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Frankfurter Autor: Bei Dirk Pope lässt Graf Dracula schon mal grüßen

Von Mit einer Leiche im Kofferraum geht es nach Transsilvanien und weiter zum Schwarzen Meer. „Abgefahren“ ist die Geschichte auf jeden Fall.
Dirk Pope wohnt in Frankfurter-Heddernheim und hat nach „Idiotensicher“ nun seinen zweiten Roman „Abgefahren“ verfasst. Die Handlung führt nach Rumänien, wo ein Sohn seine Mutter in der Heimaterde bestatten möchte. Foto: Stephan Jockel Dirk Pope wohnt in Frankfurter-Heddernheim und hat nach „Idiotensicher“ nun seinen zweiten Roman „Abgefahren“ verfasst. Die Handlung führt nach Rumänien, wo ein Sohn seine Mutter in der Heimaterde bestatten möchte.

Er ist alles andere als ein Sympathieträger: missmutig, fett und verfressen – so lernt der Leser Viorel kennen. Einen 17-Jährigen, dem alles Vage, Ungefähre Unbehagen bereitet. Und der sich dennoch in einem alten Corsa auf den Weg ins Ungewisse macht. Warum, das wird schnell klar: Viorels Mutter ist gestorben, erst 48 Jahre alt. Und ihr Wunsch war es, in ihrer Heimat Rumänien, genauer gesagt in Transsilvanien, begraben zu werden. Ein Land, das Viorel nur aus Erzählungen kennt. Dorthin ist er mit ihr jetzt unterwegs – der Beginn eines mitreißend-skurrilen Roadmovies. Denn Viorel transportiert seine tote Mutter im Kofferraum des Kleinwagens. Und es kommt schnell eine weitere Leiche hinzu.

Vampir fährt mit

Gut 2500 Kilometer wird Viorel am Ende zurückgelegt haben. Eine Strecke, die Autor Dirk Pope gut kennt, hat er sie doch gleich zwei Mal für seinen (Jugend-)Roman abgefahren. Das erste Mal vor einigen Jahren, damals entstand die Idee zur Geschichte. Dann noch einmal 2016, als er das Manuskript etwas umschrieb – und es auch an die Veränderungen in Rumänien anpasste. Sehr verwestlicht sei das Land inzwischen, sagt der 48-Jährige, der mit seiner Familie in Frankfurt-Heddernheim lebt. Und das muss auch der Held seines Buchs „Abgefahren“ feststellen. Verkörpert wird das moderne Rumänien von der jungen Dana, die Viorel einen Teil des Weges begleitet.

Sie kann zwar nicht alle Vorurteile, die der 17-Jährige vom Land seiner Vorfahren – dem „Wilden Osten“ – hat, aufbrechen, aber einige. Und was für Viorels Entwicklung viel wichtiger ist: Er erlebt in Rumänien vor allem Menschen, die ihn so annehmen, wie er ist. Denn bei allen skurrilen und surrealen Begebenheiten, die diese Reise von Anfang an prägen, und die Pope pointiert und filmreif schildert, ist es eine Fahrt zu sich selbst, bei der sich für Viorel schließlich ein neuer Weg eröffnet.

Ganz in Schwarz

Der undurchsichtigsten Figur begegnet der Junge gleich zu Beginn. Und mit dieser eröffnet Pope gekonnt die fantastische Ebene des Buches. Ganz in Schwarz ist der hagere, bleiche Anhalter gekleidet, den Viorel in seinen Wagen steigen lässt. Und bald erzählt dieser dem Jungen von der Blutgräfin und Dracula, dessen Geschichte in Bistrita – nicht von ungefähr Viorels Reiseziel – begonnen haben soll. Das Vampirmotiv ist von da an fester Reisebegleiter und hat seinen fulminanten Höhepunkt bei der Fahrt über den Borgo-Pass, wo Schloss Dracula liegt.

Den Aberglauben, die Angst vor den Untoten, macht sich Viorel schließlich sogar zunutze, um seiner Mutter ihren letzten Wunsch zu erfüllen. Für Zartbesaitete ist die damit verbundene Friedhofsszene ganz und gar nichts. Pope erzählt lächelnd, dass ihn unter anderem seine Mutter gebeten hatte, diesen Abschnitt herauszunehmen beziehungsweise umzuschreiben. Der Autor jedoch möchte diese Passage als „unerhörte Begebenheit“ verstanden wissen, also auch als etwas, das polarisiert.

Für Jugendliche ab 14 Jahren ist „Abgefahren“ gedacht. Pope, dessen Debüt „Idiotensicher“ 2015 ebenfalls bei Hanser erschien, hofft auch auf erwachsene Leser. Die dürften ihren Spaß an solchen knochentrockenen Kommentaren wie diesem haben: „Die Erdbestattung verliert ja deutlich an Boden.“

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