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Komödie: Ausbildung zum Flitzer

Von In Peter Luisis Komödie „Flitzer“ verschuldet sich ein Schweitzer so hoch, dass er kriminell werden muss: Er steigt in das Geschäft mit illegalen Sportwetten ein.
Flitzen als Geschäftsmodell. Darüber sollte man ruhig einmal intensiver nachdenken. Flitzen als Geschäftsmodell. Darüber sollte man ruhig einmal intensiver nachdenken.

Kein alleinerziehender Vater hat es leicht. Schon gar nicht, wenn sein einziges Kind ein pubertierendes Mädchen ist. So geschieht es dem Gymnasiallehrer Baltasar Näf (Beat Schlatter) mit Elisa (Luna Wedler). Schlimm: sie ist auch noch seine Schülerin. Als solche hat sie nur Spott für den „Herrn Näf“ übrig. Allzu bieder und angepasst ist der Witwer Mitte 50, der nur für seinen großen Traum lebt, den letzten Wunsch seiner verstorbenen Frau zu verwirklichen. Ein Museum für den Schweitzer Dichter Gottfried Keller (1819–1890) soll gebaut werden. Tatsächlich wäre das Geld vorhanden. Rund 741 000 Franken stehen aus dem Überschuss des Schuletats zur Verfügung. Bloß beschließen die übrigen Lehrer seiner Schule, dass der ansehnliche Betrag für einen neuen, fifazertifizierten Kunstrasen verwendet werden soll. Näf ist am Boden zerstört. Nach einem Besuch bei seinem Friseur Kushtrim (Bendrit Bajra) kommt ihm jedoch eine Idee. Der gewiefte Figaro verdient mit Sportwetten ziemlich gut. Und nachdem Näf von einer fingierten Wette hört, geht er zur Bank, hebt die knappe dreiviertel Million vom Konto der Schule ab, wettet und verliert: alles. Zwar hatte der bestochene Torwart schlecht gehalten. Aber weil ein nackter Mann, ein „Flitzer“, kurz vor Spielende über das Feld gelaufen war und damit ablenkte, konnte noch ein fatales Tor fallen.

Geld her

Aus der Not heraus kommt Näf eine Idee. Warum sollte man nicht auf „Flitzer“ wetten? Absurd? Nein. Nach kurzer Anlaufphase freuen sich Näf und Kushtrim über erste Einnahmen. Bloß muss noch mehr Geld her! So findet Näf nach und nach Männer und Frauen, die er im Rahmen eines Seminars für Selbstbewusstsein im Flitzen ausbildet. Flitzen wird zum Sport, der begeistert. Bloß nicht die Polizei.

„Und wer hat es erfunden? Die Schweizer.“ So heißt es. Dabei haben sie kaum etwas selbst kreiert. Aber sie haben vieles, das es bereits gab, besser gemacht. So ist es auch mit dem Genre der Komödie. Denn schließlich ist dem Regisseur und Drehbuchautoren Peter Luisi mit „Flitzer“ eine Komödie gelungen, die den Zuschauer über anderthalb Stunden hinweg auf hohem Niveau amüsiert. Auf hohem Niveau? Ja, denn Peter Luisis Inszenierung ist so charmant und geschmackssicher, dass sogar Kinder an dem Spielfilm große Freude haben können. Wunderbar getragen wird die Geschichte, die zum Ende hin noch einmal mächtig an Spannung zulegt, von einem unverkennbar schweizerischen Humor.

Ungemein sympathisch

Dass dies so ist, verwundert kaum. Schließlich hat der Kabarettist und Hauptdarsteller Beat Schlatter maßgeblich am Drehbuch mitgeschrieben. In der Rolle des Lehrers, der sich zum geschickten Geschäftsmann entwickelt, wirkt er ungemein sympathisch. Das gilt ebenso für die Nebenfiguren. Bei all dem übersieht man fast, wie detailverliebt diese Komödie ist. So sehr, dass der „X-Verleih“ entschieden hat, den Film in Schwyzerdütsch mit deutschen Untertiteln in die Kinos zu bringen. Wunderbar. Somit verliert dieser Film nichts von seinem Zauber. Sehenswert

 

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