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Sportfreunde Stiller im Capitol Offenbach: Am Main tickt die Fußball-Seele eben anders

Von „Sportfreunde Stiller“, derzeit auf „Sturm & Stille“-Tour, stießen im Offenbacher „Capitol“ auf begeisterte Fans. Das FC-Bayern-Geflachse kam zwiespältig an.
Peter Brugger brachte gute Laune nach Offenbach. Foto: Sven-Sebastian Sajak Peter Brugger brachte gute Laune nach Offenbach.
Frankfurt. 

Eingeleitet vom fast zu geradlinigen Indie-Rockpop der neuen Band „von Brücken“, kamen die „Sportis“ deutlich frischer rüber als ihre Vorband aus „Jupiter-Jones“-Ehemaligen. Gespielt wurden, logisch, viele Lieder vom neuen Album, das bei drei Jahren Abstand zum vorigen viel von einem Comeback hat („Raus in den Rausch“, „Viel zu schön“, „Sturm & Stille“, „Das Geschenk“, „Zwischen den Welten“, „Lumpi“, „Disko4000“, „Rotweinflaschengrün“). Dazu Songs vom Vorgänger-Werk „New York, Rio, Rosenheim“ wie „Hymne auf dich“ oder „Applaus, Applaus“, außerdem Allzeit-Hits wie „7 Tage, 7 Nächte“, „Ein Kompliment“ und „Ich, Roque“ vom Fußball-Album „Burli“.

Apropos. Mit ihrem Dasein als Fans des FCB und 1860 zugleich bringen die „Sportfreunde“ mit dem Jugendtrainer im Bandnamen ja seit Jahr und Tag ein Kunststück fertig, das der bayerische Waidmann Franz Josef Strauss vor Jahren wohl als „Quadratur des Kreises“ bezeichnet hätte. Zwei Niederlagen des FCB in Folge reichten dem Trio Peter Brugger, „Flo“ Weber und Rüdiger „Rüde“ Linhof jetzt, sich in einer routiniert-witzigen Dialog-Ansage Boulevard-Schlagzeilen wie „Adé Lotti“ (für FCB-Trainer Carlo Ancelotti) auszumalen, um die nächste Nummer anzusagen: „Wie lange sollen wir noch warten?“ Deren Reggae-Rhythmus und der watteweiche Galgenhumor des Geplauders kamen gut an. Trotzdem war dem amüsierten Pfeiforkan anzumerken, dass man am Weißwurstäquator Main, beim notorischen Bayern-Ärgerer SGE, fußballerisch anders tickt als in der Fußball-Antarktis.

Bilderstrecke Sportfreunde Stiller im Capitol Offenbach
"Applaus, Applaus" - und das nicht zu knapp erntete die Indie-Rock-Band Sportfreunde Stiller am Mittwoch (23.11.2016) in Offenbach. Die Band war für ein Konzert im Capitol zu Gast.Die Indie-Band Von Brücken, die 2015 von den Ex-Jupiter Jones-Mitgliedern Nicholas Müller und Tobias Schmitz gegründet wurde, spielte als Vorband.Die Indie-Band Von Brücken, die 2015 von den Ex-Jupiter Jones-Mitgliedern Nicholas Müller und Tobias Schmitz gegründet wurde, spielte als Vorband.

Dem Konzert in der früheren Synagoge mit ihrem goldroten Kino-, Konzert- und Theaterflitter im Innern tat das keinen Abbruch. Allzu schwierige Musik machen die „Sportis“ ja nicht, eine an sich wohlwollende Münchner Zeitung fasste das ganze Album mit seinem Cello-Intro schon unter der Rubrik „Wellnesshotel Sportfreunde“ zusammen und sprach von dessen zwölf „Anwendungen“. Das ist böser als nötig, allerdings fiel auf, dass sich erstaunlich viele Kinder und Heranwachsende bei der Musik offenkundig gut aufgehoben fühlten. Auch die Lightshow mit den prä-weihnachtlichen Glühbirnen-Ketten strahlte irgendwie etwas Besinnliches aus. Egal.

Die positiven Botschaften vom Jenseits („ich finde den Gedanken viel zu schön“) und der Liebe zum Leben kamen an, keine „Hymne an dich“ ging als positive Verstärkung verloren, bis sich Weib- und Männlein armeschwenkend in den Hüften wiegten und keinen der Hu-hu- und Oh-Oh-my-Refrainchöre auslassen mochten. Geflachse vom „Neuen“ Flo, der erst 19 Jahre bei „Stiller“ mittut, lockerte die Stimmung ohnehin auf, da kam die Stoßrichtung auf tröstliche Erlösung umso besser rüber. „Ich, Roque“ pfefferte halb punkige Härte zwischen die oft hart gespielten und doch satt-melodiösen Titel, die dem Publikum unermüdlich Honig oder süßen Senf um den Bart schmierten. Dann wieder schein-improvisiertes Aus-der-Rolle-Treten mitten im Lied („bin mal gespannt, ob alles bebt, wenn Flo auf seine Pauke schlägt“) – das rockte in mehr als einer Hinsicht und war so unverschämt fröhlich, dass Flo ein Trommelfell ins Publikum schleuderte. Applaus, Applaus!

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