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Ausbildungsradio ist auf Sendung

Wie funktioniert eigentlich Radio? Diese Frage wird für die rund 70 Studenten und Schüler des Projekts „Ausbildungsradio rockfun24“ der evangelischen Hörfunkschule Frankfurt in den nächsten zwölf Tagen beantwortet. In dieser Zeit sind die Jugendlichen als Reporter, Moderatoren, Videojournalisten und Redakteure auf Sendung.
Innenstadt. 

"Dann würde ich mal sagen, wir gehen die Reihe durch, wenn jemand Beitragsvorschläge hat, nur raus damit", eröffnet Andreas Fauth, Leiter des Ausbildungsradios, die erste offizielle Redaktionssitzung des Ausbildungsradios "rockfun24". Er schaut in 20 gespannte Gesichter. "Am Sonntag läuft der erste Tatort mit Til Schweiger", berichtet Charlotte Schulze. "Na dann versuchen wir doch ein paar O-Töne zu holen, da kriegen wir bestimmt einiges - vom hysterischen Kreischen bis hin zur totalen Ablehnung", sagt Andreas Fauth lachend. Wie das eben so ist bei Redaktionssitzungen wird viel diskutiert, jeder kann seine Meinung sagen und Kritik äußern, die Teilnehmer hören sich gegenseitig aufmerksam zu, gemeinsam wird beschlossen, welche Themen in die Sendung aufgenommen werden. Aus jeder Redaktion sind Vertreter anwesend, von Online, den Nachrichten, Kultur, Sport, den Videojournalisten und den einzelnen Sendungen, auch eine Social Media Managerin sitzt mit am Tisch. Seit heute morgen um 6 Uhr sind die 70 Schüler und Studenten des Projekts live auf Sendung, die nächsten zwölf Tage läuft das Programm auf der UKW-Frequenz 92,9.

Medien ausprobieren

"Ich bin bereits im zweiten Jahr dabei, vergangenes Jahr bekam ich den Tipp mich hier zu bewerben von einer Bekannten. Die Zeit hat großen Spaß gemacht, man lernt relativ schnell extrem viel", erzählt Marie Therese Rompf, 24-jährige Literatur- und Sprachwissenschaftsstudentin aus Frankfurt. Sie sitzt zusammen mit Kollege Nicklas Wolf vor den Mikros im Studio, die beiden moderieren souverän die Morningshow. "Die meisten, die hier sind, wollen eben irgendwas mit Medien machen. Da ist das natürlich eine super Möglichkeit, sich auszuprobieren", sagt Nicklas, rückt seine Kopfhörer zurecht und schiebt den Regler nach oben.

Johan Helmer Hein, Chef vom Dienst (CVD) des Projekts, ist sehr zufrieden mit seinen Teilnehmern: "Die Bewerbung hier ist eigentlich ganz klassisch, wir verschaffen uns einen Überblick und laden die Bewerber dann zu einem persönlichen Gespräch ein, um festzustellen, was dem Einzelnen am besten liegt, was die persönlichen Neigungen und Stärken sind." Vor den zwölf Tagen auf Sendung besuchen die Jungjournalisten verschiedene Workshops, jeweils auf ihr Spezialgebiet bezogen. "Nur schneiden, das muss jeder können. Und wer es nicht kann, der lernt es eben hier", meint Marie, während sie sich den Moderationstext noch einmal durchliest. "Und los geht's, kurz leise sein", sagt Nicklas und beugt sich zum Mikrofon. Auf rockfun24 läuft, wie der Name schon sagt, ausschließlich Rockmusik, independent und alternativ. Die Sendung existiert in Kooperation mit dem Internetsender rockfun24, der in dieser Zeit auf UKW ausstrahlen kann. "Jugendsender, die Rock spielen, sind eher selten, damit sticht unsere Musikredaktion ein bisschen hervor. Außerdem unterstützen wir auch lokale Newcomerbands", erklärt Hein.

Projekt seit sieben Jahren

Das Ausbildungsradio der evangelischen Hörfunkschule Frankfurt läuft bereits seit sieben Jahren jedes Frühjahr unter einem bestimmten Thema, dieses Jahr begleitet rockfun24 die "Internationalen Wochen gegen Rassismus" mit Beiträgen, Interviews und Berichten. Dem werden die verschiedenen Sendungen angepasst und greifen das Thema immer wieder auf.

Die 16- bis 28-jährigen aufstrebenden Journalisten haben sich auch in diesem Jahr wieder etwas Besonderes überlegt: einen Poetry Slam. In der Sendung Multikulti, die immer von 20 bis 22 Uhr zu hören ist, tritt jeden Abend ein Hörer mit einem Gedicht auf, auf der Facebookseite können die Zuhörer abstimmen, welcher Vortrag ihnen am besten gefällt. Der glückliche Gewinner tritt am 23. März in einer vom Radio gemieteten Straßenbahn auf.

Trotz allem sehen die angehenden Journalisten der Wahrheit ins Auge: Radio wird immer weniger gehört. "Nicht das Radio stirbt langsam, sondern der Moderator. Es gibt mehr Songs und weniger Text", meint Marie. Nicklas nickt zustimmend. "Wenn ich mit meinen Freunden spreche, hören leider nur wenige Radio, höchstens mal im Auto. Die soziale Komponente funktioniert inzwischen aber super, der Sender wird über die Vernetzung mit Facebook dein Tagesbegleiter, es findet ein Austausch zwischen Hörer und Sender statt. Deshalb sollte man für die Zukunft des Radios nicht so schwarz sehen", ist Nicklas überzeugt.

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