Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 21°C

200 Tage für die Fotografie

Die neue Triennale "Ray" hat ihr Programm für das erste Festival vorgestellt. Neun Kulturhäuser in Frankfurt und Umgebung beteiligen sich an den Ausstellungen.

Am Anfang war Herbert Beck, wie so oft. Der ehemalige Chef des Frankfurter Städel ist eigentlich Geschäftsführer des "Kulturfonds Frankfurt-RheinMain", einer Institution mit langem Namen, aber segensreicher Wirkung. Der Fonds – vom Land Hessen 2007 initiiert, um die Kulturinstitute miteinander zu verknüpfen – hat ein Jahresbudget von fünf Millionen Euro. Die großen Expressionismus-Ausstellungen in Wiesbaden, Darmstadt und Frankfurt verdanken sich dem Fonds.

Aber Herbert Beck gibt nicht nur Geld aus, er regt auch neue Projekte an. So brachte er jetzt erstmals die Institute an einem Tisch zusammen, die moderne Fotografie sammeln oder vermitteln – mit dem Ergebnis, dass am 19. April "Ray" startet, eine neue Fototriennale in Frankfurt, Darmstadt, Rüsselsheim, Eschborn und Hofheim. "Der Name ,Ray’ steht für den Lichtstrahl und damit für die Fotografie als Kunst, mit Licht zu malen", so gestern Triennale-Sprecherin Luminita Sabau. Für 200 Tage, bis in den Herbst, wird die Region zu einem Zentrum der Lichtbildkunst mit vielen verschiedenen Ausstellungen.

Zeit und Zukunft

Aber angesichts zahlreicher Fotofestivals – in nächster Nähe: Wiesbaden und Mannheim – sollte "Ray" nicht ein x-beliebiges Projekt werden. Deshalb nimmt man sich als "roten Faden die existenziellen Fragen über Zeit, Raum, Geschwindigkeit und Mensch vor" (Sabau). Die diesjährige Triennale konzentriert sich auf die Zeit. "Ray" will zeigen, wie Künstler historische Ereignisse festhalten und in die Zukunft weitertragen. Zeit meint also auch die Beschäftigung mit der Geschichte.

Bisher haben sich neun Institute zusammengetan – zu einem "Sonnensystem: Es gibt eine Sonne und wichtige Satelliten", meint Luminita Sabau. Die "Sonne" ist die thematische Hauptschau im Frankfurter Museum für Moderne Kunst (MMK), dem gegenüberliegenden Zollamt und im nahen Kunstverein. "Making history", so der Titel, wird den Fragen nachgehen, was die wichtigsten Bilder der letzten Jahre waren und welche Bilder der Gegenwart bleiben werden. Ins kollektive Gedächtnis eingelagert haben sich etwa Barbara Klemms Aufnahmen vom Treffen zwischen Willy Brandt und Leonid Breschnew 1971.

Eine ähnliche Bedeutung könnte ein Bild aus dem Weißen Haus bekommen. Es zeigt, wie Obama, Clinton und andere die Überwältigung von Osama bin Laden anschauten. Nicht mehr das Ereignis, sondern ein Ersatzbild wurde der Öffentlichkeit präsentiert. Die Bilder stehen also unter Kontrolle. Folglich hat der Künstler Alfredo Jaar dem Foto aus dem Weißen Haus ein leeres Bild an die Seite gestellt, das eigentlich Bin Laden zeigen sollte. Jaars Beitrag wird in der Themenschau vertreten sein. Die "Satelliten" zeigen eigene Ausstellungen: Frankfurts Städel spürt dem Einfluss der Malerei auf die Fotografie nach, das MMK zeigt Aufnahmen aus seiner 2600 Werke umfassenden Sammlung zu Architektur und Konzeptkunst.

Schwarzweiß stirbt

Das Hofheimer Stadtmuseum widmet sich der (aussterbenden) Schwarzweißfotografie, die Rüsselsheimer Opelvillen zeigen Landschaften des Briten Andy Goldsworthy. Die Frankfurter DZ-Bank, die über eine gigantische Sammlung von 6500 Fotos verfügt, zeigt Ansichten des Sunset Boulevard in Los Angeles, die Ed Ruscha zweimal aufgenommen hat: 1973 in Schwarzweiß, 2004 in Farbe. Und die Deutsche Börse in Eschborn, die 800 Werke ihr Eigen nennt, zeigt Lichtbilder, die Zeit, Raum und Körper zusammenbringen. Ein verheißungsvoller Sommer der Fotografie. hut

Museum für Moderne Kunst, Frankfurt, und andere Kulturhäuser, 19. April bis 8. Juli. Di, Do, Fr, Sa, So 10–18 Uhr,

Mi 10–20 Uhr. Eintritt 8 Euro. Telefon (069) 74 09 09 93. Internet www.ray2012.de

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse