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Licht: Blinde Klavierspielerin erspürt die Musik

Von Die österreichische Filmemacherin Barbara Albert erzählt in „Licht“ frei nach einem Roman die Geschichte der Pianistin Maria Theresia von Paradis.

Wenn ein Mensch die Augen schließt, sieht er eine Weile lang nichts. Bloß ängstigt dies nicht weiter. Er weiß, dass er schon bei einem leichten Blinzeln seine Umwelt wieder erkennen könnte. Bei Maria Theresia (Maria Dragus) ist es anders. Bereits in früher Kindheit ist die junge Frau erblindet. Aber sie kann hören. Und wie! So gilt Resi, wie sie meistens genannt wird, als hochbegabte Pianistin. Wenn sie am Klavier sitzt, staunen ihre Zuhörer über ihr virtuoses Spiel. Doch bleibt es nicht bei Bewunderung. Man macht sich über das Aussehen und vor allem über die Behinderung der Frau, die von 1759 bis 1824 lebt, lustig. Nein, man hat nicht nur Mitleid mit ihr.

Ihre Mutter (Katja Holm) und ihr Vater (Lukas Miko) suchen nicht aus Liebe zu ihr nach allen möglichen Heilmethoden. Sie wollen lediglich eine gesunde Tochter, die in den Augen der feinen Gesellschaft wertvoller wäre. Nachdem Resi bereits mit Quecksilber und Schwefel sowie mit elektrischen Stößen behandelt worden ist, wird sie bei dem umstrittenen Arzt Franz Anton Mesmer (Devid Striesow) in Behandlung geschickt. Tatsächlich scheint er schnell Erfolg zu haben. Resi nimmt erste Bilder wahr. Doch je mehr sie sieht, desto mehr schwindet ihr musikalisches Talent.

Bereits in den ersten Bildern von „Licht“ sieht man Maria Dragus als die von ihr großartig verkörperte Resi beim Klavierspiel. Würde man die Augen davor schließen, könnte man nur den wunderbaren Kang der Musik wahrnehmen. Doch der steht in hartem Kontrast zu dem, was man sieht: eine junge Frau in Rokoko-Garderobe, die eine schwere, hohe Perücke trägt. Während sie musiziert, verdreht sie unkontrolliert ihre entzündeten Augen. Geschönt wirkt hier, wie in dem gesamten Film der Österreicherin Barbara Albert, nichts. Frei nach Alissa Walsers Roman „Am Anfang war die Nachtmusik“ hat ihr die Autorin Kathrin Resetarits das Drehbuch zu diesem berührenden und oft verstörenden Drama geschrieben. Gekonnt versetzt „Licht“ ins Wiener Rokoko. Nur eignen sich die Filmbilder nicht zum Schwelgen. Vielmehr zeigen sie präzise die Strukturen einer Gesellschaft auf, in der Menschen mit Behinderungen als minderwertig betrachtet wurden. Allzu viel hat sich bis heute daran nicht geändert, obwohl jeder eine Behinderung erleiden kann. Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinema (am 3. 2., 18 Uhr mit Barbara Albert), Mal seh’n (OmU, am 3.2., 20 Uhr mit Barbara Albert)

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