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Ausstellung im Frankfurter Portikus: Aus Beton, Stahl, Wut und Sprache entsteht eine Kunst-Installation

Der britische Künstler Michael Dean stellt im Frankfurter Portikus Beton und Sprache in den Raum. Zudem kommen Plastiktüten und Bücher zum Einsatz.
Frankfurt. 

Eigentlich ist Michael Dean Bildhauer. Für den 1977 geborenen, britischen Künstler ist aber auch Text ein gleichberechtigtes künstlerisches Medium. „Bevor er Skulpturen macht, schreibt er“, erklärt Fabian Schöneich, Kurator der Frankfurter Kunsthalle Portikus. Dort ist eine Ausstellung von Michael Dean zu sehen, deren Titel „Teaxths ans Angeruage“ bereits auf Deans spielerischen Umgang mit Sprache verweist. Der Ausstellungstitel besteht aus zwei zusammengesetzten Wörtern: Text und Tod (Englisch: text and death) sowie Wut und Sprache (Englisch: anger and language). Die Schau rückt Michael Deans Text- und Typografieprojekte in den Fokus.

Dem Ausstellungsbesucher begegnet im Eingangsbereich zunächst eine menschengroße, abstrakte Skulptur aus rot eingefärbtem Beton und Stahlträgern. Sie markiert Deans künstlerische Herkunft. In der (eigentlich noch unfertigen) Skulptur und auf dem Boden finden sich Abgüsse geballter Fäuste. Man könnte sie als ein Symbol für Gewalt, aber auch für Haltung und Widerstand interpretieren. Die Fäuste, deren Formen vom Künstler und seinen Kindern stammen, transportieren in jedem Fall Kraft und Ausdruck. Die Skulptur fungiert als ein Prolog zu dieser Schau.

Den Ausstellungsraum des Portikus bespielt Michael Dean mit mehreren großformatigen Alugerüsten, die an der Empore lehnen und mit einem halbtransparenten Staubschutznetz bespannt sind. Auch hier verwendet Dean einfache, im Baugewerbe übliche Materialien. In das Netz sind diverse rausgerissene Buchseiten, ganze zerknüllte Bücher, aber auch Absperrbänder und Plastiktüten eingearbeitet. Auf den ersten Blick mutet die Szenerie wie eine zufällige Ansammlung von Abfall an. Diese beiläufige, buchstäblich „trashige“ Ästhetik ist vom Künstler wahrscheinlich beabsichtigt. Schnell entdeckt man jedoch, dass die Buchseiten und Objekte in ihrer Anordnung mehrfach den Buchstaben „f“, in kleiner und großer Schreibung, ergeben.

Künstlerisches Recycling

Beim näheren Hinsehen stößt der Besucher zudem auf Michael Deans Texte. Die rausgerissenen und auf das Staubschutznetz aufgetragenen Buchseiten stammen aus Künstlerbüchern, die Dean für vergangene Ausstellungen produziert hat. Er betreibt in Frankfurt eine Art künstlerisches Recycling. Deans Buchprojekte stehen in der Tradition der Konkreten Poesie, die Sprache zu einem visuellen Ausdrucks- und Gestaltungsmittel machte. Es finden sich beispielsweise Seiten aus einem Buch, das an ein Wörterbuch erinnert und nur die Buchstaben „h“ und „n“ verwendet. Ein anderes Künstlerbuch ist wie ein Theaterstück aufgebaut und setzt sich ausschließlich aus den Buchstaben des Satzes „I love you“ zusammen. Es entstehen Nonsens-Dialoge wie: „Vey ouil?“ – „Ove“ – „You?“ – „Il! O’v youi loveyo“. Auch die weißen Plastiktüten, die sich mehrfach in der Ausstellung finden, sind mit verschiedenen Variationen des Satzes „I love you“ bedruckt. Sie kommen zeitgleich in Münster zum Einsatz. Michael Dean bespielt damit den Lichthof des dortigen LWL-Museums für Kunst und Kultur.

Variationen des derben englischen Ausspruchs „You fuck you fucking“ finden sich in einem weiteren Künstlerbuch. Es macht merkwürdigerweise Spaß, die Tiraden zu lesen: „Oufuc? Kin gyouf’u cking gyoufcuking.“ – „Oufu cking y?“ – „Fuck, ingy ouf’ cky ou fucki?“. Wie überhaupt das „f“-Wort eine prominente Rolle in Deans Installation spielt. Es findet sich auch auf den Absperrbändern, die an mehreren Stellen in der Schau auftauchen: „FUCKSAKE“ („Verdammt noch mal“) Die Kraftausdrücke sind einerseits eine Hommage auf Michael Deans Heimat, die nordenglische Industriestadt Newcastle upon Tyne. Sie sind aber auch ein künstlerisches Markenzeichen.

 

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