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Konzert in Frankfurt: Clueso, ein waschecht authentischer Musikus

In der ausverkauften Jahrhunderthalle betört der Erfurter Musiker Clueso vor allem die Damenwelt.
Immer hübsch auf dem Boden geblieben: Clueso hat sich seinen Erfolg langsam erarbeitet. Foto: Sven-Sebastian Sajak Immer hübsch auf dem Boden geblieben: Clueso hat sich seinen Erfolg langsam erarbeitet.
frankfurt. 

Nicht einmal in seinen kühnsten Träumen hätte sich Clueso seinen seit seinem Durchbruchswerk „Gute Musik“ (2004) anhaltenden bundesweiten Erfolg ausmalen können, als er neun Jahre zuvor seine Künstlerkarriere bescheiden in Erfurt als MC und Rapper startete. Geübt hatte er – vor allem das Scratchen – schon jahrelang zuvor mit Papas noch zu DDR-Zeiten für teure Ostmark auf dem Schwarzmarkt erstandener westdeutscher Schallplattensammlung.

Ein absolutes No-Go für den alten Herrn, der seine geliebte Vinylkollektion deshalb sogar ins Wohnzimmer einschloss. Doch Clueso alias Thomas Hübner und sein Bruder werkelten im Keller einen Dietrich für die verschlossene Wohnzimmertür zurecht. Eine von gleich mehreren Anekdoten, die der 37 Jahre alte Vokalist, Gitarrist und Komponist in der randvoll gefüllten Frankfurter Jahrhunderthalle erzählt.

Transformation

Mehrheitlich weibliche Fans gleich mehrerer Generationen verteilen sich im Auditorium, vor allem gedrängt vor der Bühne. Mit vorlauten Zwischenrufen, hysterischem Johlen und unnachgiebigem Enthusiasmus zollen sie ihrem verehrten Künstleridol Tribut. Ein längst waschecht authentischer Musikus, der für seinen Aufstieg zwar eine halbe Ewigkeit benötigte, sich dabei aber vom eingefleischten Rapper zum facettenreichen Interpreten wandelte und bewusst sein Konzept mit jedem Album um weitere Stilnuancen erweiterte.

Bilderstrecke Clueso rockte die Frankfurter Jahrhunderthalle
Der deutsche Popmusiker Clueso rockte am Mittwochabend die ausverkaufte Frankfurter Jahrhunderthalle. Es folgen weitere Bilder vom Konzert.

Stets unverändert blieb bei Cluesos künstlerischer Transformation in nunmehr 22 Karrierejahren die bescheiden unaufdringliche Art, sich zu präsentieren. Mögen Hallengrößen und Absatzzahlen der Tonträger – seine beiden letzten Werke „Stadtrandlichter“ und „Neuanfang“ platzierten sich beide auf dem ersten Chartrang – auch seither proportional gewachsen sein.

Schlicht verblüffend die stilistische Bandbreite aus Pop, Reggae, Soul, Funk, Folk, Jazz und Indierock, die er und sein schlicht brillantes Team in jeweils fantastischen Einzelleistungen aus dem Hut zaubern. Dank eines versierten Blechbläsertrios kommen zwischen Sänger-und-Songschreiber-Attitüde und Deutsch-Pop-Akribie auch schwarze Grooves im Stile von „Kool And The Gang“ bis „Earth, Wind & Fire“ zustande.

Damit sich der Fokus nicht allzu sehr auf ihn richtet, bezieht Clueso diverse Gäste mit ein: Sängerin Wanja assistiert hingebungsvoll feinfühlig bei „Anderssein“, „Wenn Du liebst“ und „Wir wollen Sommer“. Für ein Intermezzo im Triumvirat bittet er sein Vorprogramm, Rapper Chefket und dessen Sidekick Dissy, auf die Bühne.

Von den einstigen Rap-Ambitionen bleiben indes nur noch gelegentliche Anklänge übrig. Gleiches gilt für Ausflüge in die karibische Musikwelt. Auch zur Akustikgitarre greift Clueso nur noch sporadisch: Etwa bei „Pizzaschachteln“ und dem spontan von einer Besucherin gewünschte Lied „Fanpost“.

„Puhdys“ und Lindenberg

Ebenfalls als Solist gibt er „Wenn ein Mensch“ von der DDR-Rocklegende „Puhdys“ zum Besten. Und dann ist da noch die Passion für Udo Lindenberg. Nicht nur der von ihm und Udo im Duett gemeisterte Lindenberg-Evergreen „Cello“ findet in der ausverkauften Jahrhunderthalle Berücksichtigung. Auch das stark vom Mann mit Hut inspirierte Eigengewächs „Chicago“ darf nicht fehlen. Viel „Zu schnell vorbei“ gehen die zwei amüsanten Stunden mit Clueso. Zum Finale greift er mit „Barfuß“ noch einmal tief in die Melancholie-Schublade. Und die Damenwelt ist einmal mehr hin und weg.

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