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Ausstellung im Frankfurter Architekturmuseum: Aufnahmen für den Europäischen Architekturfoto-Preis 2017

Unter dem Titel „Grenzen“ zeigt Frankfurts Museum für Baukunst 28 ausgewählte Bilderserien mit ungewöhnlicher Fotografensicht auf Wohnhäuser und Zweckbauten.
Daniel Pollers Fotografie „Stone Record“ zeigt eine Fassade als reine Kulisse, hinter der die bauliche Leere gähnt. Daniel Pollers Fotografie „Stone Record“ zeigt eine Fassade als reine Kulisse, hinter der die bauliche Leere gähnt.
Frankfurt. 

Die Fenster sind mit Vorhängen verhüllt. Das Glas spiegelt nur die Straße und die Häuser von gegenüber. Die dahinter Arbeitenden zeigt es nicht. Eine gängige Abschottung von Büros. Doch die vier Fotos sind mit Kurztexten versehen. Diese informieren über die abgebildeten, in Berlin ansässigen Firmen und geben die Entfernung zum Bundestag an. Wilhelm Schünemann hat nämlich Konzernbüros abgelichtet, die in Berlin Lobbyarbeit betreiben, von Facebook bis zum Verband der deutschen Elektroindustrie. Eine Arbeit im Verborgenen.

Für diese Foto-Text-Installation erhielt Schünemann jetzt den zweiten Preis beim Europäischen Architekturfoto-Wettbewerb 2017. Die Serie des 50-jährigen Fotografen hängt bis 6. August im Frankfurter Architekturmuseum, zusammen mit Werken der 27 weiteren, in die Endrunde gekommenen Teilnehmer. Der alle zwei Jahre ausgelobte Preis dreht sich diesmal um das politisch brisante Thema „Grenzen“. Doch die meisten Bewerber gingen subtil und metaphorisch damit um, ähnlich wie Schünemann. Allerdings erwartet die Jury eine „fotografisch-künstlerische Auseinandersetzung mit der gebauten Umwelt“, so der Text der Ausschreibung. Das weitere Reglement lautet, dass jeder bis zu vier Fotos zeigen darf, mit einer Maximalgröße von 40 mal 30 Zentimetern.

Baustellen hinter Gittern

Der Preis wird seit 1995 verliehen und hat längst internationales Renommee, auch wenn er nicht hoch dotiert ist. Ohnehin ist er schon seit geraumer Zeit nicht mehr auf Europa beschränkt. Bis nach Japan, Kanada und Amerika reicht die Liste der Bewerber, die in diesem Jahr aber nur 133 Fotografen umfasst, ein Rückgang um 50 Prozent gegenüber dem vorvergangenen Jahr 2015.

Viele dürfte wohl das emotional besetzte Thema abgeschreckt haben. Andreas Gehrke hat sich darum nicht geschert und den mit 3000 Euro dotierten ersten Preis gewonnen. Der 42-jährige Berliner fotografierte provisorische Flüchtlingsunterkünfte, in denen mit Baustellengittern eine fragile Privatsphäre hergestellt wurde. Gehrke erhaschte dabei eine aufragende palästinensische Flagge – eine klare Markierung, eine Grenzziehung gegenüber den Flüchtlingen aus anderen Ländern. Freilich ist Gehrkes Serie schwer zu lesen, geht es doch um vier Einzelszenen, die zudem zwischen Außen und Innen wechseln.

Die meisten Bewerber aber treten mit einer homogenen Serie auf. Daniel Poller etwa hat sich den Baustellen gewidmet, den Absperrungen und Umleitungen. Und er wirft quasi nebenbei einen Blick auf alte Fassaden, die nur als Kulissen für schicke Neubauten überleben. Neben Poller hat auch Matthias Jung einen zweiten, mit 1000 Euro dotierten Preis erhalten, für Fotos von einer Geisterstadt in Nordrhein-Westfalen. Die Türen sind schon mit Brettern vernagelt, die Rollläden heruntergelassen, kein Mensch weit und breit zu sehen. Der Braunkohletagebau verdrängt alles. Die Pläne sind fixiert, die Grenzen gezogen.

Natürlich gibt es auch Aufnahmen von den ausgedienten Grenztürmen zwischen West- und Ostdeutschland, von den Grenz- und Zollbaracken an den EU-Grenzen oder von den weltweiten Grenzmauern. Doch interessanter sind die anderen, oft unscheinbar daherkommenden Motive, die nicht sofort ins Auge fallen. Der Japaner Shimizu Ken hat im Krankenhaus das Zimmer seiner Großmutter dokumentiert, die sich mit Bildern, Kalender und anderem Wandschmuck häuslich eingerichtet hat. Das Leben im Hospital spielt sich auf wenigen Quadratmetern ab; jeder grenzt sich ab, sucht einen Rückzugsort rund ums Bett.

Markierungen im Kopf

Oft beginnen Grenzen im Kopf, wie der Franzose Philippe Grollier an Bildern aus Belfast zeigt. Dort sind die Wohngebiete der Katholiken und Protestanten noch immer strikt durch Mauern und hohe Zäune getrennt, fast 20 Jahre nach dem offiziellen Ende des Nordirland-Konfliktes. In friedlicheren Regionen sind hingegen Hecken gefragt. Gleich zwei Fotografen beschäftigen sich mit dem populären und billigen Sichtschutz. In England hübscht er öde Wohnhäuser auf, in der Eifel blitzen Fachwerkhäuser keck über die grünen Grenzen. Von Gartenzäunen aber bleibt der Besucher fast verschont.

 

Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, Frankfurt. Bis 6. August, dienstags und donnerstags bis sonntags 11–18 Uhr, mittwochs 11–20 Uhr. Eintritt 9 Euro, Katalog 24,80 Euro. Telefon (069) 212-388 44. Internet www.dam-online.de

 

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