Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Kino-Interview mit Regisseur aus Bad Homburg: Christian Pasquariello über "S.U.M. 1": "Mutig, diesen Film zu machen"

Der 46 Jahre alte Indie-Regisseur Christian Pasquariello hat Jahre gebraucht, um seinen Film ins Kino zu bringen. Im Interview erzählt der gebürtige Bad Homburger vom steinigen Weg durch die deutsche Filmlandschaft, straffen Dreharbeiten und von der Arbeit mit "Game of Thrones"-Bösewicht Iwan Rheon.
Allein im Kampf gegen die Ausrottung der Menschheit in einer kalten High-Tech-Welt: Soldat S.U.M. 1 (Iwan Rheon). Allein im Kampf gegen die Ausrottung der Menschheit in einer kalten High-Tech-Welt: Soldat S.U.M. 1 (Iwan Rheon).

 

Der Film:

In "S.U.M. 1" geht es um eine aggressive Alleinrasse, die den Großteil der Menschheit getötet hat. Die Überlebenden haben sich in Tunnel und Bunker unter der Erde geflüchtet. Der Soldat S.U.M. 1 wird an die Erdoberfläche geschickt, um von einem Wachturm aus die letzten Menschen an der Oberfläche zu schützen. Monotonie und Einsamkeit seiner Mission lassen ihn aber langsam an seinen Vorgesetzten zweifeln. Warum darf er die anderen Außenposten nicht kontaktieren?

Vom 7. Dezember an im Kino.

 

Das Interview:

Regisseur Christian Pasquariello. Bild-Zoom Foto: ANKE NEUGEBAUER
Regisseur Christian Pasquariello.

Herr Pasquariello, Sie haben die erste Fassung von „S.U.M. 1“ 2009 geschrieben. Erst acht Jahre später kommt er in die Kinos. Haben es junge Filmemacher in Deutschland schwer?

PASQUARIELLO: Man braucht auf jeden Fall Leidensfähigkeit und Geduld. Die Filmhochschulen lassen jedes Jahr viele neue Leute auf den Markt los, einen roten Teppich rollt dir niemand aus. Ein Sci-Fi-Thriller wie „S.U.M. 1“ ist nochmal eine besondere Herausforderung, weil es Genrekino hierzulande schwer hat. Außerdem wollen alle ein Stück vom großen Kuchen der Filmförderung abhaben. Die Konkurrenz ist hart. Vor allem der Fernsehmarkt ist ein hermetisches System. Oft arbeiten die gleichen Leute zusammen. Ich habe einige ambitionierte Filmemacher kennengelernt, die sich für Maschinerie des Fernsehens entschieden haben und nie den Film gemacht haben, den sie machen wollten.

„S.U.M. 1“ basiert ja im Prinzip auf einer deutschen Geschichte. Was genau war Ihre Idee?

PASQUARIELLO: Zur Zeit der DDR hat einer meiner Freunde in der Nationalen Volksarmee gedient. Seine Aufgabe war es, eine einsame Waldhütte irgendwo an der Grenze zu bewachen. Als er das erzählt hat, habe ich mich gefragt: Was macht eine solche Extremsituation mit einem Menschen? Allein, isoliert, an der Mission zweifelnd. Dieses Motiv hat mich fasziniert. „S.U.M. 1“ habe ich als Metapher auf diese Grundidee geschrieben.

Ihr Film ist aber kein historisches Drama, sondern Science-Fiction. Warum?

PASQUARIELLO: Ich wollte, dass die Botschaft des Films eine Allgemeingültigkeit bekommt. Deshalb spielt „S.U.M. 1“ in einem fiktivem Universum, in dem die Außerirdischen die Erde erobert haben. Das versteht auch das Publikum in Finnland oder in Japan. Im Sci-Fi-Genre kann man sich richtig austoben: Man kann seine eigene Welt kreieren. Dabei haben wir ein hochkarätiges Team gewinnen können.

Also war es ungewöhnlich, so einen Film in Deutschland zu drehen?

PASQUARIELLO: Es war vor allem mutig von der Produktionsfirma. In Deutschland ist es oft schwer, innovative Filme zu drehen, weil die Verantwortlichen Vergleichsfilme wollen. Du musst ihnen erklären, dass dein Film wie dieser oder jener Film ist. Statt düster und radikal sucht man in Deutschland den nebulösen „Mainstream“, dabei sind internationale Serien wie „Game of Thrones“ oder „The Walking Dead“ sehr düster – und sehr erfolgreich. Traurige Tatsache ist, dass wir in Deutschland zu lange am Publikum vorbeiproduziert und damit viel Vertrauen verspielt haben. Durch Netflix oder Sky hat das Publikum hat einen neuen Anspruch entwickelt. Wir müssen uns strecken, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Wie haben Sie das Geld für den Dreh zusammenbekommen ?

PASQUARIELLO: Ich hatte das Glück, mit Syrreal Entertainment die passende Firma für mein Buch zu finden. Die Berliner Produktion um Christian Alvart produziert die Til-Schweiger-„Tatorte“ und hochklassige Kinofilme von der Buddy-Komödie bis zum Psychothriller. Daneben haben sich auch private Geldgeber großzügig engagiert. Trotzdem ist der Film absolut auf Kante genäht.

Dreht man mit wenig Budget automatisch andere Filme?

PASQUARIELLO: Ich habe „S.U.M. 1“ von vornherein sozusagen auf Budget geschrieben. Ich wusste, dass ich das Szenario klein halten muss: Wenige Schauspieler, wenige Locations – aber die müssen dafür super sein. Die Kunst ist, aus wenig viel machen.

Hat sich das knappe Budget auf die Dreharbeiten ausgewirkt? 

PASQUARIELLO: Wir hatten einen ziemlich straffen Drehplan. Das erfordert gute Planung. Wir haben für den gesamten Film ein Storyboard erstellen lassen. Das bedeutet, jede Einstellung wird wie ein Comic vorgezeichnet. Das spart Zeit, dennoch muss man am Ende auch improvisieren können. Auch wenn am Set immer zwischen 20 und 30 Personen waren, sollten alle immer wissen, was sie zu tun haben. Außerdem durften die Drehorte nicht zu weit auseinander oder Ewigkeiten vom Hotel entfernt liegen. Wir haben einige Szenen in einem Leipziger Filmstudio gedreht, vieles aber auch in Wäldern und alten Nazi-Bunkern in der Nähe von Berlin. 

Wie haben sie es geschafft, den britischen „Game of Thrones“-Star Iwan Rheon für einen kleinen deutschen Film zu gewinnen?

PASQUARIELLO: Das war ganz unspektakulär. Wir haben seinem Agenten das Drehbuch geschickt und Iwan hat zugesagt. (lacht) Ehrlich gesagt kannte ich ihn gar nicht, bevor mein Produzent Iwan vorgeschlagen hat. Ich ahnte aber, dass ich für den Film einen hochklassigen Schauspieler gewinnen könnte, da sich der Film stark auf die Hauptrolle fokussiert. Das ist für einen Schauspieler eine spannende Herausforderung. Sicher hat auch das hochkarätige Team, mit dem ich bei dem Dreh gesegnet war, Iwan überzeugt. Mit André Hennicke, einem der charismatischsten Charakterschauspieler hierzulande, hatte er zudem einen erstklassigen Gegenspieler.

Wie war die Zusammenarbeit mit Hauptdarsteller Iwan Rheon?

PASQUARIELLO: Iwan ist ein unglaublich disziplinierter Schauspieler. Und anders als sein Charakter aus „Game of Thrones“ Ramsey Bolton ist er menschlich ein absolutes Herz. Auch in „S.U.M. 1“ wird er eine Seite von sich zeigen, die viele Fans überraschen könnte. Dank Iwans Popularität läuft unser Film sogar in Kinos in den USA! Für einen deutschen Film, gerade einen Independent Film, ist das was ganz besonderes.

Premiere hat der Film aber in China gefeiert. Wie kommt das?

PASQUARIELLO: In Shanghai findet eines der größten Film-Festivals weltweit statt. Solche Festivals sind für kleine Filme eine tolle Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu generieren. Wegen Einreiseproblemen nach China habe ich die Weltpremiere allerdings verpasst. Das war mega frustrierend.

Kann man mit einem Film wie „S.U.M.  1“ überhaupt Geld verdienen?

PASQUARIELLO: SUM 1 ist für den internationalen Markt gemacht. Wir haben auf Englisch gedreht, Science-Fiction ist ein universelles Genre. Hierzulande sind Genre-Filme noch ein Nischenprodukt. Aber weltweit ist diese Nische so groß, dass es einen großen Markt gibt. Ich glaube aber: Genrefilme werden auch in Deutschland immer populärer, und es tut jedem Filmmarkt gut, Filme in ihrer Vielfalt zu produzieren. Erst mal bin ich stolz, dass S.U.M1 deutschlandweit in die Kinos kommt. Ein Kinostart ist heute nicht mehr selbstverständlich  – gerade weil so viele Filme inzwischen direkt auf DVD oder als Video-On-Demand erscheinen.

Das Gespräch führte Alexander Gottschalk.

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse