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Die "Jüdischen Kulturwochen": Anna Seghers trifft auf Techno aus Tel Aviv

Die „Jüdischen Kulturwochen“ in Frankfurt gewähren facettenreiche Einblicke in jüdische Lebensweisen gestern und vor allem heute.
Sharon Eyals „L-E-V Dance Company“ aus Tel Aviv bringt zur Eröffnung der „Jüdischen Kulturwochen“ in Frankfurt Techno- und Club-Ästhetik ins Bockenheimer Depot. Sharon Eyals „L-E-V Dance Company“ aus Tel Aviv bringt zur Eröffnung der „Jüdischen Kulturwochen“ in Frankfurt Techno- und Club-Ästhetik ins Bockenheimer Depot.

Drei Wochen lang, vom 15. Oktober bis 5. November, trägt das Kulturfestival der Jüdischen Gemeinde ein junges und weltoffenes Programm in die Stadtgesellschaft und spiegelt darin moderne jüdische Kultur wider. Wie stets seit 1980, als Michel Friedman und Hilmar Hoffmann die „Jüdischen Kulturwochen“ auf den Weg brachten, richten sie sich an Juden wie Nichtjuden. Ansonsten hat sich seit der kleinen Filmschau vor 37 Jahren alles verändert.

Hohe Kulinarik

Marc Grünbaum und Daniela Lewin von der Jüdischen Gemeinde nehmen mehr denn je genreübergreifende Kultur in die „Kulturwochen“ auf: zeitgenössischen Tanz und Theater, Film und Kunst, Clubnächte und Musik, hohe Kulinarik und Familienprogramm. Auch Vorträge und Führungen haben überraschende Themen.

Zur Eröffnung im Bockenheimer Depot gastiert Sharon Eyals „L-E-V Dance Company“ mit „Sara“ und „Killer pig“. Die Techno- und Club-Ästhetik ihres Mannes Gai Behar fließt hier mit ein. Das Abschlusskonzert im Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum wiederum bestreitet Shulem Lemmer mit chassidischer Musik. Ein drittes Schwergewicht im Programm: Anna Seghers’ Romanklassiker „Das siebte Kreuz“ in Anselm Webers Frankfurter Bühnenregie im Schauspiel. Seghers erzählt von KZ und Verfolgung in der NS-Zeit.

Kulturreferentin Daniela Lewin hält zwei Tipps bereit. Erstens: Thomas Georg Blank führt im Laden-Showroom „Qitoya“ die Kunstintervention „Gewebe“ vor und erzählt, selbst strickend, von einer jüdischen Strickwarenfabrik im Bahnhofsviertel. Zweitens: Linda Winterberg liest im Philanthropin vor Publikum ab 14 aus ihrem bewegenden Roman „Solange die Hoffnung uns gehört“. Die Story: NS-Terror und Krieg, die rettenden Kindertransporte nach England und der drohende Tod im Vernichtungslager trennen eine Opernsängerin von ihrer kleinen Tochter. Interessant auch die Graphic-Novel-Version des Tagebuchs von Anne Frank, quasi ihr „Graphic Diary“ (Buchvorstellung, Stadtbücherei).

Ferner gibt es einen Werkstattbesuch und Filme, Kunst und Kunstführungen. Lukas Sünders Kunstinstallation „Datum“ konfrontiert Passanten mit der jüdischen Zeitrechnung. Kurz bevor der „Moses“ von Moritz Daniel Oppenheim, dem ersten jüdischen Akademie-Maler, in die Dauerausstellung des Jüdischen Museums eingeht, führt ein Werkstattbesuch zur Restauratorin. Eine Dokumentation im Filmmuseums-Kino handelt ebenfalls von dem Maler.

Mit Rabbi durch den Zoo

Vielfach kooperiert das Städelmuseum in Form von Führungen. So legt die Rabbinerin Elisa Klapheck ein Bild ihres Maler-Vaters Konrad aus, das Teil der Sammlung ist. Virtual-Reality-Brillen lassen die Städel-Räume wie vor 200 Jahren aussehen. Jakob Nussbaums Porträt des Dr. Leo Gans erinnert an einen jüdischen Industriellen und Städel-Mäzen.

Gemeinde-Rabbi Avichai Apel geht mit Familien durch den Zoo als Arche und erklärt Kindern die Bedeutung der Tiere in jüdischer Sicht. Ein offener Gottesdienst in der Westend-Synagoge wirbt bei Familien aller Konfessionen um Sympathie und Vertrauen. Rundgänge geleiten durchs „jüdische“ Westend oder über den Campus Westend, wo die Universität unter anderem eine neue App über die „Stolpersteine“ vorstellt.

Steffen Bruendel nimmt hier antisemitische Tendenzen bei der deutschen Linken unter die Lupe. Andere Vorträge und Führungen im Städel-Museum und im Museum Giersch verknüpfen den Genius loci etwa mit den Schicksalen jüdischer Privatsammler. In den Städel-Ateliers können zudem Kinder malend auf die besuchte Sammlung reagieren.

Zwei „Lifesaver Saturdays“ spielen sich in Musikclubs ab. Yossi Elad von den „Machneyuda“-Restaurants, die an der Spitze der Gastronomie in Israel rangieren sollen, schlägt im Club Michel sein Pop-Up-Restaurant auf. dek

Jüdische Kulturwochen

Vom 15.Oktober bis 5. November,
Verschiedene Veranstaltungsorte
in Frankfurt. Kartentelefon
(069) 1 34 04 00, Info (069) 21 27 42 37.
Internet www.juedische-
kulturwochen.de, www.jg-ffm.de

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