E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 22°C

Alternative-Rock-Combo: "Biffy Clyro" zieht in der ausverkauften Alten Oper den Stecker

„Unplugged“ zu spielen ist eine gute Möglichkeit , um den künstlerischen Horizont zu erweitern, einen Imagewechsel zu vollziehen und stilistisch flexibel zu bleiben. Das dachte sich wohl auch die Band aus Kilmarnock.
Die schottische Alternative Rock-Band Biffy Clyro spielte Foto: Sven-Sebastian Sajak Die schottische Alternative Rock-Band Biffy Clyro spielte
Frankfurt. 

Zunächst spielte der britische Singer-Songwriter Andrew Groves, ehemals Vokalist und Sänger des Trios „Arcane Roots“. Eine halbe Stunde lang erprobte er sich an introspektiv kryptischen Oden auf der Akustikgitarre, die er mit bis ins Falsett reichender Stimmakrobatik begleitete. Danach dürstete es die zum Teil gar aus England und den USA angereiste Fangemeinde in der ausverkauften Alten Oper nach ihren 1995 in Kilmarnock, East Ayrshire, gegründeten Alternative-Rock-Idolen.

Um das Spektakel möglichst exotisch zu gestalten, präsentieren sich „Biffy Clyro“ in der Kulisse eines traumhaften Garten Eden – perfekt mit einem riesigen Baum sowie jeder Menge wucherndem Grünzeug in Szene gesetzt.

Business as unusual

Gleich zum Einmarsch liefern Simon Neil, die Zwillinge Ben (Schlagzeug, Gesang) und James (Bass, Gesang) Johnston sowie die seit geraumer Zeit schon obligatorischen Tourmitglieder Mike Vennart (Gitarre, Pedal Steel, Harmoniegesang) und Richard „Gambler“ Ingram (Klavier) eine echte Überraschung: Anstatt wie gewohnt im archaischen Oberkörper-frei-Look zu erscheinen, tragen sie allesamt Businessanzüge zu gebügeltem Oberhemd. Ohnehin distanziert sich der bis dahin langhaarige Simon Neil mit raspeligem Kurzhaarschnitt sowie erheblich gekürztem Vollbart derzeit von seinem „Wild-Animal“-Image. Mit im Schlepptau führt das Quintett auch die schon auf audiovisuellem Tonträger „MTV Unplugged: Live At Roundhouse, London“ vertretene Cellistin Susie Blankfield.

Der Einstiegssong „The Captain“ steht als Blaupause für sämtliche weiteren Lieder: Die gewohnt verwegen verrockte, ziemlich opulente sowie in Teilen gar großorchestrierte Arrangierkunst von „Biffy Clyro“ auf ihren Studioalben weicht einem dichten Akustikreigen mit perfekt mehrstimmigen Gesangspassagen. Ältere Semester dürften sich da gleichermaßen an die britisch-amerikanischen Bands „America“ und „Crosby, Stills, Nash & Young“ sowie an die Singer-Songwriter James Taylor und Jackson Browne erinnert fühlen.

Indem sie das Repertoire aufs Songskelett reduzieren, demonstrieren „Biffy Clyro“ nebenbei, wie ausgefeilt ihre Kompositionen auch im Zustand der Nacktheit sind. Aus den Studioalben seit 2002 ausgekoppelte Singles wie „Justboy“, „Biblical“ „Re-Arrange“, „Folding Stars“ und „Black Chandelier“ haften allesamt das Prädikat hymnische Ohrwürmer an. Besser können die Kollegen von „Coldplay“ das auch nicht. Für Abwechslung sorgen „Biffy Clyro“, wenn sie nicht die komplette Show auf ihren ebenfalls begrünten Büro-Drehstühlen kleben bleiben. Vor allem der mit jedem Song seine Akustikgitarren wechselnde Simon Neil zeigt wenig Sitzfleisch, ertappt sich selbst im Vortrag dabei, dass er immer wieder Anstalten macht aufzustehen, sich dann regelrecht zwingt sitzenzubleiben.

Immer in Bewegung

Beim an Bob Dylan erinnernden „Drop It“ greift Neil zur Mundharmonika, fürs sphärische „Adored“ begleiten ihn Klavier und Pedal Steel Guitar. Auch die Johnston-Twins bleiben nicht statisch, wenn sie Neil plötzlich rechts und links flankieren, um den Chorgesang zur übernehmen. Ben klöppelt auch mal auf dem Xylophon, James kontrolliert kleine Digitalkonsolen.

Nicht fehlen dürfen die Fanfavoriten „Montains“, „Machines“ und „Saturday Superhouse“. Bei „Small Wishes“ schleicht sich ein Boogie-Woogie-Piano ein. Erst kurz vor Schluss geschieht das Wunder: Bei „Bubbles“ steht das Publikum geschlossen auf, klatscht im Takt und singt mit. Im Zugabenteil darf ganz nah die Bühnenrampe gerückt werden. Mit „God & Satan“ sowie dem finalen „Many Of Horror“ trumpfen „Biffy Clyro“ noch einmal auf.

Auch den ersten Song im Zugabenteil, „Friends And Enemies“, singt Simon unverstärkt. Für seinen Wagemut kassiert er fetten Applaus. Schließlich bedankt er sich beim Publikum fürs zahlreiche Erscheinen. Und verspricht zum Abschied: „See you next year for steamy metalnoize.“

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen