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Rockmusik im Trachtenlook: Andreas Gabalier will vor 100 000 Besuchern am Hockenheim-Ring singen

Von Der österreichische Volksschlagersänger hat ganz klein angefangen. Jetzt will er sein bislang größtes Konzert geben. Oktoberfeststimmung ist erwünscht.
Im Münchner Olympiastadion hat Andreas Gabalier seine Volksschlager vor 70 000 Besuchern gesungen. Am Hockenheimring sollen es 100 000 werden. Foto: Karsten Lauer (imago stock&people) Im Münchner Olympiastadion hat Andreas Gabalier seine Volksschlager vor 70 000 Besuchern gesungen. Am Hockenheimring sollen es 100 000 werden.

Manchmal können die Begriffe gar nicht bombastisch genug klingen, wenn es darum geht, seinen Erfolg in Worte zu fassen. Vom Phänomen Andreas Gabalier ist dann meistens die Rede. Und in der Tat: Seitdem schon sein Debütalbum „Da komm ich her“ die Charts eroberte und dabei nicht weniger als fünfmal Platin kassierte, scheint nichts seinen Aufstieg bremsen zu können. Andreas Gabaliers Auftritte erreichen immer gigantischere Dimensionen. Am 2. September will er auf dem Hockenheimring singen – vor ausverkauften Rängen. Die Arena fasst 100 000 Zuschauer. Es scheint nicht unmöglich, nachdem Gabalier auch das Münchner Olympiastadion mit über 70 000 Leuten schon mehrfach vollgekriegt hat.

Dirndl und Kariertes

Schlabberklamotten bleiben bei dem Österreicher im Schrank. Zu seinen Auftritten pilgern die Frauen im Dirndl und die Männer im karierten Tuch und Lederhosen wie Gabalier selbst. Gabalier hat wieder salonfähig gemacht, was jahrelang als Kennzeichen einer Heile-Welt-Schlagerkultur der Lächerlichkeit preisgegeben war. Aber was soll überhaupt dieses Schubladendenken? Haben Kritiker und Spötter diese Welt des volkstümlichen Schlagers überhaupt je richtig eingeschätzt? War sie nicht schon immer weitaus frecher, bunter, selbstironischer und offener für Neues als angenommen?

Kein Geringerer als Schlagermann Heino trat bekanntermaßen im Jahr 2013 zusammen mit den Rockern von „Rammstein“ auf – und das in Wacken, beim größten Metal-Festival der Welt. Seit Heino zudem in einem wilden Video mit seinen Kollegen „Wildecker Herzbuben“, Stefan Mross, Judith und Mel, Patrick Lindner und Gotthilf Fischer seinen Hit „Blau blüht der Enzian“ verrockte, scheint der Beweis erbracht: Hier war schon immer alles möglich.

Gaudi und Gefühl

Gabalier musste also gar nicht so viel Staub wegblasen, damals, als er seine ersten Lieder schrieb. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die man vermutlich nicht wirklich planen, sondern eher in einer Art Schicksalslotterie gewinnen kann. Gabaliers Stimme spielt dabei natürlich eine wichtige Rolle. Sein rauer und kehliger Gesang würde sich auch zu wahrer Rockmusik gut machen. Dazu verbindet er poppig arrangierte Melodien mit traditioneller Instrumentalisierung, eine Mischung, die seinen Zuhörern in die Glieder fährt.

Der Gaudi-Bursch und Stimmungssänger ist aber nur die eine Seite des Andreas Gabalier. Er hat auch Ruhigeres und Besinnlicheres wie „Amoi seg’ ma uns wieder“ im Gepäck. Ein Lied mit traurigstem Hintergrund: Vor seinem Durchbruch musste der Sänger zwei schwere persönliche Schicksalsschläge verkraften, als sowohl sein Vater wie auch seine Schwester sich das Leben nahmen. Ein Titel, der seinen Fans das Wasser in die Augen treibt und bei dem er mitleidet, wie er in Interviews bekennt.

Andreas Gabalier

Andreas Georg Gabalier wurde am 21. November 1984 als zweites von insgesamt vier Kindern vonWilhelm und Huberta Gabalier in Graz geboren.

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Angst vor einem Ende seines Erfolgs will er dagegen nicht haben, auch nervös sei er vor großen Auftritten nicht und Lampenfieber habe er „auf keinen Fall“, wenn er vor großen Menschenmengen aufträte. „Aber natürlich bringe ich bei solchen Auftritten die nötige Portion Ehrfurcht und Respekt mit“, beteuert er in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Das klingt durchaus glaubwürdig, wenn man betrachtet, wie kräftig Gabalier bei seinen Konzerten oft abgefeiert wird. Gabalier und sein Publikum, das ist eine echte Liebesbeziehung. Bei ihm bleiben die Leute nicht brav auf den Stühlen sitzen: Gabalier gestaltet volkstümliche Schlagermusik als fetzige akustische Untermalung für wilden Tanz und ausgelassenen Gesang. Bisweilen dirigiert er mehr als er singt.

Mann aus den Bergen

Aber auch die Schattenseiten seines Ruhms hat Gabalier schon kennengelernt. Ein dermaßen durchschlagender Erfolg zieht natürlich Kritiker an. Seine Texte seien simpel, seine Titel eher Lieder zum Mitklatschen als echte Volksmusik, heißt es mitunter. Kein neuer Vorwurf: Auch Heino und viele seiner Kollegen sahen sich deswegen gescholten. Schon wie blanker Neid mutet es allerdings an, wenn andere Musikmacher Gabalier rechtes Gedankengut unterstellen. Eine mehr als verschrobene Behauptung. Der Österreicher singt über die Madln, die Heimat und damit über das, was er mag und was Millionen einfach nur musikalisch gefällt. Dabei verleiht ihm auch seine steirische Sprachfärbung jene Authentizität, die direkt das Gefühl anspricht.

Seine Lieder würden ein Österreich vermitteln, das man in Deutschland mit Positivem verbindet, vermutet Gabalier. Sein letztes Album „Mountain Man“ hielt sich in Deutschland, der Schweiz und Österreich um die zwei Jahre lang in den Charts und erreichte in allen drei Ländern den ersten Platz. Sowas verleiht gute Laune, und die gibt Gabalier gerne an sein Publikum weiter. Die Voraussetzungen für das geplante Konzert am Hockenheimring könnten eigentlich nicht besser sein. Der Open-Air-Auftritt wäre ein weiterer Höhepunkt für seine Karriere. Schafft es Gabalier tatsächlich, 100 000 Plätze zu füllen? Gabalier gibt zu: Es wäre schon „ein wenig Größenwahn“ dabei.

Konzert Andreas Gabalier

Motodrom, Hockenheim. 2. September, 19.30 Uhr. Karten zu 51,90 Euro (Stehplätze) bis 81,90 Euro unter Hotline 01806-57 00 70.
Internet: www.eventim.de

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