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Beim Whisky kommen die besten Ideen

Von Michael Wedekind brachte im Fritz-Rémond-Theater Frankfurt Daniel Kehlmanns kleine Satire auf den Literaturbetrieb, „Der Mentor“, zur Premiere.
Zwei Eitelkeiten bei der Arbeit: Peter Fricke (links) als fast verblichener Autor und Lutz Erik Aikele als Stimme der Jugend.	Foto: Helmut Seuffert Zwei Eitelkeiten bei der Arbeit: Peter Fricke (links) als fast verblichener Autor und Lutz Erik Aikele als Stimme der Jugend. Foto: Helmut Seuffert

Weder die von Daniel Kehlmann bei seiner Salzburger Rede angeprangerten Video-Wände oder Spaghetti tauchten in der Inszenierung auf. Lediglich ein Notebook und Whisky. Diese Requisiten aber sind in Kehlmanns zweites Bühnenwerk „Der Mentor“ gewissermaßen eingeschrieben. Schließlich geht es in dieser kleinen Bühnensatire auf den Literaturbetrieb um zwei Autoren - da ist beides unverzichtbar. So viel Klischee muss sein. Ganz abgesehen davon sind im Fritz-Rémond-Theater Regieauswüchse ohnehin nicht üblich.

So war denn in diesem Stück um zwei eitle Schriftsteller unterschiedlicher Generationen, die an einem Mentor-Projekt einer Kulturstiftung ausschließlich wegen des Honorars teilgenommen haben, alles, wie man es erwarten konnte: weiße, klassizistische Säulen einer Villa in einem parkähnlichen Garten, Gartenmöbel, realistisches Ambiente (Bühne: Dieter Stegmann). Sogar Frösche quaken im Hintergrund.

Es wäre ein hübsches Idyll - wären da nicht die beiden Schriftsteller: der ältere, schon in Vergessenheit geratene Benjamin Rubin (Peter Fricke) und der junge Martin Wegner (Lutz Erik Aikele), die „Stimme seiner Generation“. Dass es mit den beiden nicht gutgehen wird, ist klar, als Rubin die Bühne betritt und über alles nölt: Chauffeur, Teppich, Wärmedämmung, Wetter. Später werden auch noch die Getränke Zielscheibe seines Missfallens: Kaffee, Tee und natürlich Whisky, zu kalt oder zu schlecht. Wie sollte es da ein Jungautor schaffen, der noch dabei ist, sich selbst zu finden: „Ich meine, wenn ich wüsste, worum es geht, dann hätte ich das Stück nicht zu schreiben brauchen.“

Herrlich, wie Fricke nach dieser Aussage seinen Blick leicht angewidert über seine Tasse auf den Jungautor richtet. Herrlich auch, wie er vorher den alles hinauszögernden Autor gibt, der beim ersten Arbeitstreffen mit dem Jungautor erst mal genüsslich die Brillen hin und her wechselt, um schließlich eine davon ausgiebig zu putzen. Keine Frage, wer in diesem Hahnenkampf obsiegt. Mit einer schönen Mischung aus eitlem Künstler und selbstgefälligem Oberlehrer, gepaart mit Abgeklärtheit, dominiert Fricke in Michael Wedekinds Inszenierung, auch wenn alle anderen ihre Sache gut machen.

Das ganz auf pointenreiche Dialoge abzielende Stück ist ein ausgemacht unterhaltsames, satirisches, solide gefertigtes Stück. Einen besonderen Erkenntniswert bietet es allerdings nicht. Dennoch gab es reichlich Applaus für das passende Stück zur Buchmesse.

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