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Interview: Christina Leber: "Es gibt unendlich viele Bilder"

Das Geldinstitut besitzt die weltgrößte Unternehmenskollektion an Fotografie, mit 7716 Werken. Eine Jubiläumsschau ist in Vorbereitung.
Christina Leber leitet die Fotokunstsammlung der DZ Bank Frankfurt. Jedes Jahr werden etwa 50 bis 70 Werke angekauft und dem Bestand eingegliedert. Christina Leber leitet die Fotokunstsammlung der DZ Bank Frankfurt. Jedes Jahr werden etwa 50 bis 70 Werke angekauft und dem Bestand eingegliedert.

Die Frankfurter DZ Bank ist im herkömmlichen Sinn keine Bank, sondern fungiert hauptsächlich als Zentralinstitut für mehr als 1000 Genossenschaftsbanken, vor allem der Volks- und Raiffeisenbanken. Doch die DZ Bank besitzt auch die weltweit größte Unternehmenssammlung an Fotokunst. Im Zentrum steht folglich die künstlerische Fotografie mit 7716 Werken von 781 Künstlern. Statt Einzelbildern werden Werkgruppen erworben, da sie das Denken der Künstler besser erfahrbar machen. Die Sammlung wird seit sieben Jahren von der Kunsthistorikerin Christina Leber geleitet, mit der Christian Huther sprach.

Frau Dr. Leber, was planen Sie zum Jubiläum?

CHRISTINA LEBER: Wir feiern das ganze Jahr über das Jubiläum. Unsere nächste Ausstellung vom 23. Mai an ist aber unsere eigentliche Jubiläumsschau. „Die Zahl als Chiffre in der Kunst“ lautet der Titel der Schau. Sie zeigt die Verbindung von Kunst und Zahl in vielfacher Hinsicht. Zudem wird im Mai ein Jubiläumskatalog erscheinen, der das grundlegend gewandelte Verhältnis der Fotografie zu anderen Gattungen beleuchtet.

Was hat sich denn in den letzten paar Jahren in der Fotografie geändert? Hat das Digitale endgültig das Analoge verdrängt?

LEBER: Nein, das Digitale hat nicht das Analoge verdrängt. Aber ich finde Ihre Frage sehr interessant. Die Digitalisierung hat der Fotografie in der Hinsicht gut getan, dass die heutigen Künstler sich nicht mehr an der Wirklichkeitsabbildung abarbeiten müssen wie noch in früheren Jahrzehnten. Da es so unendlich viele Bilder im Internet gibt, sind die Künstler nicht mehr an herkömmlichen Aufnahmen interessiert, egal ob die analog oder digital entstanden sind. Es geht eher darum, die fotografischen Techniken auszuloten und sie mit künstlerischen Techniken zu kombinieren, sei es die Malerei oder die Skulptur. Deshalb hat sich auch die Fotografie so stark durchgesetzt, weil sie alle anderen Gattungen miteinander verbinden kann. Ich würde sogar von einem Siegeszug der Fotografie sprechen.

Im Jubiläumsband schreiben Sie, dass die Sammlung der DZ Bank von der Befreiung der Fotografie zur Fotokunst erzählt. Können Sie das erläutern? Denn das heißt ja, dass Sie die klassische Fotografie nicht interessiert.

LEBER: Heute, angesichts der Digitialisierung, ist für mich ein Foto, das mit der Kamera gemacht und dann abgezogen wurde, kein Kunstwerk mehr. Und zwar deshalb, weil es nicht die Befragung des Materials und des Inhalts so stark betreibt, wie das in der Kunst geschieht. Dagegen kommt man mit vorgefundenen und bearbeiteten Bildern zu Lösungen, an denen die Fotografie beteiligt ist, aber nicht mehr das einzige Material darstellt. Kurzum: Heute wird gemalt, konstruiert, abstrahiert und hinterfragt, was ein Bild überhaupt ist und sein kann.

Werfen wir einen Blick zurück: Weshalb hat die DZ Bank die Sammlung gegründet?

LEBER: Bei der Gründung gab es zunächst das Ziel, durch Kunst die Kommunikation unter den Mitarbeitern zu erweitern und möglichst auch mit den Kunden zu intensivieren. Da die Fotokunst noch in keiner Unternehmenssammlung vertreten war, entschied man sich für sie. Die Kunst bietet immer einen Mehrwert. Der kann aber in jedem Unternehmen anders aussehen. Bei uns ist es so, dass wir Bilder inzwischen ganz anders lesen, interpretieren oder ihre Wirkung hinterfragen. Und das ist in der heutigen Bilderflut sehr wichtig.

