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Frankfurter Buchmesse: Buchmesse: Feldmann will beim Rundgang rechten Verlagen die Meinung sagen

Von Klartext statt Beruhigungsfloskeln: Für eine neue Debattenkultur plädierten bei der diesjährigen Eröffnung alle, und gingen sogleich mit demokratischer Streitlust voran.
Alle Kameras sind zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse auf sie gerichtet: Kanzlerin Angela Merkel neben Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Bilder > Foto: PETER KLAUNZER (KEYSTONE) Alle Kameras sind zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse auf sie gerichtet: Kanzlerin Angela Merkel neben Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.
Frankfurt. 

Die Frankfurter Buchmesse ist traditionell ein Ort des Marktes und des Handels. Dass sie mit Geschichten handelt, mit Waren, die aus dem Material Sprache produziert werden, konnte man mitunter beinahe vergessen. Das ist in diesem Jahr nicht mehr so.

Autoritäre Regime auf der ganzen Welt verhindern Meinungsfreiheit. Schriftsteller und Journalisten werden verhaftet, und darunter leiden nicht nur die, sondern die ganze Branche: „Verlage und Buchhandlungen müssen Garanten für Verständigung und Meinungsvielfalt sein“, sagte Heinrich Riethmüller. Da spielt es nur eine vergleichsweise marginale Rolle, dass der Umsatz ein Prozent unter dem des Vorjahres liegt. Zumal man (wie allerdings jedes Jahr) auf ein starkes Weihnachtsgeschäft mit zahlreichen Bestsellern hofft.

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Es sind Weckrufe in einer Lautstärke, wie sie in der Vergangenheit vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels nicht zu hören waren. In Deutschland sei man in der „glücklichen Lage“, dass es hier, anders als in den meisten Ländern dieser Welt, „keine Zensur“ gebe. „Das hat uns vielleicht ein bisschen bequem gemacht“, so Riethmüller am Morgen vor der Eröffnung.

Schluss mit Fake-News

Buchmesse-Direktor Juergen Boos hieb in dieselbe Kerbe, indem er für „mehr Leidenschaft, mehr Engagement“ plädierte. Zugleich gehe es aber darum, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben und sich dem „postfaktischen Prozess und den Fake-News“ entgegenzustellen: „Sonst erodiert die Demokratie.“ In vielen Ländern gebe es, was Boos „motivierte Öffentlichkeiten“ nannte: Kreise, die an Informationen interessiert seien, um ihre eigenen Wahrheiten zu untermauern. Wobei es für sie keine Rolle spiele, ob diese Wahrheiten echt oder falsch seien. „Mauerbau ist wieder sehr en vogue“, sagte Boos. „Wir liberal-demokratisch gesinnten Büchermenschen müssen in Zeiten, in denen giftige Narrative Hochkonjunktur haben und die Verbreitung von Angst und Hass wieder gesellschaftsfähig wird, mit attraktiveren Gegenentwürfen antworten.“

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels macht sich schon seit zwei Jahren lautstark bemerkbar, wenn es um Werte und Menschenrechte geht: um die Freiheit des Wortes, die auf dieser Welt allerorten mit Füßen getreten wird, aber auch um eklatante Ungerechtigkeiten und Fehlentscheidungen. Dazu zählt der Börsenverein auch die jüngsten Entwicklungen zum Urheberrecht – nur scheinbar eine trockene Materie, die nur Verlage und Autoren betrifft. In Wahrheit geht es darum, dass Verlage künftig kaum noch in wissenschaftliche Werke oder Schulbücher werden investieren können, wenn jeder ungestraft ganze Bücher kopieren und analog oder digital vervielfältigen darf. „Es geht um nichts Geringeres als die Qualität der Bildung“, so Riethmüller. Applaus erhielt er, als er Menschenrechtsverletzungen auf der ganzen Welt und besonders in der Türkei kritisierte.

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Buchmesse-Direktor Juergen Boos sprach auch an, dass auf de Messe rechte Verlage ausstellen werden. Mehrfach sei er aufgefordert worden, sie zu verbieten. „Aber Verbote, Zensur, das ist für uns keine Option“, entgegnete er entschieden: „Eine Idee verschwindet nicht, wenn man sie verbietet.“

Vor der Eröffnung verwies er auch darauf, dass sich die Göteborger Buchmesse jüngst mit einem Boykott rechtsextremer Verlage großen Ärger eingehandelt hatte. Dort gab es Demonstrationen, sagte Boos, und viele Leute hätten letztlich Angst gehabt, auf die Buchmesse zu gehen. „Das ist das Schlimmste, was uns passieren kann.“

Zur Freiheit gehört Streit

„Machen Sie unsere freiheitlichen Werte nicht zum Verhandlungsgegenstand!“, hatte sich Riethmüller direkt an die Bundeskanzlerin gerichtet. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann nahm das Stichwort Freiheit auf und verkaufte es als lokale Frankfurter Tugend.

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In der freien Reichsstadt nehme gern jeder das Recht des freien Wortes in Anspruch, weswegen Frankfurt den Ruf habe, „eine Stadt voller Meckerer“ zu sein. „Wir sind stolz darauf“, sagte Feldmann, und kündigte sogleich eine Probe seiner eigenen Auseinandersetzungsfähigkeit an. Auf seinem Messerundgang am Mittwoch wolle er bei den angekündigten rechten Verlagen vorbeischauen: „Ich glaube, es ist gut, wenn der OB zu diesem Stand geht und dort seine Meinung sagt.“ Und setzte hinzu: „Ich bin mir sicher, ich werde nicht alleine da sein.“

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