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Frankfurts Museum für Moderne Kunst 2: Anlässlich der Buchmesse zeigt das MMK2 Werke des Niederländers Willem de Rooij

Der Städelschul-Professor Willem de Rooij hilft dem Betrachter im MMK2 mit seinem klaren Blick auf Farben, Räume, Bilder – und auch Blumensträuße.
Blumenstrauß von Willem de Rooij, betitelt „Bouquet V“. Foto: Photographer: Axel Schneider, Frankfurt am Main Blumenstrauß von Willem de Rooij, betitelt „Bouquet V“.

Drei Werkgrupen, drei Kabinette und drei Blumensträuße: Willem de Rooij hat eine klar strukturierte Ausstellung seiner Werke zusammen mit dem Kurator Klaus Görner entworfen. Entsprechend minimalistisch, aber auch verblüffend weitläufig erscheinen die Räume im Frankfurter MMK 2, dem Ableger des Museums für Moderne Kunst im Taunusturm, also mitten im Bankenviertel, unweit auch von Schauspiel und Oper gelegen.

Erstmals seit der Eröffnung der Dependance vor zwei Jahren sind die Fenster nicht verhüllt, der Blick kann also auch in den städtischen Raum schweifen. Der Blick und der Raum sind ohnehin zwei wichtige Konstanten für den 47-jährigen De Rooij, der kein Unbekannter ist. Seit mehr als 20 Jahren ist er eine feste Größe im Kunstbetrieb, anfangs oft mit Jeroen de Rijke, seit dessen plötzlichem Tod 2006 auch allein. Seit zehn Jahren hat De Rooij eine Professur für freie bildende Kunst an der Frankfurter Städelschule inne. Nun nutzt der Niederländer die bis zum 8. Januar nächsten Jahres laufende Schau für eine sehr konzentrierte Darstellung seiner Kunst.

Mitte und Mehrheit

Wer die Räume in der zweiten Etage des Hochhauses betritt, steht direkt vor dem ersten Blumenstrauß, ganz in Weiß, aber mit verschiedensten Blumen. Dem zweiten Strauß mit 98 Blumen in allen Farben begegnet man erst später beim Rundgang. Der dritte Strauß schließlich hält genau die Mitte zwischen den anderen beiden Sträußen, mit Farben, die nicht zu grell und nicht zu dunkel sind. Der weiße Strauß steht, so Klaus Görner, für die Gleichheit, der bunte Strauß für die Individuen, der dritte Strauß für die Mitte, die Mehrheit, die graue Masse.

Was auf den ersten Blick wie eine nette Dekoration erscheint, hat also durchaus etwas miteinander zu tun. Es gibt zwar keinen roten Faden durch die Schau, aber alles scheint mit allem verbunden. Ähnlich ergeht es dem Betrachter bei den drei sehr unterschiedlichen Werkgruppen, die zwischen 1990 und 2014 entstanden sind. „Willem de Rooij hat eine Gesamtinstallation geschaffen, die auch den Raum dazwischen einbezieht, die Innenarchitektur ebenso wie den Außenraum mit dem kleinen Park und den Bürotürmen“, meint Klaus Görner.

Bei den ältesten Arbeiten handelt es sich um eine mittlerweile 200 Stücke umfassende Sammlung des in den Niederlanden der 70er bis 90er Jahre sehr populären Modelabels Fong Leng. Nun zeigte De Rooij in vier Gruppen eine kleine Auswahl, allesamt Sportbekleidung mit exotischen oder simplen Mustern, die aus allen Kontinenten stammen, von Afrika bis Asien, und damit die unterschiedlichsten kulturellen und sozialen Konstellationen miteinander vermengen. „Multikulti“ also, selbst beim Sport.

Schwierige Einordnung

Doch klare Einordnungen fallen heute immer schwerer. De Rooij hat das bereits 2003 in einer Installation von 18 großen Tafeln verdeutlicht, die rund 500 Fotos aus internationalen Zeitungen und Zeitschriften enthalten, veröffentlicht von Januar 2000 bis Juli 2002. Immer geht es um Aufstände, Proteste, Trauer und Gedenkveranstaltungen. Freilich hat der Künstler nur die Bilder aufgeklebt, die Bildunterschriften aber entfernt. Die sind, fein säuberlich verzeichnet, in einem Heft zu finden. Da ist etwa eine Frau zu sehen, die ein Plakat mit dem Konterfrei des ermordeten schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King vor sich trägt. Daneben haben sich in Amsterdam die Frauen und Kinder von Taxifahrern versammelt, um gegen ein neues Beförderungsgesetz zu protestieren. Die Bilder zeigen jedoch nicht nur die Proteste, sondern auch die von vielerlei Kriterien geleitete Auswahl in den Medien.

Nicht zu vergessen die dritte Werkgruppe der gewebten Farbbilder, „Blue, Black“. Sie wurde mit denselben Farben gewebt, allerdings wurde ein Bild um 45 Grad gedreht. Wer sich von links nähert, wird das linke Bild als blau, das rechte als schwarz empfinden. Genau anders herum geht es dem von der rechten Seite kommenden Besucher. Entscheidend ist allein die Perspektive des Betrachters. In den drei Kabinetten schließlich wird De Rooijs frühes Spiel mit Farben und Räumen beleuchtet. So verlässt der Besucher die Schau mit geschärftem Blick.

 

Museum für Moderne Kunst (MMK 2), Taunustor 1, Frankfurt. Bis 8. Januar, dienstags bis sonntags 10–18 Uhr, mittwochs 10–20 Uhr. Eintritt 8 Euro. Telefon (069) 212-304 47. Internet www.mmk-frankfurt.de

 

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