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Literatur: „Beren und Luthien“: Eine sagenhafte Liebesgeschichte aus Mittelerde

Hofft man auf ein Buch, das dem „Hobbit“ oder dem „Herr der Ringe“ ähnelt, werden diese Erwartungen enttäuscht. Trotzdem lohnt sich die Lektüre von „Beren und Luthien“.
Tolkiens Bücher wurden aufwendig verfilmt: Hier eine Szene aus Peter Jacksons Kinowerk „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ mit wildem Schlachtengetümmel. Foto: Warner (Warner) Tolkiens Bücher wurden aufwendig verfilmt: Hier eine Szene aus Peter Jacksons Kinowerk „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ mit wildem Schlachtengetümmel.

Selbst wem der Name J. R. R. Tolkien nichts sagt, seinen Werken ist fast jeder schon begegnet. „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ sind millionenfach gelesene Erzählungen. Die Verfilmungen haben weltweit mehr als fünf Milliarden Dollar eingespielt. Nun ist 44 Jahre nach seinem Tod mit „Beren und Luthien“ ein fast neues Buch aus Tolkiens fantastischer Welt erschienen. Herausgebracht hat es sein 92-jähriger Sohn Christopher Tolkien.

Im Kern erzählt Tolkien die Geschichte des Liebespaares Beren und Luthien. Er: sterblicher Mensch. Sie: unsterbliche Elbenprinzessin. Schlechte Voraussetzungen für eine Liebe. Vor allem nachdem Luthiens Vater Beren eine eigentlich unmögliche Aufgabe stellt. Er soll einen Edelstein aus der Krone von Morgoth schneiden. Morgoth ist das fleischgewordene göttliche Böse in Tolkiens Welt. Tolkien-Fans, die sich durch seine Sagenwelt gelesen haben, dürften die Erzählung kennen. Das Buch enthält kein neues Material. Sein Mehrwert liegt jedoch darin, dass Christopher Tolkien die Geschichte kommentiert, einordnet und so ihre Entstehung nachvollziehbar macht.

Zwischen der ursprünglichen und der letzten Version liegt ein Zeitraum von rund 20 Jahren. In diesem verändern sich nicht nur Teile der Geschichte selbst. Sondern auch die Form, wie die Geschichte erzählt wird, verändert sich. Die unterschiedlichen Reinkarnationen sind daher teilweise als Prosa, teilweise in Versform geschrieben.

Aus dem Elb Beren wird mit einer zunehmenden Verdichtung der Welt von Mittelerde, in die die Geschichte eingebettet wird, ein Mensch. Der Fürst der Katzen Tevildo wird durch den bösen Zauberer Thû ersetzt, der später in „Herr der Ringe“ den Namen Sauron bekam. Es ist zum Teil anstrengend, dem Wandel von unterschiedlichen Namen zu folgen. Genau dabei helfen jedoch die Kommentare Christopher Tolkiens sowie die beigefügten Glossare und Erklärungen.

So wird Christopher Tolkien seinem selbstgesteckten Ziel, aufzuzeigen wie sich die „Schöpfung einer alten Sage von Mittelerde – über viel Jahre hinweg, Tolkiens Wunschvorstellung annäherte“, im Großen und Ganzen gerecht. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass seine Anmerkungen den Lesefluss teilweise unterbrechen.

So ist „Beren und Luthien“ nur zum Teil ein belletristisches Buch. Man sollte eine gewisse Bereitschaft mitbringen, sich auf die vielen Begriffe und Querverweise einzulassen, die immer wieder auf eine größere Welt deuten. Bringt man diese Bereitschaft mit, wird man als Leser mit einem Einblick in die Welt hinter dem „Herr der Ringe“ und dem „Hobbit“ belohnt. Es ist ein guter Einstieg in die Sagenwelt von Mittelerde.

Darüber hinaus ist das Buch ein sehr persönliches Werk der Familie Tolkien. Die erste Version entstand als „Die Geschichte von Tinuviel“ vor 100 Jahren auf einem Heimaturlaub von Tolkien aus dem Ersten Weltkrieg. Wie sein Sohn schreibt, wurde der Keim der Sage gelegt, als Tolkiens Frau Edith während eines Spaziergangs auf einer Lichtung voller Schierlingsblumen tanzte. Ganz ähnlich begegnet im Buch Beren der unsterblichen Luthien. Tolkien beschreibt die Geschichte als eine der wichtigsten in seinem Werk. So stehen auf dem Grabstein von J. R. R. und seiner Frau Edith auch die Namen „Beren“ und „Luthien“. Für Tolkien-Freunde lohnt sich diese Buch vielleicht schon alleine aus diesem Grund.

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