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Klassik: Beethoven nimmt von der Welt Abschied

Der Meisterpianist Grigory Sokolov gastierte im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt mit Haydn und Beethoven. Wie zu erwarten: Es war großartig.
Hochkonzentriert: Grigory Sokolov in Frankfurt. Hochkonzentriert: Grigory Sokolov in Frankfurt.
Frankfurt. 

An Grigory Sokolov ist vieles paradox. Anders als ein Lang Lang ist er bei der Masse der Konzertbesucher nicht als Superstar bekannt. Seine Konzertprogramme sind selten massentauglich, sein Auftreten äußerlich scheinbar unspektakulär. Und doch sind die Säle voll, wenn der amtierende Großmeister der russischen Pianistentradition auf Tournee geht. In seinem Publikum sitzen Klavierstudenten, Professoren, Fachleute und die Kollegen der Branche in einer ziemlich einmaligen Dichte. Zum üblichen Sokolov-Ritual gehört, dass der Meister nicht in Applaus baden möchte, aber trotzdem genau sechs Zugaben fest eingeplant sind. Außerdem lässt er Satz auf Satz und Stück auf Stück attacca folgen, um dem gewohnheitsmäßigen Husten und Räuspern einen Riegel vorzuschieben. Vor der Pause nun also Haydn-Sonaten (Hob. XVI: 44, 32 und 36), die Konzertveranstalter sonst offenbar als Kassengift fürchten.

Sokolov spielte diese zeitlos elegant. Weder interessieren ihn Fragen der historischen Aufführungspraxis, noch interpretiert er sie als harmloses Rokokospielwerk. Sein Spiel ist hochverfeinert in allen Nuancen, scheint dabei gleichzeitig statuarisch wie auch sehr flexibel zu sein. Es scheint frei von aufgesetzter Emotionalität zu sein und ist eher unfassbar artifiziell statt bodenständig, und doch ist immer das Wirken einer einfühlsamen großen Seele spürbar. Einer ganzen Palette billiger Tricks, mit denen er sich das Durchschnittspublikum spielend um den Finger wickeln könnte, verweigert er sich.

Die beiden vergeistigten, jeweils zweisätzigen Beethovensonaten Opus 90 und 111 leuchtete Sokolov bei teilweise sehr langsamen Tempi bis ins letzte Detail aus, differenzierte jeden Akkord und jedes Trillerklingeln mit subtilster Klanggestaltung aus. Der letzte Satz der letzten Sonate Opus 111 geriet als geradezu metaphysisches Weltabschiedswerk aus einer anderen musikalischen Dimension, in der Zeit und Atem entschleunigt werden. Im Zugaben-Digestif-Sixpack mit Schubert, Rameau und viel Chopin wurde es wieder irdischer und fast wie bei einem konventionellen Virtuosenklavierabend, nur dass freilich auch hier jede zugegebene Perle ein Ereignis für sich war.

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