Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Architektur der Niederlande und Flandern: Ausstellung im Architekturmuseum lockt nach Holland

Frankfurts Architekturmuseum vergleicht die Entwürfe flämischer und niederländischer Baumeister seit 1980 – riesige Starprojekte treffen auf kleinste Vorhaben.
Das Hafengebäude Zeebrügge in der belgischen Stadt Brügge wurde mit Schwung von der Architektengruppe OMA entworfen. Foto: Karin Das Hafengebäude Zeebrügge in der belgischen Stadt Brügge wurde mit Schwung von der Architektengruppe OMA entworfen.
Frankfurt. 

Die gemeinsame Sprache eint sie, natürlich auch vieles anderes in der Kultur. Doch in der modernen Architektur gingen die Niederlande und Flandern, also der niederländisch sprechende Teil Belgiens, offenbar getrennte Wege. „Die Niederlande sind eine Art Hollywood für Architekten. Wer Schauspieler werden will, geht nach Hollywood, wer Architekt werden will, kommt hier hin“, beschrieb noch vor zehn Jahren ein kanadischer Baumeister die euphorische Stimmung in unserem Nachbarland.

Schnuckelige Häuschen

Die „Superdutch“-Architekten, so die ironische Bezeichnung für Stars wie Rem Koolhaas und Ben van Berkel, gaben den Ton an und sorgten für weltweites Staunen, bis die Finanzkrise ab 2008 auch die Baubranche mit sich riss. In Flandern hingegen wurde nicht so spektakulär gebaut, weniger vom Konzept und stärker vom Kontext her gedacht. Man achtete mehr auf die Geschichte, die Umgebung und das Baumaterial.

Während in Flandern kleine, schnuckelige Einfamilienhäuser entstanden, wurden in den Niederlanden Wohnblocks, Brücken und Bibliotheken hochgezogen. Ohnehin trotzten die Niederländer dem Meer immer wieder Land ab; folglich spielte die Planung und die Einbeziehung der Öffentlichkeit eine große Rolle. Von all diesen Gegensätzen ging auch Sophie De Caigny aus, als das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt (DAM) sie einlud, eine Ausstellung zu machen über moderne Bauten in Flandern und den Niederlanden, den diesjährigen Ehrengästen der Frankfurter Buchmesse.

Doch die Kuratorin des Flämischen Architekturinstituts (VAi) in der belgischen Großstadt und Hafenstadt Antwerpen hat dazugelernt. Als sie den Rückblick auf die Zeit von 1980 bis heute vorbereitete, stieß sie auf immer mehr verblüffende Parallelen in beiden Ländern. Die „Superdutch“-Architekten haben, mit historischem Abstand betrachtet, doch auch auf die Umgebung ihrer Projekte geachtet, während in Flandern nicht nur biedere Häuser errichtet wurden.

Gut zu vergleichen ist das jetzt an 60 Bauten, die das DAM bis 12. Februar nächsten Jahres präsentiert. Sie werden anhand von Modellen, Fotos und Texten vorgestellt, eingebettet in fünf Kapitel, vom Wohnen, über den Umgang mit Vergangenheit und Gegenwart, bis zur Stadtplanung. Dass man in der Schau länger und sogar gern verweilt, ist auch der ungewöhnlichen, aber erfrischend wirkenden Präsentation auf Tischen zu verdanken, eingerahmt von Vorhängen, als würde man vor einer Bühne stehen oder von einem Fenster ins Haus blicken.

Eine abschließende Wunderkammer mit 160 weiteren, aber kleineren Modellen gewährt einen Blick in die Zukunft. Hier zeigen junge Architekten aus beiden Ländern ihre schon realisierten Projekte oder noch Traum gebliebenen Entwürfe. Die allmähliche Annäherung der beiden Bauwelten wird so deutlich. Ohnehin wird inzwischen „überall in Europa ungefähr dasselbe gebaut, unter Einbeziehung lokaler Traditionen“, meint der namhafte Fachmann Hans Ibelings.

Lofts und Apartments

Natürlich ragen spektakuläre Bauten heraus, etwa die Möbius-Villa bei Amsterdam (1998) mit drei ineinander verschlungenen Ebenen, entworfen von Ben van Berkel, der lange an der Frankfurter Städelschule lehrte. Die Villa beruht auf dem Wunsch eines zu Hause arbeitenden Paares, seinen Lebens- und Arbeitsrhythmus auf- und abzuteilen. Die Lösung war eine Endlosschleife. Nichts anderes ist die 1840 erfundene Idee des Mathematikers Möbius, das Ende eines simplen Streifens um 180 Grad zu drehen und mit dem Anfang zu verbinden. Jetzt gibt es in diesem verschlungenen Haus gemeinsame, aber auch getrennte Arbeits-, Wohn- und Schlafbereiche.

Nach außen hin ist jedoch nur ein langer, flacher und mehrfach gezackter Bau zu erkennen. Ein Wunschhaus, das noch vor der Finanzkrise entstand. Heute baut man in und um Amsterdam viel bodenständiger. Das hat man in Flandern schon lange gelernt. Noch im Entstehen begriffen ist in Antwerpen ein Quartier um ein ehemaliges Militärkrankenhaus. Die Altbauten wurden in Sozialwohnungen, Apartments und Lofts verwandelt, zudem entstanden auf dem großen Areal neue Wohnhäuser.

 

Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, Frankfurt. Bis 12. Februar 2017, dienstags und donnerstags bis sonntags 11–18 Uhr, mittwochs 11–20 Uhr. Eintritt 9 Euro. Englischsprachiger Katalog 24,50 Euro. Telefon (069) 212-388 44. Internet www.dam-online.de

 

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse