Cornelia Funke: Die wichtigsten Jahre ihres Lebens

Von Dorit Koch
In der «Tintenwelt» lassen sich Figuren aus Büchern herauslesen - Cornelia Funke schrieb sich damit in die Herzen vieler Fans. Auch sie hätte gern diese Gabe. Vor allem aber gibt es ein Buch, für das sie sich zwei Finger abschneiden würde, um es geschrieben zu haben.
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Hamburg.  Neben dem Bett von Bestsellerautorin Cornelia Funke muss sich ein Stapel an Büchern türmen. Acht Autoren liefern der deutschen Schriftstellerin in Los Angeles dort gerade Lesestoff, wie die 54-Jährige in einem dpa-Interview berichtet. Werke von Martin Armis über Jorge Luis Borges und Mario Vargas Llosa bis hin zu Ernest Hemingway liest sie derzeit. «Ja, ich weiß, es ist ein ziemlicher Stapel», meint sie und fügt hinzu: «Und das sind nur die neben dem Bett.»

Mit ihrer ganz eigenen Bücherwelt hatte die inzwischen in den USA lebende Deutsche von Hamburg aus Fans im In- und Ausland erobert: Vor zehn Jahren erschien der erste Band ihrer Trilogie «Tintenherz». Seither haben sich Leben und Arbeit der Frau, die einst als Erzieherin auf einem Bauspielplatz arbeitete und nebenher Illustration studierte, vollkommen geändert, wie Funke betont. Sie recherchiere wesentlich intensiver für ihre Bücher und arbeite an mehreren Projekten gleichzeitig.

«Es waren die wichtigsten Jahre meines Lebens», sagt Funke. Mehr als 40 Bücher hat sie in 20 Jahren geschrieben und damit eine weltweite Auflage von 15 Millionen Exemplaren erreicht. Doch vor allem ihren «Herr der Diebe», mit dem sie 2002 den internationalen Durchbruch schaffte, und ihre «Tintenherz»-Bücher - deren Jubiläum im September begeht der Hamburger Dressler Verlag mit einer um zwei neue Kurzgeschichten erweiterten Sonderausgabe - liebten viele Fans.

In der «Tintenwelt», in der Buchbinder Mo und seine Tochter Meggie Figuren aus Büchern herauslesen können, tummelte sich Funke gleich über mehrere Jahre. Und wenn sie selbst die Gabe hätte, Buchhelden herauszulesen? «Oje. Zuerst natürlich immer einen Drachen. Aber was die menschlichen betrifft - Merlin aus T.H. Whites "Der König auf Camelot"», sagt sie. Oder Figuren wie Inigo Montoya aus «Die Brautprinzessin», Huckleberry Finn, in den sie als Kind «so verliebt war», und Sherlock Holmes.

«Der König auf Camelot» gehört denn auch zu den beiden Büchern, die sich auf Funkes persönlicher Bestenliste den ersten Platz teilen. «Zum einen ist es eine sehr moderne Nacherzählung der Artussage, einer der besten Geschichten, die je erzählt wurden. Zum anderen ist es alles, was ein unvergessliches Buch beinhalten muss - Tragödie und Komödie, Tiefe und Slapstick, und viele Wahrheiten über die Welt», erklärt sie.

«Das andere - ich würde mir zwei Finger abschneiden, um es geschrieben zu haben - ist John Steinbecks "Jenseits von Eden".» Für sie sei es das beste Buch, das je über Gut und Böse geschrieben wurde. «Und natürlich spielt es in Kalifornien. Es war vorauszusehen, dass ich hier ende.» Im Jahr 2005 hatte Funke Hamburg verlassen und war mit ihrer Familie - den beiden Kindern und ihrem Ehemann, der im Jahr darauf starb - nach Los Angeles umgesiedelt.

In Los Angeles habe gerade ihre Lieblingsbuchhandlung zugemacht, weil die Besitzer in Rente gegangen seien, berichtet Funke. «Aber in London wohnt meine Tochter gleich um die Ecke von Daunt Books, dem schönsten Buchladen der Welt. Bei meinen vielen Besuchen in London gehe ich dort leider nicht einen Tag vorbei, ohne mit einer Tasche voller Bücher herauszukommen.»

«Tintenherz» habe sie selbst für alle Zeit süchtig nach schönen Büchern gemacht, sagt Funke, die zuletzt den zweiten Band ihrer fünfteiligen «Reckless»-Reihe veröffentlicht hat, auch in einer Mitteilung ihres Hamburger Verlages. «Es wird mich immer daran erinnern, dass ein Buch ein Objekt der Begierde sein sollte.» Und es habe ihr «die Buchstabentür zu Schreibwelten geöffnet, von denen ich vorher nicht mal geträumt hatte».
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http://www.fnp.de/nachrichten/kultur/Cornelia-Funke-Die-wichtigsten-Jahre-ihres-Lebens;art679,619758
03.09.2013, 12:28
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