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Münchner Parsifal: Blumenmädchen mit Hängebrüsten

Solch eine Blockbuster-Besetzung wie für den neuen „Parsifal“ zur Eröffnung der Münchner Opernfestspiele muss man lange suchen. Doch Regisseur Pierre Audi vermasselt den Abend.
Parsifal (Jonas Kaufmann) lässt sich nicht verführen. Parsifal (Jonas Kaufmann) lässt sich nicht verführen.

Jonas Kaufmann, Nina Stemme, Christian Gerhaher, René Pape, am Pult Kirill Petrenko – Münchens neuer „Parsifal“, der zur Eröffnung der Opernfestspiele im Nationaltheater herauskam, wartet mit einer Champions-League-Besetzung auf. Dass es dennoch Buhrufe gab, lag an der Regie – und am Bühnenbild des Malers Georg Baselitz.

Das Bühnenweihfestspiel „Parsifal“ ist die rätselhafteste und auch umstrittenste Oper Richard Wagners. Die einen sehen in dem knapp fünfstündigen Mammutwerk den Gipfelpunkt von Wagners musikdramatischem Schaffen, andere ein verkitschtes, antisemitisches Machwerk, mit dem sich der alternde Komponist quasi seine Privatreligion schuf mit einem „entjudeten“ Christus als Heilsbringer („Erlösung dem Erlöser“). Solch ein disparates Werk verlangt nach einer kritischen Deutung.

Doch Regisseur Pierre Audi, Direktor der Nationale Opera in Amsterdam, war offenbar nur daran gelegen, dem Malerfürsten Baselitz nicht in die Quere zu kommen. Sängerinnen und Sänger standen oder hockten beziehungslos am Bühnenrand herum, es gab keine überraschenden Verwandlungen oder Lichteffekte außer einer pinkfarbenen Beleuchtung zum „Karfreitagszauber“, und es gab vor allem keine Idee, was das alles uns heute sagen könnte. Zuweilen wirkte das Geschehen wie eingefroren.

Grandioser Gerhaher

Baselitz hatte die Bühne mit Versatzstücken seines reichen Schaffens als Maler und Bildhauer ausgestattet. Er schuf eine düstere, todessüchtige Atmosphäre. Den heilspendenden Gral gab es ebenso wenig wie einen Speer, und die „Blumenmädchen“ mit Hängebrüsten und blutiger Scham schienen aus einem Splattermovie entsprungen. Der von hinten beleuchtete Bühnenvorhang mit kopfüber hängenden Gestalten, einem Markenzeichen von Baselitz, war zumindest sehr dekorativ.

Musikalisch war die Aufführung mit Jonas Kaufmann als Parsifal, Nina Stemme als derzeit wohl weltbester Kundry, Christian Gerhaher als Amfortas, René Pape als Gurnemanz und Wolfgang Koch als Klingsor vom Allerfeinsten, was der Opernmarkt zu bieten hat. Dem grandiosen Bariton und begnadeten Liedsänger Gerhaher gelang eine zu Herzen gehende Darstellung des an einer unheilbaren Wunde leidenden Gralskönigs Amfortas, der mit seiner Ritterschaft auf Erlösung vom Fluche des Zauberers Klingsor durch Parsifal, den „reinen Toren“, hofft.

Generalmusikdirektor Kirill Petrenko dirigierte den „Parsifal“ zum ersten Mal in seiner glamourösen Dirigentenlaufbahn und lieferte eine prächtig ziselierte Detailarbeit, der allerdings der ganz große Schwung fehlte. Kräftiger, kurzer Jubel für Sänger und Orchester, Buhsalven für Maler und Regisseur, denen Baselitzfans mit Gegenbeifall zu Hilfe kamen.

Mysterium des Todes

Es gehe um eine innere menschliche Dimension, hatte Audi vor der Premiere den Verzicht auf Speer und Gral begründet. „Was Baselitz präsentiert, ist eine Meditation über das Mysterium des Todes“. 2010 hatte Audi bei den Salzburger Festspielen die gefeierte Uraufführung von Wolfgang Rihms Oper „Dionysos“, mit einem Bühnenbild des Skandalkünstlers Jonathan Meese, inszeniert. Diesmal fiel ihm leider nichts ein.

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