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Show: „Ballet Revolución“: Ein Hauch von Havanna in der Jahrhunderthalle

Von Das Ensemble aus der Karibik macht auf seiner Deutschlandtournee in dieser Woche Station in Frankfurt.
Dynamisch und kraftvoll zugleich agieren die Tänzer des „Ballet Revolución“, das von morgen an in Frankfurt gastiert. Foto: Johan Persson Dynamisch und kraftvoll zugleich agieren die Tänzer des „Ballet Revolución“, das von morgen an in Frankfurt gastiert.

Kurz vor der Vorstellung ist Zeit zum Spielen. Beim obligatorischen Warm-up vor noch leerem Zuschauerraum auf der Bühne gibt Ballettmeister Ernesto Fariña García zu Klavierklängen vom Band die Bewegungsfolgen zwar grob vor. Doch spätestens als der Part à la barre vorbei ist, die mobilen Stangen zur Seite geräumt sind und das Training im freien Raum beginnt, dürfen die Tänzerinnen und Tänzer des „Ballet Revolución“ ihrer Individualität freien Lauf lassen. Wie oft sie um ihre Längsachsen wirbeln, wie weit sie ihre geschmeidigen Körper dehnen oder beugen, wie hoch und wie weit sie springen und in welcher finalen Pose sie jeweils enden, all das ist den überwiegend in schwarze, lässig-bequeme Shirts und Trikots gekleideten Künstlern selbst überlassen. So wirken die einen in ihre Leidenschaft versunken, die anderen holen aus ihren ausgeprägten Muskeln scheinbar schon alles raus.

Zwei Zweige

Was außer der unterschiedlichen Herangehensweise und der lockeren Atmosphäre während der Vorbereitung auf den täglichen, kraftraubenden Auftritt deutlich wird, das ist die unterschiedliche Ausbildung, die die knapp 20 Ensemblemitglieder genossen haben. Auf Kuba, woher sie stammen, wird der gesellschaftlich geachtete Tanz in der 1961 von Fidel Castro initiierten Escuela Nacional de Arte in Havanna in zwei verschiedenen Zweigen unterrichtet: einem klassischen und einem modernen. Die Lehrjahre sind kostenlos, von späteren Gagen will der Staat dafür seinen Teil
abhaben.

Über die Zukunft müssen sich diejenigen, die sich entschließen, ihr Leben der harten Körperarbeit zu widmen, keine großen Sorgen machen. Etwa 50 verschiedene Tanzgruppen bestehen auf der Karibikinsel. Dabei gibt es ungewöhnlicherweise mehr Männer als Frauen, die es in diesen anstrengenden Beruf zieht. Im Ensemble des „Ballet Revolución“ beispielsweise kommen auf eine Tänzerin zwei Tänzer.

„Tanz ist alles auf Kuba“, erklärt Barbara Lisandra Patterson Sánchez, die zwei Jahre lang beim Nationalballett engagiert war. „Jeder wird hier mit Tanz im Blut geboren.“ Und jeder, der seinen Körper gekonnt bewegen kann, genießt entsprechend hohes Ansehen.

Die tiefe Verwurzlung der Bewegungskunst in der eigenen Kultur spiegelt sich darin wider, dass sich ein eigener, nationaler Stil entwickelt hat, der die folkloristische Tradition mit den Elementen des klassischen und zeitgenössischen Tanzes verbindet. „Die kubanischen Tänzer bewegen sich anders“, betont Roclan González Chávez, einer der beiden Choreografen des „Ballet Revolución“. „Mit einer großen Lockerheit in den Schultern und Hüften.“

Nicht nur Mambo

Man kennt das von Rumba oder Mambo. Doch die Show verbindet diese typischen Elemente mit der Musik auch des „Klassenfeindes“. Neben Songs von Enrique Iglesias, „Coldplay“ oder Adele befinden sich Hits von Justin Bieber und Justin Timberlake im Repertoire der sechsköpfigen Band, die die mitreißenden und kraftvollen Choreografien live begleitet. Die Macher verstehen dies als deutlich hörbares Zeichen der Öffnung ihres Landes auch unter den jetzt wieder schwieriger gewordenen Bedingungen.

Bereits viermal hat das „Ballet Revolución“ das deutsche Publikum mit dieser ungewöhnlichen und auch sehr akrobatischen Mischung begeistert. Für die aktuelle Deutschland-Tournee, die von morgen an bis einschließlich Sonntag in der Frankfurter Jahrhunderthalle Station macht, wurde das Programm modifiziert, sind 70 Prozent der Nummern neu. Auf spektakuläre Bühnenbilder wird verzichtet; es ist vor allem das Lichtdesign, das zwar für den passenden Hintergrund sorgt. Ähnliches gilt für die Kostüme: Die fließenden Stoffe, für die der durch diverse TV-Shows bekannt gewordene Model-Coach Jorge Gonzalez verantwortlich zeichnet, sollen den dynamischen Bewegungsfluss nur sanft umspielen.

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