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Interview: Carla Bruni: "Ich will mein altes Leben nicht zurück"

Auf ihrem ersten englischsprachigen Album „French Touch“ bietet die frühere Präsidentengattin aus Paris ihre sehr eigenen Coverversionen berühmter Songs.
Carla Bruni (49) singt ihre Coverversionen englischer Songs unbesorgt mit französischem Akzent. Es sind Lieder von „AC/DC“, Mick Jagger, „Depeche Mode“ und „Abba“ dabei. Carla Bruni (49) singt ihre Coverversionen englischer Songs unbesorgt mit französischem Akzent. Es sind Lieder von „AC/DC“, Mick Jagger, „Depeche Mode“ und „Abba“ dabei.

Ein diskretes, von außen unscheinbares, doch innen sehr edles Hotel in einer Seitenstraße der Champs- Élysées. Carla Bruni, die am 23. Dezember 50 Jahre alt wird, empfängt hier, um über ihr neues Album „French Touch“ zu sprechen. Es ist ihr erstes seit vier Jahren und auch das erste in englischer Sprache. Zusammen mit dem berühmten Produzenten David Foster (Céline Dion, Michael Bublé) hat sich Bruni einiger Klassiker aus Pop und Rock angenommen und sie auf liebreizende, oft originelle Weise neu interpretiert. Carla Bruni, die mit dem ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy verheiratet ist und mit ihm die 5-jährige Tochter Giulia hat (der 16-jährige Sohn Aurélien entstammt der Beziehung mit dem Philosophen Raphael Enthoven), trägt schlichte blaue Bluse zu blauer Jeans und pafft eine E-Zigarette. Ihre bevorstehende Tournee führt sie am 6. Dezember auch in die Frankfurter Jahrhunderthalle. Steffen Rüth sprach mit der Sängerin.

Mrs. Bruni, „French Touch“ ist ein sehr schönes Album. Man hat „Highway To Hell“ von „AC/DC“ zuvor wohl noch nie in einer annähernd so swingenden und erotischen Version gehört.

CARLA BRUNI: Vielen, vielen Dank. Ja, das ist meine Jazz-Interpretation dieses Liedes.

Wie ist das Album entstanden?

BRUNI: Mein Produzent David Foster kam nach meinem Konzert in Los Angeles zu mir, 2013 war das, und er sagte mir, wie sehr er meine Stimme mag. Aber er meinte auch „Das ist immer so französisch, willst Du nicht einmal was auf Englisch singen?“ Aber ich kann in englischer Sprache nicht schreiben, das habe ich oft genug versucht. Mein Englisch reicht dazu leider nicht. Dann schlug er vor, ein Cover-Album zu machen. Ich war richtig unwirsch und meinte: „Will ich nicht, ich bin eine Songwriterin“. Naja, dann vertagten wir uns erst mal, er wollte sich später wieder melden.

Was er dann auch tat?

BRUNI: Ja. Er kam nach Paris, wir aßen zu Mittag und gingen dann zu mir nach Hause. Dort hörten wir den ganzen restlichen Tag zusammen Musik und hatten total viel Spaß. Gegen Abend hatte er mich rumgekriegt. Ich sagte: „Okay, gehen wir es an.“

Hat sich ihr einstiger Liebhaber Mick Jagger gemeldet und einen Kommentar zu Ihrer Version von „Miss You“ abgegeben?

BRUNI: Nein, nein. Hat er nicht. Ich habe all diese Songs auch nicht ausgewählt, weil ich eine persönliche Geschichte mit ihnen und ihren Komponisten oder Interpreten verbinde. Sondern weil ich sie so gern singe und spiele.

„Depeche-Mode“-Songs werden nur sehr selten gecovert, weil das sehr schwierig ist und Mut erfordert.

BRUNI: Oui, Mut und gedankenlose Verrücktheit. Was ja so ziemlich dasselbe ist.

Welche Charaktereigenschaft hat Sie denn bewogen, sich an „Enjoy The Silence“ zu wagen?

BRUNI: Beide. Mut und Wahnsinn. Ich denke oft nicht viel nach über meine Entscheidungen, ich mache vieles aus dem Gefühl heraus. Denn wenn du alles erst durchdenkst, abwägst, bist du nicht frei.

Ist Ihnen die Freiheit das Wichtigste im Leben überhaupt?

BRUNI: Sie ist sehr wichtig. Das Wichtigste? Nein. Aber das Leben ist so kurz. Wenn du dann immer diese Regeln aufstellst oder dich Regeln unterwirfst, tu dies nicht, mach jenes, lass das bloß sein – ach, warum denn? Weil die anderen Leute über dich reden, dich beurteilen könnten? Mir egal. Ich urteile grundsätzlich auch nicht über andere Menschen und schaue auf niemanden herab.

Sie haben Songs aus allen erdenklichen Epochen gecovert, manche aus dem „Great American Songbook“, dazu einige Jazzstandards und Rock-’n’-Roll-Nummern.

BRUNI: Stimmt. Hinter dem Album steckt keine Logik. Die einzige Gemeinsamkeit ist: die Lieder so zu interpretieren, als wären sie meine eigenen.

Ihr vorheriges Album hieß „Little French Songs“, das neue hat den Titel „French Touch“. Sehen Sie sich als kulturelle Botschafterin Frankreichs?

BRUNI: Nein, nein. Das heißt eigentlich nur, dass ich einen französischen Akzent habe. Wenn du amerikanische und englische Songs coverst, kriegst du den Akzent nicht raus. Ich arbeitete mit einer Sprachexpertin zusammen, damit der Akzent nicht zu stark wird, ich wollte diese Lieder ja nicht ruinieren. Sie fand meinen Akzent sehr gut verständlich und meinte, ich solle mich nicht zwingen, ihn zu unterdrücken, denn sonst höre sich das künstlich an.

Sind Sie erleichtert, nicht mehr Premiere Dame zu sein?

BRUNI: Ja, sehr sogar. Ich möchte dieses Leben nicht zurückhaben.

French Touch

Jahrhunderthalle, Pfaffenwiese 301, Frankfurt. 6. Dezember, 20 Uhr. Restkarten zu 96,65 bis 108,15 Euro unter Hotline 01806-57 00 70. Internet www.eventim.de

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