Im „Art Foyer“ zeigen Sie pro Jahr drei bis vier öffentliche Themen- oder Einzelausstellungen. Seit einiger Zeit gibt es aber auch fachfremde Gastkuratoren. Was bringt das?

LEBER: Das macht nicht nur viel Spaß, in der Zusammenarbeit ergänzt man sich auch wunderbar. So wird ein Thema von mehreren Seiten betrachtet und viel mehr hinterfragt. Ich freue mich auf die Mathematik-Schau, denn da haben sich bei mir Horizonte geöffnet. Schneidet man etwa einen Blumenkohl auf, hat man die Fibonacci-Reihe vor sich. Jeder Baum ist so organisiert. Es ist eine schöpferische Zahlenreihe, die im Weltall genauso vorkommt wie im Mikrokosmos. Noch ein anderer Aspekt für die Gastkuratoren ist, dass wir wieder fächerübergreifend denken müssen, um die Probleme der Menschheit ganzheitlich lösen zu können. Und die Kunst macht uns genau das vor.

Neben den öffentlichen Ausstellungen betreuen Sie pro Jahr auch sechs Etagenausstellungen für die Mitarbeiter. Von diesen Ausstellungen nimmt die Öffentlichkeit nichts wahr. Wie sieht das Konzept aus?

LEBER: Damit die Kunst in den 50 Etagen unseres Frankfurter Turms nicht zu lange hängt, wechseln wir jedes Jahr sechs Etagen aus. Dazu stellen wir Ausstellungen zusammen, die die Mitarbeiter wählen oder ablehnen können. In Frankfurt hängen etwa 1800 Werke, weitere 1700 Werke befinden sich in unseren Niederlassungen in Berlin, München, Hamburg, Hannover, Stuttgart, Düsseldorf, London, Singapur und Hongkong. Die werden auch ausgetauscht.

Das heißt, 3500 Werke sind ständig zu sehen?

LEBER: Ja, und die andere Häfte der Sammlung ist im Lager.

Wie ist die Sammlung der DZ Bank gegliedert? Nach Genres wie Porträt, Stillleben, Landschaft, Interieur oder ganz anders? Und wo liegen die Schwerpunkte?

LEBER: Die Einteilung nach Genres haben wir aufgegeben. Inzwischen arbeiten wir an einer Verschlagwortung nach Themen und künstlerischen Herangehensweisen. Und wir schauen stärker nach der Entstehungszeit der Bilder. Die Hälfte der Sammlung kann man aber der Konzeptkunst zuordnen, die andere Hälfte sind Reportagefotos, frühe Farbaufnahmen oder eben Bilder, die verschiedene künstlerische Techniken vereinen.

Sie hatten vor einiger Zeit wieder die Stipendien eingeführt und auch die Mitarbeiterprojekte mit Künstlern neu belebt. Was wollen Sie noch ändern?

LEBER: Im Moment bin ich sehr zufrieden mit unseren Möglichkeiten. Ein Herzenswunsch von mir ist im letzten Jahr in Erfüllung gegangen mit den Kinderworkshops in unseren Ausstellungen. Für Kinder jeden Alters ist es ungemein wichtig, Bilder lesen zu lernen, denn sie sind heute umgeben von Bildern und werden auch manipuliert von Bildern.

Wieviele Werke kaufen Sie im Jahr?

LEBER: Wir haben inzwischen einen guten Grundstock und müssen nicht mehr so viel kaufen. Um die Sammlung aktuell zu halten, erwerben wir etwa 50 bis 70 Werke pro Jahr, wobei wir versuchen, immer Serien zu bekommen. Wir kaufen im Jahr aber nicht mehr als sechs bis acht Positionen.

Aber den Ankaufsetat verraten Sie nicht?

LEBER: Nein, dann würde alles daran festgemacht. Mir geht es aber um Inhalte. Ich möchte mit den Ankäufen den Blick zurück und zugleich nach vorne richten.

Die Sammlung

Wer sich für moderne Fotokunst interessiert, kommt an der Frankfurter DZ Bank nicht vorbei. Das Geldinstitut hat seit 25 Jahren eine Sammlung mit rund 7700 Lichtbildern aufgebaut, die

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