Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 25°C

Zuhören und vom Schrecken lernen

Mit einem feierlichen Akt wurde am Sonntag die Ausstellung „Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933 bis 1945“ in Bad Vilbel eröffnet. Der zweitgrößte Raum, im größten findet die Ausstellung selber statt, war nicht groß genug für die Gäste, die ins Kurhaus gekommen waren.
Bad Vilbel. 

Die Ausstellung beschäftigt sich vor allem mit den Verordnungen, die ab 1933 auf die Ausplünderung jüdischer Bürger zielten. Die Ausstellung stellt die Beamten der Finanzbehörden vor, die die Gesetze in Kooperation mit weiteren Ämtern umsetzten, und sie erzählt von denen, die Opfer dieser Maßnahmen wurden.

„Auch in Bad Vilbel ist viel Unrecht geschehen“, so Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) in seiner Eröffnungsrede. Und weiter wies er darauf hin, dass es heutzutage immer mehr Menschen gebe, die diesen Teil der Geschichte als längst vergangen und vergessen bezeichneten, schließlich befänden wir uns mittlerweile im 21.Jahrhundert.

Um zu zeigen, dass dieser Standpunkt grundsätzlich falsch sei, gebe es diese Wanderausstellung, die vor acht Jahren bereits in Friedberg zu sehen war. „Welcher Mensch kann die Gegenwart gestalten und in die Zukunft blicken, ohne die Erfahrungen der eigenen Geschichte außer Acht zu lassen“, fuhr Stöhr fort.

Eines der Schicksale

Als Beispiel des legalisierten Raubes, also der Enteignung aufgrund staatlicher Verordnungen durch die Behörden, erinnerte Stöhr an das Schicksal von Siegfried Wechsler, der 1929 die Bad Vilbeler Quelle entdeckte und darum ein Unternehmen aufbaute. 1938 wurde er enteignet und 1942 deportiert. Sein Besitz wurde zunächst von den Finanzbehörden konfisziert und später versteigert.

Auch Landrat Joachim Arnold (SPD), der Schirmherr der Ausstellung, erinnerte daran, dass von dem sicherlich legalen Wirken der Behörden zu dieser Zeit auch viele Bürger profitiert haben, denn sie ersteigerten für wenig Geld das einstige jüdische Eigentum aus dem Besitz der Finanzbehörden. „Die Ausstellung soll dazu dienen, dass sich die Menschen wieder auf den Schandfleck in unserer Geschichte besinnen. Und zwar auch in unserer Region“, so Arnold. „Und wer heute noch im Anblick dieser Bilder und Dokumente das Geschehene zu relativieren versucht, der vergrößert nur noch diesen Schandfleck“.

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Rafael Zur sah die Gefahr rechten Gedankenguts immer noch gegeben. „Die Menschen sind wie Bäume ohne Wurzel. Beim leichtesten Windstoß von rechts können sie kippen und uns wieder erschlagen.“ Dem widersprach Kulturamtschef Claus-Günter Kunzmann, weil die Menschen mittlerweile gefestigter seien. Sber auch er machte deutlich, dass man die Ausstellung nicht wie einen Kinofilm betrachten solle.

Dank den Aufklärern

Schließlich bekämen bisher abstrakte Schicksale nun ein Gesicht. Das sei wichtig, denn die Schuld an dem „legalen Raub“ hätten nicht nur die damaligen Finanzbehörden, sondern auch die Menschen, die profitiert hätten. Für die Stadt Karben, die mit Bad Vilbel die Ausstellung und das Rahmenprogramm durchführt, dankte Kulturdezernent Philipp von Leonhardi (CDU) den Helfern, die es ermöglicht haben, jüdische Schicksale auch aus der Region aufklären zu helfen.

Die Ausstellung ist bis zum 30.November im Kurhaus Bad Vilbel, Niddastraße 1 zu besichtigen.

Zur Startseite Mehr aus Wetterau/Main-Kinzig

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse