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Traditionelle Tuareg-Klänge begeistern im Frankfurter Palmengarten: Coole Nomaden greifen wie wild in die Saiten

Von „Tinariwen“, eine Tuareg-Band, kam als Geheimtipp zum „Summer in the City“ im Frankfurter Palmengarten. Und entpuppte sich als geniale Wahl.
Mit traditioneller Kopfbedeckung präsentierte sich die Band „Tinariwen“ dem Frankfurter Publikum. Foto: Sven-Sebastian Sajak Mit traditioneller Kopfbedeckung präsentierte sich die Band „Tinariwen“ dem Frankfurter Publikum.
Frankfurt. 

Sechs Konzerte umfasst der diesjährige City-Sommer des Frankfurter Mousonturms im Musikpavillon des Palmengartens, dem die Tuareg-Band „Tinariwen“ nun sein Kapitel Wüstenrock hinzugefügt hat. Erster Eindruck der sechs Musiker auf der Bühne, visuell und akustisch: eine total schräge Kombi. Ihre Kostüme aus turbanartigen Kopf- und Mundbedeckungen (Chèche) zum hellblau-weiß-sandfarbenen Burnus passten zum orientalischen Wechselgesang. Hingegen erinnerte die hypnotisch-psychedelische, wiegende Flächigkeit ihrer Musik oft weniger an musikalische Trancen von Sufis oder Nomaden, sondern wirkte eher wie ein westlicher Exotismus im „anthropologischen“ Stil wie dem der Schwedin Dreijer Andersson, den manche vom „Vikings“-Soundtrack kennen.

Vor allem verband „Tinariwen“ das schamlos frisch mit westlichen Rock- und Pop-Einflüssen, die die Musiker einst im libyschen Migrantenlager durch Musikkassetten kennenlernten. Die Tuareg waren aus der Sahelzone in die Städte nördlich der Sahara geflüchtet, weil sie durch lange Dürren ihre Lebensgrundlagen verloren hatten. Abgesehen von den E-Gitarren und der Songstruktur (wo sonst sieht man derart cool Nomaden in die Saiten greifen?), bekam man eine wilde Mixtur von Leihgaben zu hören. Einlullende Riffs, tiefe groovige Bässe und funkige Tanzbarkeit mitten im orientalischen Konzertritual, die das Publikum trotz lauen Wetters begeistert aufgriff. Dazu Soundspuren aus dem Kosmos der 70er: von Jimi Hendrix, Blues, Soul und Country zu halb humorigen Klängen wie im Ray-Dorset-Hit „In The Summertime“. Dazu folkige Hillbilly- und Bluegrass-Klänge, gar nicht zu reden vom französischen Rap, der die Tuareg-Sprache Tamashek ablöste. Wer weiß, dass „Tinariwen“ heute ein oasenhaftes Musikstudio in der kalifornischen Wüste bewohnt, findet solch ein „Kalif(orni)at“ völlig logisch.

Dass es so etwas gibt – erstaunlich! Und undenkbar ohne mehrere Jahrzehnte der Stadtzuflucht vom Verhungern bedrohter Tuareg, deren matrilineare Berber-Kultur nämlich immer neugieriger war (und bedeutend älter ist) als die arabische ihrer anmaßenden Herren aus 1300 Jahren. Hardrock-Café in Casablanca: auch eine Form, die Frankfurts „Summer in the City“ annehmen kann.

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