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„Hail, Ceasar!“: Am Ende wird doch alles gut

Von Die amerikanischen Regiebrüder Joel und Ethan Coen huldigen mit ihrer Filmstudio-Geschichte „Hail, Ceasar!“ warmherzig dem Hollywood der 50er Jahre.
Hollywood-Star Baird (George Clooney) ist entführt worden. Hollywood-Star Baird (George Clooney) ist entführt worden.

Joel und Ethan Coen sind seit jeher ganz ausgezeichnete filmische Handwerker. Und wie alle guten Handwerker sind sie Nostalgiker. Nichts wissen die beiden Männer aus Minnesota so zu schätzen, wie jene Sorgfalt des Inszenierens, die neben der unerschütterlichen Liebe zum Kino auch den Sinn für die mühevolle Bastelei am Detail verlangt. Noch Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden Filme in kleinteiligster Handarbeit zwischen Drehort und Schneideraum. Ganze Berufsstände sind seither durch Produktionscomputer ersetzt worden.

Was mit der neuen, digitalen Zeit verloren gegangen ist, holen die Coen-Brüder nun auf die Kinoleinwand zurück: das Hollywood der 40er/50er Jahre, in dem das Studiogelände am Stadtrand von Los Angeles noch überschaubar war und fast jeder jeden persönlich kannte – zum wechselseitigen Vorteil und Nachteil. „Hail, Ceasar!“ heißt der Kostümschinken, den der Produzent Eddie Mannix (Josh Brolin) hier nach Art von „Ben Hur“ drehen lässt. Mit 100 000 Dollar ist es die teuerste Produktion des Studios Capitol Pictures – eine Summe, die jeden Traumfabrikanten heute zum Wiehern brächte.

Der Star des Sandalenabenteuers neigt nach römischem Vorbild zu Saufgelagen und Vielweiberei, was George Clooney mit recht beschränktem komödiantischen Talent absolviert. Als Trunkenbold kippt er in dieser ungewohnten Rolle aber wohlgemerkt sehr dekorativ um, lässt sich von Set-Arbeitern schön nach Hause tragen und noch schöner von kommunistischen Drehbuchautoren entführen. Während Produzent Mannix außerdem einen Liebesfilm erstellen lässt (in dem Alden Ehrenreich das Lasso schwingt), plantscht ein Wasserballett um eine blonde Meerjungfrau (Scarlett Johansson) herum seinem Ende entgegen. Parallel dazu ist ein Tanzfilm im Entstehen, mit Actiondarsteller Channing Tatum als steppendem Matrosen. Mittendrin hetzt Eddie Mannix (frei gestaltet nach dem einstigen MGM-Boss Mannix) von Set zu Set, vereitelt das Erscheinen abträglicher Klatschgeschichten, erfindet seinerseits erfolgverheißende Tratschereien und hält so den ganzen „Saftladen“ zusammen.

Während die Coen-Brüder wieder die formale Perfektion pflegen wie sonst nur noch Woody Allen oder Steven Spielberg, offenbart ihr unbedingter Stilwillen auch den Leerlauf hübscher Spielereien ohne bedeutenden Inhalt. Genießerisch lassen die beiden Filmemacher die engagierten Großschauspieler ihre kleinen Auftritte ableisten und visuell ein knallbuntes Hollywood auferstehen. Die Dialoge und eingebauten Humorszenen aber bieten oft nur Second-Hand-Scherze. „Hail, Ceasar!“ spitzt sich nicht zur bissigen Satire zu, es bleibt eine gefällige Ehrerbietung, eine glatte Huldigung – Heil, Hollywood. Hätten die Coens der Sache etwas von jener Boshaftigkeit einverleibt, die sie ihrer Internet-Serie „Fargo“ (nach dem eigenen Kinofilm) verpasst haben – ihr neues Werk hätte ein Meisterwerk werden können.

In der amerikanischen Stadt Fargo sickert das Böse wie ein schrecklicher Traum ohne Erwachen in das Leben der Bewohner ein. Selbst der bravste Bürger wird von diesem Bösen ergriffen und kann sich seiner nicht erwehren: ein Widerhall der amerikanischen Gesellschaft, ein tragikomisches Krankheitsbild unserer Zeit. Solch tiefere Diagnose liegt „Hail, Ceasar!“ fern. Hollywood bleibt hier ein freundliches, nettes, liebreizendes Hollywood. Dabei war es gerade in den 50er Jahren, der großen Zeit von Marilyn Monroe, ein todsündiges Babylon des 20. Jahrhunderts, mit übelsten Konkurrenzkämpfen, Alkoholabhängigkeiten und Tablettensucht. Der echte Eddie Mannix, hier so gemütlich zerknautscht dargestellt, geriet sogar in den Verdacht, den Ex-Liebhaber seiner Frau ermordet zu haben. Annehmbar

 

Frankfurt: Cinema, Eldorado, Harmonie, Metropolis. Sulzbach: Kinopolis.
Limburg: Cineplex. Mainz: Capitol, Palatin

 

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