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„Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste“: Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle: Oasen des Glücks und des Golds

Das alte Persien soll ein Paradies gewesen sein. Die Bundeskunsthalle Bonn will mit einer Schau daran erinnern, welche Künste einst in dem asiatischen Reich blühten.
Goldschmuck, Gebrauchsgefäße und Kultgegenstände des 6. Jahrhunderts v. Chr. aus den Gräbern der elamischen Prinzessinnen aus Dschubadschi sind in der Bundeskunsthalle zu sehen. Bilder > Foto: David Ertl Goldschmuck, Gebrauchsgefäße und Kultgegenstände des 6. Jahrhunderts v. Chr. aus den Gräbern der elamischen Prinzessinnen aus Dschubadschi sind in der Bundeskunsthalle zu sehen.
Bon. 

Das Paradies liegt in Bonn. Zumindest ein paar Monate lang: Bis zum 20. August läuft in der früheren Hauptstadt eine deutsch-iranische Ausstellung, die Kulturvertreter beider Staaten wahlweise als „Meilenstein“, „bahnbrechend“ oder „wegweisend“ bezeichnen. An der Bundeskunsthalle können Besucher nicht nur ins Paradies eintauchen (gemeint ist die Nachbildung eines persischen Gartens), sondern sich auch in eine Ausstellung mit mehreren hundert, zum Teil noch nie in Deutschland gezeigten Ausstellungsstücken vertiefen. Der Titel der Schau, die mehrere Jahrtausende überspannt, lautet „Iran. Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste“.

Guten Willen zeigen

Auf Nachfrage betont Museumsleiter Rein Wolfs, dass die deutsch-iranische Zusammenarbeit vorab „sehr zielführend“ gewesen sei: „Es gab nie ein Problem“. Anders war es in Berlin, wo nach zähem Hin und Her und unter anderem wegen mangelnder Ausfuhrgenehmigung eine für vergangenen Dezember geplante Schau aus dem Iran mit Werken moderner Kunst aus der wertvollen Sammlung der ehemaligen Kaiserin von Persien, Farah Diba, abgesagt worden war.

Klar ist: Es geht bei dem Berliner und dem Bonner Projekt um sehr unterschiedliche Inhalte und Hintergründe. Kulturstaatsministerin Monika Grütters bezeichnet die Schau am Rhein im Ausstellungskatalog denn auch als „Meilenstein in der Geschichte der deutsch-iranischen Kulturbeziehungen“, gerade in „schwierigen weltpolitischen Zeiten“.

Der stellvertretende Direktor der iranischen Behörde für Kulturelles Erbe, Mohammad Hassan Talebian, betonte vor Eröffnung der Schau immer wieder, dass der Iran und die Kultur des Landes „friedliebend“ seien. Die kulturelle Vielfalt sei sehr wichtig. Auf einer Vorbesichtigung hob Talebian im Gespräch mit einem Fernsehsender hervor, dass es wichtig sei, über die Ausstellung ein anderes Bild des Iran zu vermitteln. Dieser wird im Westen etwa mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht.

Gründung der Städte

Wer in die neue Ausstellung eintaucht, der lässt die Weltpolitik von heute allerdings rasch hinter sich. Über 400 antike Stücke aus dem heutigen Iran und die Darstellung landschaftlicher Gegensätze des Staates verlangen große Aufmerksamkeit. So geht es um die Sesshaftwerdung bis zur Gründung der ersten Städte, um Sprache und Schrift, den Austausch durch Handel, den Tempelbau und auch die Folgen von Raubgrabungen.

Viele Exponate werden nach Museumsangaben zum ersten Mal im Ausland gezeigt: Darunter sind Steingefäße aus der Stadt Dschiroft und Funde aus dem Grab von Prinzessinnen des Reiches Elam. Zu sehen sind auch kleine Figuren wie die Darstellung einer sitzenden Frau aus gebranntem Ton aus der Zeit von 7000 bis 6100 v. Chr. Oder das Modell eines Hauses von 6200 bis 5300 v. Chr.; Funde wie Gefäße und Textilien aus großen Begräbnisstätten, das Modell eines Tempels – alles eingebettet in bestimmte Epochen.

Präsentiert werden auch Weltkulturerbestätten im Iran, von denen es 21 gibt. Darunter sind 9 Gärten, wie Ausstellungsleiterin Susanne Annen erläutert. Als Weltkulturerbe vorgestellt wird auch der Persische Garten, der nicht selten der Wüste abgetrotzt wurde. Der Besucher kann im Nachbau auf dem Museumsvorplatz eine Ahnung davon bekommen, was zu solch einem Garten dazugehört. Die mit Mauern umschlossene, rund 400 Quadratmeter große Anlage hat ein Wasserbecken, gesäumt von Zitronen- und Granatapfelbäumen.

Lüftung des Schleiers

Die Ausstellung soll laut Museum „den Schleier vor den lange Zeit verborgenen Schätzen der iranischen Kulturen der Frühzeit, vom 7. Jahrtausend v. Chr. bis zum Aufstieg der Achämeniden im 1. Jahrtausend v. Chr.“ lüften. Es handelt sich um eine Zusammenarbeit mit dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran sowie der Iranischen Behörde für Kulturelles Erbe, Handwerk und Tourismus. Im Begleitprogramm wird auch eine internationale Tagung zum archäologischen Erbe vom 7. bis zum 9. Juli angeboten.

Wer die Ausstellung besucht, sollte Zeit und Neugier mitbringen, um sich auf den Umfang einzulassen. Das Museum hat der Schau ein auf verschiedene Weise zu interpretierendes Zitat vorangestellt, das dem Mystiker Rumi (1207–1273) zugeschrieben wird: „Jenseits von richtig und falsch gibt es einen Ort. Hier können wir einander begegnen.“

 

Bundeskunsthalle, Friedrich-Ebert-Allee 4 (Museumsmeile), Bonn. Bis 20. August, dienstags und mittwochs 10–21 Uhr, donnerstags bis sonntags, feiertags 10–19 Uhr. Eintritt 12 Euro. Persischer Garten bis 15. Oktober, Eintritt 8,50 Euro. Kombikarte 14 Euro.
Telefon (0228) 91 71-200.
Internet www.bundeskunsthalle.de

 

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