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Don Winslows „Corruption“: „Cops tendieren zu einfacher Weltsicht“

Seine Ränkespiele um Verbrechen und Verrat im mexikanischen Drogenkrieg haben Don Winslow bekannt gemacht. Nun hat er sie nach New York verlegt.
Der US-amerikanische Schriftsteller Don Winslow im vergangenen Jahr auf der Buchmesse in Leipzig. Foto: Jens Kalaene (dpa-Zentralbild) Der US-amerikanische Schriftsteller Don Winslow im vergangenen Jahr auf der Buchmesse in Leipzig.

Es waren die mexikanischen Drogenbarone und deren aus seiner Sicht unfähige Verfolger, an denen sich Don Winslow in seinen bisher erfolgreichsten Romanen abgearbeitet hat. Auch jetzt geht es wieder um Drogen, aber diesmal knöpft sich der 63-Jährige zugleich die New Yorker Polizei vor – wie immer mit dem Anspruch, dass die Geschichte zwar letztlich fiktiv ist, aber auch nicht völlig aus der Luft gegriffen. Und so zeichnet er in „Corruption“ das erschreckende Bild einer von Willkür, Korruption und Misstrauen zersetzten Mega-Behörde, in der vom Streifenbeamten bis zum obersten Boss nahezu jeder selbst ein Krimineller ist.

Einer davon ist der knallharte Denny Malone, eine große Nummer in der Manhattan North Special Taskforce, der Antwort der New Yorker Polizei auf die ausufernde Drogenkriminalität in der Stadt. Obwohl eigentlich Recht und Gesetz verpflichtet, klopft Malone gern markige Sprüche, hält überall die Hand auf, schafft Drogen und schmutziges Geld zur Seite, verprügelt und erschießt Dealer und verdreht dann die Ermittlungsergebnisse so, wie es ihm nützlich erscheint. Weil das nämlich alle Cops so machen in Winslows düsterem New York. Und weil’s letztlich ja der guten Sache dient und jeder jeden deckt. Bis das FBI Malone auf die Schliche kommt.

Abwegig? Übertrieben? Nicht unbedingt, meint Winslow. „Cops tendieren zu einer einfachen Weltsicht, ihr Spiel heißt: Wir gegen den Rest“, hat er kürzlich der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gesagt. Die meisten seien aus sehr ehrenwerten Gründen zur Polizei gegangen, merkten dann aber, dass der Job viel schwerer sei als gedacht, dass Regeln und Vorschriften sie hinderten, Verbrecher zu fangen. „Dann sagen sich einige: Ich breche jetzt zwar das Gesetz, aber doch nur, um dem Guten zu dienen. Und damit geht es los.“

Gut gegen Böse, und am Ende weiß keiner mehr, wer wer ist. Als Leitmotiv ist das immer wieder bei Winslow zu finden. Auch „Tage der Toten“ und „Das Kartell“, die den blutigen Drogenkrieg in Mexiko thematisieren, liefern am Ende die traurige Erkenntnis, dass eine Dienstmarke einen Menschen nicht besser macht.

„Corruption“, das im US-Original gleichermaßen schlicht wie vielsagend „The Force“ (dt. etwa Die Truppe, zugleich aber auch Macht, Gewalt) heißt, ist ähnlich angelegt. Trotzdem kommt es an die extrem erfolgreichen Vorgänger nicht heran. Wo die völlige Gesetzlosigkeit in der Welt der mexikanischen Drogenbarone bis zur letzten Seite die irrsten Wendungen erlaubte, lichten sich die Reihen der Figuren in „Corruption“ doch eher eintönig. Deal aushandeln, Kollegen verpfeifen, weg vom Fenster – der Nächste bitte. Das könnte trotzdem noch ein tolles Psychospielchen sein, aber dafür hätte man sich dann von den Protagonisten etwas weniger markige Sprüche und dafür ein bisschen mehr Tiefgang gewünscht.

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