Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Verdis „Les vêpres siciliennes“: Auf der Hochzeit fallen tödliche Schüsse

Packendes Spiel aus dem Orchestergraben und durchwachsene Sängerleistungen bei der zweiten und letzten Wiederaufnahme von Verdis „Sizilianischer Vesper“ an der Oper Frankfurt.

Die Frankfurter Erstaufführung von Giuseppe Verdis „Les vêpres siciliennes“ unter der klugen Regie von Jens-Daniel Herzog war im Juni 2013 an der Oper ein Triumph. Warum die zweite Wiederaufnahme mittelmäßig ausfiel, hatte vor allem damit zu tun, dass die große Sängerdarstellerin Elza van den Heever als terroristische Hélène schmerzlich fehlte. Die zwar stimmschöne, aber darstellerisch schwache Sopranistin Barbara Haveman sang durchweg zum Dirigentenpult und vermochte die tiefe Zerrissenheit zwischen Vaterlandstreue und ihrer Liebe zum Sizilianer Henri nicht zu beglaubigen.

Auch die Neubesetzung von Henri, der gegen die französische Besatzung kämpft, krankte sowohl am mimischen Mangel des italienischen Tenors Leonardo Caimi, als auch an den stark wahrnehmbaren, stimmlichen Anforderungen seiner Partie. War das wichtige Liebespaar im Zentrum des Palermo-Polit-Thrillers zwar blass besetzt, so erlangte doch Bariton-Star Christopher Maltman als Usurpator Montfort vom ersten gewaltigen Ton an die Gunst der Zuschauer. Mit despotischem Durchsetzungswillen verkörperte er nicht nur eine der schwärzesten Vatergestalten Verdis, sondern wusste auch mit emotionaler Zartheit im dritten Akt zu rühren, als er entdeckt, dass Henri sein unehelicher Sohn ist.

Als weitere Stütze der Wiederaufnahme erwies sich der mit der Rolle des Jean Procida bereits vertraute Kihwan Sim aus dem Frankfurter Ensemble. Er überzeugte durchweg als fanatischer Kopf der sizilianischen Terrorzelle und verwandelte seine knifflige Auftrittsarie „Et toi, Palerme“ in einen vokalen Triumph. Dirigent Stefan Soltesz lieferte gemeinsam mit dem Opern- und Museumsorchester bereits in der furiosen Ouvertüre eine hochdramatische Umsetzung und wusste die bewegten Chormassen präzise bei ihren schwierigen Einsätzen zu leiten. Bis hin zu den tödlichen Schüssen auf der Hochzeit trieb Soltesz den süditalienischen Musikkrimi packend voran.

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse