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Serie: Junge Kuratoren in Frankfurt: Christin Müller: "Ich bin mittendrin in der Kreativ-Szene"

Innerhalb der Frankfurter Künstlerszene gibt es junge Leute, die versuchen, sich einen eigenen Kunstbetrieb aufzubauen, mit Ausstellungen, Lesungen, Performances. Was man dafür braucht? Einfallsreichtum, Tatkraft und die Hoffnung auf Erfolg. Sieben solcher Kuratoren stellen wir in einer Serie vor. Letzte Folge heute: Christin Müller.
Christin Müller, gebürtige Frankfurterin, hat Kunstgeschichte und Germanistik an der Goethe-Uni studiert. Jetzt hilft sie jungen Künstlern bei der Realisierung von Ausstellungen. Christin Müller, gebürtige Frankfurterin, hat Kunstgeschichte und Germanistik an der Goethe-Uni studiert. Jetzt hilft sie jungen Künstlern bei der Realisierung von Ausstellungen.

2017 ist ein einmalig dicht bepacktes Kunstjahr. Mehrere Großausstellungen folgen in kurzen Abständen aufeinander. Die Kunstwelt trifft sich in Venedig, Kassel, Basel und Münster. Das Gespräch mit Christin Müller findet kurz vor ihren Reisen zur Kasseler Documenta und zur Kunstmesse Art Basel statt. Verabredet haben wir uns in einem Café im Frankfurter Bahnhofsviertel, unweit von Müllers Arbeitsplatz, der Produktions- und Ausstellungsplattform „Basis e. V.“. Seit 2016 gestaltet Christin Müller als Kuratorin das Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm der „Basis“ mit. Von 2011 bis 2016 arbeitete sie dort als Assistenzkuratorin.

Im Gespräch wirkt sie sachlich und konzentriert. Müller wurde 1985 in Frankfurt geboren. Sie hat Kunstgeschichte und Germanistik an der Goethe-Universität studiert. „Es hat sich im Studium gezeigt, dass mich Kunst mit der Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten mehr interessiert“, erinnert sich Müller. Insbesondere das Kuratieren von Ausstellungen, deren Konzeption und Organisation habe sie schon damals interessiert und gereizt. 2009, noch während ihres Studiums, absolvierte Müller ein Praktikum bei der „Basis“.

Christin Müllers Büro befindet sich im „Basis“-Gebäude in der Gutleutstraße, unweit des Willy-Brandt-Platzes. 2016 hat die Stadt Frankfurt den ehemaligen Sitz der Landesbildstelle vom Land Hessen erworben und der „Basis“ so Planungssicherheit ermöglicht. Dies sei „ein tolles Zeichen“, sagt Müller. Der Verein fuße auf zwei Säulen, erklärt sie: „Produktion und Präsentation“. Die „Basis“ stellt zum einen 125 Ateliers an den Standorten in der Gutleutstraße und der Elbestraße im Bahnhofsviertel sowie in der Linnéstraße im Frankfurter Stadtteil Bornheim zur Verfügung. Künstler und Designer können die geförderten Arbeitsräume mehrere Jahre nutzen. Mit dem Atelierprogramm möchte der Verein erreichen, „dass junge Künstler hier in Frankfurt bleiben und arbeiten“. In der Gutleutstraße zeigt die „Basis“ regelmäßig Einzel- und Gruppenausstellungen junger internationaler Künstler, die zumeist außerhalb Frankfurts leben und arbeiten. Den Künstlern und Kreativen aus den „Basis“-Ateliers ist der Projektraum in der Elbestraße vorbehalten.

Ein Jahr im Voraus

Das feste Team des Vereins beschreibt Christin Müller als „klein, aber eingespielt“. Zu ihren Kollegen zählen die künstlerischen Leiter Felix Ruhöfer und Jakob Sturm, eine Assistenzkuratorin und eine Mitarbeiterin im Freiwilligen Sozialen Jahr. Die Vorteile des kleinen Teams liegen für Müller auf der Hand: „Man kann in alle Bereiche reinschauen und sehr eigenständig arbeiten.“ Als Kuratorin kann Müller immer wieder eigene Ausstellungsideen umsetzen, wie zuletzt die Gruppenschau „Rumors of Glory“, deren Künstler auf unterschiedliche Weise die Erwartungen des Betrachters unterlaufen. Sie muss sich mit Felix Ruhöfer, der ebenfalls Ausstellungen in der „Basis“ kuratiert, abstimmen. Das Ausstellungsprogramm planen Ruhöfer und Müller mindestens ein Jahr im Voraus.

„Ich bin relativ frei in dem, was ich inhaltlich vorschlage“, resümiert Christin Müller. Ihre Aufgaben variieren von Tag zu Tag. Am Beginn jedes Ausstellungsprojekts steht die Recherche. Nicht zuletzt deshalb muss Christin Müller oft reisen, viele Ausstellungen und Kunstmessen besuchen. Es gehe darum, „sich einen Überblick über künstlerische und gesellschaftliche Diskurse zu verschaffen“. Das beinhaltet auch die Lektüre einschlägiger Kunstmagazine. Sobald die Künstler und das Konzept der Ausstellung feststehen, beginnt die organisatorische Arbeit. Müller muss dann beständig mit den Künstlern kommunizieren, aber auch die technische Ausstattung der Ausstellungsräume, den Leihverkehr, den Transport der Kunstwerke und den Ausstellungsaufbau koordinieren. Auch für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der „Basis“ ist sie zuständig. Zudem muss sie Texte für die jeweiligen Ausstellungsführer und -kataloge schreiben. Einen typischen Arbeitstag gebe es bei dieser Fülle der Aufgaben nicht, so Müller: „Es ist relativ vielfältig.“

Auf kleinem Raum

Durch ihre Arbeit in der „Basis“ begegnet Christin Müller täglich jungen Künstlern und Kreativen aus der Region. Sie ist mittendrin. Die Frankfurter Kunstszene sei räumlich sehr konzentriert und „sehr spannend“, sagt sie. Rund um die Kunsthochschulen, Museen und Institutionen passiere viel. Ihre Geburtsstadt mag Müller, „weil sie kurze Wege hat, und auf kleinem Raum vieles stattfindet“. Ob in Frankfurt oder woanders – Christin Müller hofft, dass sie auch in der Zukunft Ausstellungen kuratiert.

 

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