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Popmusik: Christina Aguilera veröffentlicht neues Album "Liberation"

Die amerikanische Pop-Diva Christina Aguilera fühlt sich wie befreit. Und das merkt man ihrer neuen Platte „Liberation“, die am 15. Juni erscheint, auch an.
Sie hat ein neues Selbstbewusstsein und wieder Freude am Musikmachen: Christina Aguilera fühlt sich zuversichtlicher denn je. Sie hat ein neues Selbstbewusstsein und wieder Freude am Musikmachen: Christina Aguilera fühlt sich zuversichtlicher denn je.

Als Teenager war sie die große Gegenspielerin von Britney Spears. Dann erfand sie sich neu als stimmgewaltige Pop-Diva, die tatsächlich etwas zu sagen hat. Nach einigen wenig erfolgreichen Platten und fünf Jahren als Jurorin in der TV-Castingshow „The Voice“ versucht Christina Aguilera, inzwischen 37 Jahre alt und Mutter zweier Kinder, mit „Liberation“, dem ersten Album seit sechs Jahren, wieder Fuß zu fassen.

Christina Aguilera hat doch eigentlich alles. Sie lebt in einer palastähnlichen Villa in Beverly Hills, beschäftigt eine ganze Armada von Angestellten, die ihr Eistee kochen, sie im Auto herumkutschieren und dafür sorgen, dass es im Haus immer schön kühl und düster ist, denn Nachtmensch Aguilera mag die Sonne nicht. Die Sängerin verkaufte im Laufe ihrer beinahe 20 Jahre währenden Karriere mehr als 50 Millionen Alben und hat auch als Jurymitglied bei „The Voice“ prächtig verdient. Sohn Max (10, Vater ist Ex-Mann Jordan Bratman) und Tochter Summer (3) mit dem Langzeitverlobten Matthew Rutler stehen ebenfalls auf der Habenseite ihres Lebens. Wovon muss sich die kleine Sängerin mit der riesengroßen Stimme also eigentlich befreien? Weshalb nennt Aguilera ihr achtes Studioalbum ausgerechnet „Liberation“?

Im goldenen Käfig

„Ich war am Steuer eingeschlafen, bewegte mich im Autopilot und bemerkte immer klarer, dass ich festgefahren war“, so Christina gegenüber der US-Zeitschrift „Entertainment Weekly“. Augenscheinlich mag sie Autometaphern, obwohl sie keinen Führerschein hat. „Ich musste raus aus diesen Umständen, die mich fesselten, und zurückfinden zu meiner eigenen Wahrheit, zu mir selbst. Ich wollte endlich wieder mein volles Potenzial ausschöpfen und den Zweck erfüllen, wegen dem ich auf der Welt bin. Ich wollte wieder singen und Musik machen.“

Christina Aguilera war gefangen, in einem goldenen Käfig. Mit einjähriger Unterbrechung saß sie von 2011 bis 2016 in der Jury von „The Voice“, am Anfang habe das auch Spaß gemacht, aber fehlendes kreatives Mitspracherecht an der Sendung nagte zunehmend an ihrer Laune. „Am Ende habe ich mich gefühlt wie im Hamsterrad. Die ganze Energie wurde aus mir rausgesaugt.“ Den Albumverkäufen diente die Fernsehpräsenz ebenfalls nicht, ihr letztes Album „Lotus“, das 2012 erschien und bereits damals als Comeback nach dem ebenfalls kommerziell ernüchternden, aber künstlerisch auf krude Weise spannenden Electropop-Opus „Bionic“ (2010) angepriesen wurde, ist das am schlechtesten verkaufte ihrer Karriere.

Nun sagt Christina Aguilera, kommerzieller Erfolg kümmere sie nicht mehr, was man glauben mag oder auch nicht. Mit dem lustigen, geradezu ungehobelten Pop-HipHop von „Sick Of Sittin’“, wird sie es wohl kaum ins Radio schaffen, erfrischend ist das Lied übers Kettensprengen aber allemal. Auf der anderen Seite hört man „Liberation“ Aguileras mitunter arg angestrengte Bemühung an, sowohl musikalisch wie inhaltlich ganz nah dran zu sein am Geschehen. „Ich liebe R & B und Hip-Hop“, fasst sie die Grundzutaten der neuen Songs korrekt zusammen, „und ich werde immer ein Soul-Mädchen bleiben, das die ganz großen Gesten liebt“. Das heißt: Es gibt sehr urbane Nummern wie die Vorab-Single „Accelerate“, eine Kooperation mit R-&-B-Sänger Ty Dolla $ign und Rapper 2 Chainz, die zugegebenermaßen ziemlich dissonant klingt und von Kanye West („Ein visionärer Geist, allerdings manchmal schräg drauf“) vor dessen Zusammenbruch und Trump-Anbiederei produziert wurde. Wer einen Hit sucht, könnte bei „Maria“ fündig werden. Die ebenfalls von Kanye produzierte Breitwand-Beat-Pop-Nummer basiert auf einem Sample der Jackson Five und klingt ganz cool nach Sommer, Sonne, Baggersee.

Zugleich badet Christina auf „Liberation“ in hochdramatischen Balladen wie „Fall In Line“, auf der sie von der jüngeren Kollegin Demi Lovato unterstützt wird. Inhalt: Wir sind starke Frauen, wir passen uns nicht an, schon gar nicht den Männern, wir stehen das durch. Im Vorspann zu „Fall In Line“ erzählen Tochter Summer und ihre Freundinnen, dass sie mal „Boss“, „Präsidentin“, in jedem Fall „keine Prinzessin“ werden wollen. In diesem vor #MeToo und Donald Trump entstandenen Song erinnert Christina Aguilera stark an ihre bis heute beste Platte, an „Stripped“ aus dem Jahr 2002. Schon damals hatte sich die als „Mickey-Mouse-Club“-Mitglied früh in die Karriere gestartete Tochter eines Soldaten nach dem ersten Hit „Genie In A Bottle“ mit emotionalen Selbstbehauptungssongs wie „Fighter“ und „Beautiful“ neu erfunden, und das mit Anfang 20.

Innere Stärke

Passend zum Konzept der authentischeren Künstlerin hat Christina Aguilera ihr Sexbomben-Image massiv heruntergefahren und präsentiert sich neuerdings fast ungeschminkt. Ehrlich wirkende Balladen wie etwa „Deserve“ (es geht darum, dass ihr Verlobter eigentlich viel zu nett ist, und sie oft viel zu gemein) und „Unless It’s With You“ („I don’t wanna get married unless it’s with you“) gestatten dem Hörer einen direkten Blick auf den Superstar. „Fast fühle ich mich wie ein neuer Mensch“, freut sich Christina Aguilera. „Auf ,Liberation‘ habe ich meinen Mumm und meine innere Stärke wiedergefunden. Was meine Einstellung zum Leben und zur Zukunft betrifft, war ich vielleicht noch nie so zuversichtlich gestimmt wie jetzt.“

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