwohnern in Groß-Karben etwa 100 jüdischen Glaubens. Somit hat Groß-Karben – neben Staden – eine der größten jüdischen Gemeinden der Region

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Ausgelöst durch diese Eindrücke, beschäftigen sich die beiden seither intensiv mit dem Nationalsozialismus und dessen Auswirkungen auf das bis dahin „friedliche Zusammenleben von jüdischen und christlichen Bürgern in Karben“. Sie gründeten im Februar 2007 die Initiative Stolpersteine in Karben. Auf ihr Betreiben hin wurden bis heute 61 Stolpersteine durch den Kölner Künstler Gunter Demnig in den Stadtteilen verlegt. In einem Beschluss vom März 2007 stimmte die Stadtverordnetenversammlung Karben der Verlegung von Stolpersteinen zu.

Schüler beteiligen sich

Seit 2007 hat die Initiative Ausstellungen organisiert, sich am jährlichen Pogrom-Gedenken im November beteiligt, Stadtrundgänge auf den Spuren jüdischen Lebens organisiert und einiges mehr. Bei der Verlegung von Stolpersteinen wurden Schüler eingebunden, die Initiative kooperierte mit der Kurt-Schumacher-Schule, dem Deutsch-Ausländischen Freundschaftskreis, Ausländerbeirat und anderen.

Die Forschungsergebnisse der verstorbenen Mitglieder des Geschichtsvereins Karben, Helmut Weigand und Helmut Heide, hätten ihnen geholfen. Zudem seien sie von Monica Kingreen vom Fritz Bauer Institut in Frankfurt unterstützt worden.

Im Jahr 2009 wurde der Initiative Stolpersteine der Kulturehrenpreis der Stadt Karben und im Jahr 2013 der Ehrenamtspreis der SPD Hessen Süd verliehen. Irma Mattner und Hartmut Polzer sind Rentner. Sie hat früher als Sekretärin gearbeitet, er war unter anderem als hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär tätig.

„Um die Geschichte und mit ihr die Schicksale der Menschen möglichst lebendig und anschaulich zu machen, haben wir Zeitzeugen wie Trude Simonsohn, Irmgard Heydorn und Klara Kirschberg eingeladen“.

Seit Juni 2016 erinnert eine sogenannte Stolperschwelle an das frühere jüdische Gotteshaus in der Heldenberger Straße, das in der Pogromnacht angezündet und zerstört wurde. Die Informationen zur Synagoge den Bürgern zu vermitteln, sei ihm ein Anliegen gewesen, so Polzer.

Clärchens alte Heimat

Zu den beeindruckendsten Erlebnissen „gehörten persönliche Begegnungen“, etwa jene mit Klara Kirschberg, geboren 1922 in Burg-Gräfenrode. Die Jüdin überlebte den Holocaust und wanderte in die USA aus. Dort besuchte Polzer sie und es entwickelte sich eine Freundschaft, die bis zu ihrem Tod im Jahr 2014 andauerte. „Sie hat Burg-Gräfenrode nie vergessen, das war ihre Heimat“, sagt Polzer. Zudem trafen Mattner und Polzer mit Nachfahren aus den USA zusammen, die sich auf Spurensuche nach ihren Vorfahren in Karben aufhielten. „Wir sind offen für solche Begegnungen“.

„Das Mahnen und Erinnern stand für uns stets im Vordergrund, nicht die Nennung von Namen der damals Beteiligten“, betonen sie. „Mit unserer Arbeit möchten wir an das Geschehene erinnern und unseren Teil dazu beitragen, dass sich so etwas nicht wiederholt“, sagen Irma Mattner und Hartmut Polzer. Er verweist auf die Internetseite der Initiative, dort sind die Ergebnisse der Recherchen zusammengetragen.

Grundsätzlich seien keine weiteren Verlegungen von Stolpersteinen geplant, bei neuen Informationen sei man offen für weitere Verlegungen, sagen beide. Die Initiative wird jedoch am Thema dran bleiben. So wolle man weiter beim Pogromgedenken im November mitmachen und im Jahr 2018 erneut eine Ausstellung organisieren.

Kontakt und Informationen unter www.stolpersteine-in-Karben.de sowie unter Telefon (0 60 39) 4 25 39

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