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Flüchtlingskomödie "Alles unter Kontrolle": Abschiebung unmöglich

Von Philippe de Chauveron, bekannt seit „Monsieur Claude und seine Töchter“, begleitet in „Alles unter Kontrolle“ zwei Grenzpolizisten.
Der Abschiebehäftling Karzaoui (Medi Sadoun, Mitte) wird im Flugzeug von den Grenzpolizisten José (Ary Abittan, rechts) und Guy (Cyril Lecomte) begleitet. Der abgelehnte Asylbewerber ist zutiefst davon überzeugt, Opfer eines schweren Justizirrtums zu sein. Der Abschiebehäftling Karzaoui (Medi Sadoun, Mitte) wird im Flugzeug von den Grenzpolizisten José (Ary Abittan, rechts) und Guy (Cyril Lecomte) begleitet. Der abgelehnte Asylbewerber ist zutiefst davon überzeugt, Opfer eines schweren Justizirrtums zu sein.

In Frankreich hat die Polizistenkomödie eine ganz eigene Tradition. Seit Louis de Funès sich in den 60er Jahren als „Gendarm von St. Tropez“ durch verschiedene Kleinkriminalfälle alberte, haben etliche französische „Flics“ mit Gaunern gemeinsame Sache gemacht. Frankreich betrachtet seine Gesetzeshüter nämlich oft weniger als pflichtschuldige Vertreter der staatlichen Obrigkeit denn als Freunde und Helfer des gemeinen Volks. Es ist der widerständige Geist der Französischen Revolution, der da nachwirkt.

Zurück ins Heimatland

Die Kinokomödie „Alles unter Kontrolle“ bringt nun einen neuen Typus von Polizist in Position: den Abschiebungsbegleiter. José (Ary Abittan) und Guy (Cyril Lecomte) arbeiten als Grenzschützer und sitzen nun im Flugzeug rechts und links neben dem Abschiebehäftling Karzaoui, der zwangsweise in sein mutmaßliches Herkunftsland zurückgeflogen wird. Spaß macht dieser „Begleitservice“ den beiden Beamten nicht. Aber wenn der Dienstflug schon nach Kabul gehen muss, in die Hauptstadt Afghanistans, dann wollen die zwei Männer sich dort wenigstens ein paar schöne Tage und Nächte auf Kosten des Steuerzahlers bereiten.

Zwei Seiten hat diese Komödie von Philippe de Chauveron, der mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ bekannt wurde: Zum einen macht sie sich lustig über die Polizisten, die sich an der lästigen Arbeit vorbei frivol ins Vergnügen stürzen möchten. Zum anderen spart sie nicht mit Spott über die Flüchtlinge, die sich die tollsten Tricks ausdenken, um doch noch im sinnenfrohen Paris bleiben zu können, statt in ihrer Heimat „wieder die Schafe hüten“ zu müssen. Der Taschendieb Karzaoui (Medi Sadoun) etwa ist geradezu ein Großmeister im Erfinden rührseliger Geschichten über sein Schicksal. Den Asylbehörden ist er unter mindestens fünf verschiedenen Identitäten bekannt.

Ein süffisanter Humor verbindet die beiden unterschiedlichen Sichtweisen der Polizisten und ihres Abschieblings. Die schonungslosen Dialoge knallen wie die Sektkorken in den Nachtclubs von Malta, wo die drei auf dem Flug nach Kabul wegen Triebwerkschadens zwischenlanden müssen. „Alles unter Kontrolle“ bedeutet folglich das ganze Gegenteil. Der Flüchtling ist schon wieder flüchtig. . . Aber mit Rasanz und schonungsloser Direktheit bringt Regisseur Chauveron das angerichtete Durcheinander letztlich in Ordnung. Während in deutschen Flüchtlingskomödien am Ende meist die tiefe Gutherzigkeit des einheimischen Bürgers siegt, ist es in diesem unverkniffenen Leinwandwerk die etwas leichtere französische Art des Laissez-faire, die auch in Flüchtlingsangelegenheiten immer nach dem Grundsatz verfährt: Leben und leben lassen. Sehenswert

 

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