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Britischer Theatermacher Sir Peter Hall gestorben

Mehr als ein halbes Jahrhundert schrieb er Theatergeschichte: Der Brite Peter Hall ist in London gestorben. Sein Name ist mit berühmten Spielstätten und scharfer Kritik an der Kulturpolitik verknüpft.
Sir Peter Hall ist tot. Foto: Ian West Sir Peter Hall ist tot.
London. 

Er galt als widersprüchliches Theatergenie und umtriebiger Zampano. Der britische Theatermacher Sir Peter Hall ist tot.

Hall starb am Montag im Alter von 86 Jahren im Beisein seiner Familie in London, wie das National Theatre am Dienstag auf seiner Website mitteilte. Der Künstler galt als eine Schlüsselfigur des britischen Theaters und einer seiner größten Nachkriegsregisseure.

Der langjährige Direktor des Londoner Theaters und Gründer der Royal Shakespeare Company rief mit seinem Eigensinn und Ehrgeiz Widersprüche hervor. Die frühere Premierministerin Margaret Thatcher nannte ihn einmal einen „grässlichen Mann”. Doch seine Fähigkeiten im Theater- und Filmbereich waren unbestritten. Sein Einfluss auf das künstlerische Leben Großbritanniens sei unvergleichbar, würdigte ihn das National Theatre.

Peter Reginald Frederick Hall, Sohn eines bescheidenen Eisenbahnbeamten, bezeichnete sich selbst als „Adrenalinsüchtigen”. Noch im hohen Alter sprühte er vor Ideen und Energie. Vor sechs Jahren diagnostizierten Ärzte bei Hall jedoch Demenz. Er starb einem BBC-Bericht zufolge in einem Londoner Krankenhaus.

In den 50er Jahren gelang Hall der Durchbruch mit der Inszenierung von „Warten auf Godot”. 1960 gründete er im Alter von 29 Jahren das Royal Shakespeare Theatre. Binnen weniger Jahre machte er aus der Teilzeittruppe die weltweit gefeierte Royal Shakespeare Company - eine Zeit, auf die er mit etwas Wehmut zurückblickte: „Es war ein Fehler, die Company zu verlassen”, sagte er einmal.

Sein Wirken beim National Theatre (1973-1988) war von großen

künstlerischen Erfolgen ebenso geprägt wie von Querelen. Seine

Produktionen seien zu aufwendig und kostspielig, warfen ihm die

Geldgeber vor - obwohl sich das neue Theater am Südufer der Themse

vor Besuchern kaum retten konnte. Zunehmend verband er seine

Arbeit am öffentlichen Theater mit lukrativen Gastspielen, sei es am

Broadway oder bei den Bayreuther Festspielen, wo er 1983 Richard Wagners „Ring des Nibelungen” inszenierte. Opern waren ebenso

Halls Fach wie Shakespeare-Stoffe und Zeitgenössisches.

Sicherlich trugen der aufwendige Lebensstil und das unbezähmbare Ego des viermal verheirateten Hall dazu bei, dass ihm neben Bewunderung auch Missgunst begegnete. Seit 1988 war der Theatermacher mit seiner eigenen Company weltweit unterwegs und hatte immer wieder Leitungsfunktionen inne.

Der vielfach geehrte Hall machte sich auch als Filmregisseur einen Namen („Perfect Friday”). Sein Debüt als Hollywood-Regisseur hatte er 1996 mit dem Horror-Thriller „Never Talk to Strangers”. Der Film fiel allerdings bei Kritikern und beim Publikum durch.

Seine Drohung Ende der 90er Jahre, der britischen Insel ganz den

Rücken zu kehren und in Los Angeles eine American Shakespeare Company

zu gründen, machte er nie wahr, auch wenn er eine Zeit lang in den

USA arbeitete. Vor allem war er damals verärgert über die

Kulturpolitik der Labour-Regierung, die keinen Deut besser sei als

die „philisterhafte” von Thatcher. Er fordert vehement eine stärkere

Subventionierung der Theater bis hinunter zu den kleinen Bühnen.

Aus der seiner Ansicht nach unsinnigen Verteilung von Fördermitteln zog Hall Konsequenzen und baute schließlich eine eigene Spielstätte. Er schuf das 900 Zuschauer umfassende Rose Theatre im Londoner Vorort Kingston upon Thames. Er verzichtete beim Bau auf öffentliche Investitionen und eröffnete das Theater im Jahr 2008 - mit einer Inszenierung von Anton Tschechows „Onkel Wanja”.

(Von Silvia Kusidlo und Patrick Neumann, dpa)
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