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Damals, als alles so fürchterlich war

Von Mit „Achtung Fertig“ hat das Berliner Elektro-Pop-Duo „2raumwohnung“ sein siebtes Album eingespielt. Musikalisch geht es zurück zu den Anfängen.
Inga Humpe vom Duo „2raumwohnung“ lässt in ihren Liedern immer ein Zimmer frei. Damit die Liebe dort einziehen kann.	Foto: dpa Inga Humpe vom Duo „2raumwohnung“ lässt in ihren Liedern immer ein Zimmer frei. Damit die Liebe dort einziehen kann. Foto: dpa

Der Hit „36 Grad“ klang im Jahr 2008 um einiges erfrischender, nachdem „2raumwohnung“ ihn mit den kubanischen Musikern von „Rhythms Del Mundo“ noch einmal aufgenommen hatten. Hier gab es strahlende Bläser, großartige Perkussion, akustische Gitarren und sommerliche Pianoklänge. In solch einem famosen Glanz wird wohl kein Lied des Duos aus Berlin jemals wieder erscheinen. Denn schließlich haben Inga Humpe und Tommi Eckart auf ihrem aktuellen Album „Achtung Fertig“ auf sämtliche akustische Instrumente verzichtet. Wie zu Beginn ihrer Zusammenarbeit vor 13 Jahren klingt ihre Musik wieder absolut synthetisch, weil stark von Techno- und House-Sounds der 90er Jahre geprägt - während sich Inga Humpes Stimme weiterhin wie die einer alterslosen Kindfrau anhört.

Ja, man darf ihr glauben, wenn sie sagt: „Texte schreiben ist wie die Pest. Es ist jedes Mal eine virtuelle Himalaya-Besteigung.“ Schließlich hört man den Zeilen, welche die 57-Jährige mit ihrem durchdringenden Organ vorträgt, die Mühe an, die sie beim Dichten machten. Etwa wenn es in dem Song „Bye, Bye, Bye“ heißt: „Ich werd dich vermissen/ du wirst andere küssen/ ganz schön radikal/ bis zum nächsten Mal.“

Wenn bloß die Musik des Duos origineller wäre. Obgleich „2raumwohnung“ das neue Album in Berlin, Los Angeles und San Francisco mit „einer Kommune aus dreißig verschiedenen Leuten“ aufgenommen haben, klingen die zwölf neuen Songs, bis auf den einen oder anderen zaghaften Ausbrecher, zwar technisch ausgeklügelt, aber genau darin eben auch weitgehend ähnlich. Tanzbar ist „Ich mag’s genau so“ freilich schon. Bloß betrübt es, dass Humpes lasziver Gesang vom harten Beat der elektronischen Bassdrum und den schneidend hohen Frequenzen der Synthesizer nahezu zermalmt wird. Etwas, das sich während „Ein neues Gefühl“ ganz ähnlich fortsetzt.

Bei „Ich dich auch“ boykottiert sich die Sängerin allerdings gleich selbst, wenn sie mit sich im Chor singt. Schließlich klingen hier nicht nur die sich träge dahinschleppenden elektronischen Synthie-Klänge auffallend disharmonisch, sondern vor allem Humpes Vortrag.

Fast heilsam und entspannend wirkt dagegen das minimalistisch arrangierte „Wir waren fürchterlich“. In der Art dieses Songs gibt es jedoch allzu wenige auf „Achtung Fertig“.

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