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Komödie: „Da stellen wir uns mal wieder janz dumm“

Von Regisseur Frank-Lorenz Engel setzt auch bei der Wiederaufnahme seiner Inszenierung von 2015 auf Altbewährtes.
Neu-Pennäler Pfeiffer (Stefan Schneider, rechts) nervt den Rektor (Hans-Peter Deppe) in der Frankfurter Inszenierung der „Feuerzangenbowle“. Foto: Helmut Seuffert Neu-Pennäler Pfeiffer (Stefan Schneider, rechts) nervt den Rektor (Hans-Peter Deppe) in der Frankfurter Inszenierung der „Feuerzangenbowle“.

Da hat Heinrich Spoerl (1887–1955) doch 1933 ein wirklich ganz famoses und nachhaltiges Stückchen Literatur auf den Markt gebracht. Denn die „Feuerzangenbowle“ beschwingt bis heute und immer wieder – nicht nur als Roman, sondern vor allem in der berühmten Filmfassung von 1944 mit Heinz Rühmann oder bei diversen Bühnenfestspielen. Das Fritz-Rémond-Theater hat auch deshalb und wegen des großen Erfolgs vor zwei Jahren die Inszenierung von Regisseur Frank-Lorenz Engel wiederaufgenommen. Erneut mangelt es dem Abend nicht an Frische.

Dafür sorgt schon die Textbearbeitung von Wilfried Schröder, in der natürlich all die populären Zitate, vom „Pfeiffer mit drei F“ über das „wönzige Schlöckchen“ bis zum „Da stellen wir uns mal janz dumm“ nicht fehlen dürfen. Doch das Publikum wird nicht nur durch das Wohlbekannte manches Mal schon im Voraus zum Lachen gebracht. Neuere humorvolle Bemerkungen und Wendungen sorgen für zusätzlichen Spritz.

Reichlich Spielfreude

Das Ensemble erweist sich als gut gelaunt und mit reichlich Spielfreude ausgestattet. Stefan Schneider, der wieder den anerkannten Berliner Schriftsteller Dr. Johannes Pfeiffer spielt, der sich, weil von einem Privatlehrer erzogen, in der Oberprima eines Provinz-Gymnasiums einschulen lässt, um Versäumtes nachzuholen, ist altersmäßig eigentlich schon aus der Rolle herausgewachsen. Er weiß dies jedoch mit spitzbübischem Lächeln zu überspielen. So dominant wie manch seiner Vorgänger prägt er den Gang der Dinge zwar nicht. Doch am Ende, den Chemielehrer Professor Crey ersetzend, liefert er ein furioses Finale.

Auch der echte „Schnauz“ (Manfred Molitorisz), Direktor Knauer alias Zeus (Hans-Peter Deppe) und der schelmische Dampfmaschinen-Bömmel (René Toussiant) entsprechen in ihrer Darstellung den hohen Erwartungen. Demgegenüber gebärdet sich die übermütige Schülerschar (Sascha Jähnert, Justus Herrmann, Tino Leo, Florian Gierlichs, Marius Schneider) noch ein bisschen wilder als im Original, und Pfeiffers Wirtin Frau Windscheid (Sabine Roller) hat ihren jungen, bald schon in die fesche Referendarin Eva (Katarina Schmidt) verliebten Mieter offenbar nicht nur rein mütterlich ins Herz geschlossen. Obendrein sorgt sie, vom Alkohol angeheitert, ausgelassen tanzend für einen der mit zeitgenössischer Musik untermalten Übergänge, die nötig sind, um das Bühnenbild (Klaus-Ulrich Jacob) zu ändern. Denn obwohl sich die Wände schnell um die Achsen drehen, mal die prächtige Blümchentapete von Pfeiffers Zimmer zeigen, mal die herrlich altmodische Schiefertafel und Landkarte des Klassenraums, muss doch zusätzlich einiges rein- und rausgeschleppt werden, um die räumlichen Vorstellungen zu erfüllen. Die Schüler und Lehrer sitzen an echten, schon im Film verwendeten Holzpulten, Tisch und Bett werden ebenfalls gebraucht. Doch die Umbauten, bei denen jeder zupackt, werden flott überspielt.

Alles zeitgemäß

Auch die Kostüme von Ulla Röhrs sind zeitgemäß. Hier bedarf es keiner Modernisierung, um die Zuschauer in Stimmung zu bringen. Es ist gerade das Altbewährte, das dieses Stück so besonders macht. Und das man auf keinen Fall missen möchte.

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