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Damals mit Volker . . .

Ihre Fans lieben Andrea Berg innig. Andere verbinden mit der einstigen Arzthelferin dieses eine Lied von der Kirmes-Disco. Für die neue Show kehrte die Sängerin nun in ihre Heimatstadt zurück. Andrea Berg ist ein Phänomen. Im Januar kommt die Schlager-Koryphäe nach Frankfurt.
„Du hast mich tausendmal belogen“, singt Amazone Andrea Berg. Volker war es nicht, dem gab sie den ersten Kuss in der Eis-Disco. Foto: imago stock&people (imago stock&people) „Du hast mich tausendmal belogen“, singt Amazone Andrea Berg. Volker war es nicht, dem gab sie den ersten Kuss in der Eis-Disco.

Wenn Andrea Berg von der Liebe singt, dann geht es oft um Sterne, Wolken oder den Mond. Wenn Andrea Berg von der Liebe erzählt, dann erzählt sie von der Eis-Disco. „Wart ihr da auch?“, fragt die Schlagersängerin ihr Publikum zwischen zwei Liedern. Zustimmendes Kopfnicken in der Halle. „Alle liefen immer im Kreis und sind eigentlich nicht Schlittschuh gelaufen“, sagt Berg. „Sondern haben nur rumgeknutscht!“ Zustimmendes Raunen. Die Eis-Disco scheint einen eindeutigen Ruf zu haben, hier in Krefeld.

Eigentlich ist Andrea Berg in die Stadt nördlich von Düsseldorf gekommen, um ihre neue Tournee „Seelenbeben“ zu beginnen. Es ist allerdings kein Tourauftakt wie jeder andere: Berg wurde in Krefeld geboren, es ist das erste Mal, dass sie mit ihrer pompösen Show in der Stadt gastiert. Längst lebt sie in Aspach bei Stuttgart. Die berühmte Tochter der Stadt hält endlich mal Hof, so fühlt es sich in Krefeld an. Und erzählt von ihrem ersten Kuss, damals mit dem Volker an der Eishalle. Dem würde sie nie etwas Böses wünschen. „Die Lumpen, die kamen erst ein paar Jahre später!“

An dem Konzert und der Art, wie die Sängerin es als intimen Abend unter Freunden inszeniert, lässt sich viel über das Phänomen Andrea Berg erfahren. Sie pflegt ihr Image als zugängliche Schlagerkönigin. Ihre Fans sind der gelernten Arzthelferin, die in Krefeld noch Funkenmariechen war, vielleicht auch deshalb treu ergeben und können viele ihrer Lieder vom ersten Ton an mitsingen. Ein Mädchen holt Berg aus dem Publikum auf die Bühne, um mit ihr zu singen: „Wenn du mich willst, dann küss mich doch, ich habe Angst, du wartest noch, bis dich der Wein zu müde macht für eine schöne Liebesnacht.“ Die Jugendliche, die mit dem Opa gekommen ist, wirkt nicht gerade so, als wüsste sie, welche Situation Berg mit dem Lied genau umschreibt. Aber sie singt inbrünstig. Für Unkundige ist das deutlich schwieriger, denn viele Songs sind sich in Melodie und Text doch recht ähnlich. Berg trägt eine Art Amazonenkostüm, für ihre Maßstäbe optisch fast zurückhaltend. Das Bühnenbild wird beherrscht von einem riesigen Drachen, der Feuer spucken kann. Die Pyroshow funktioniert diesmal ohne sichtbare Probleme – im Juli hatte Berg sich bei der Vorpremiere noch Arm und Schulterblatt verbrannt. Die Szenerie liegt irgendwo zwischen „Tabaluga“, „Die unendliche Geschichte“ und der Fantasy-Serie „Game of Thrones“.

Die Suppe von Oma

„Die Gefühle haben Schweigepflicht“, „Du kannst noch nicht mal richtig lügen“ und – ganz zum Schluss – „Du hast mich tausendmal belogen“: Selbst wer Schlager verteufelt, trägt bei dem Lied einen mittelschweren Ohrwurm davon. Berg gilt als eine der erfolgreichsten Schlagersängerinnen Deutschlands mit mehr als 900 Wochen in den deutschen Album-Charts. Seit mehr als 20 Jahren behauptet sich die 50-Jährige im Geschäft. „Dass ich mit einer großen Show bislang nicht in Krefeld gespielt habe, hat auch ein wenig mit Respekt zu tun. Ich habe mich nie so getraut – weil es meine Heimat ist“, sagt Berg. „Ich dachte: Um Gottes willen, da kommen die ganzen Kollegen und Schulkameraden und schauen dich an.“ Was bedeutet Heimat für sie? „Heimat ist nicht geografisch zu sehen. Was ich in Krefeld spüre, – das hat im Grunde nichts mit dem Ort zu tun, sondern mit den Menschen und mit den Erinnerungen, die ich damit verbinde. Die erste Liebe, die Eis-Disco, die Rindfleischsuppe von meiner Oma – das ist Heimat für mich“, sagt Andrea Berg im Gespräch nach dem Konzert.

Dass Schlagersängern gern nachgesagt wird, von einer zuckersüßen, viel zu heilen Welt zu schwadronieren, die es so gar nicht gibt, nimmt Berg, die mit Dieter Bohlen und DJ Bobo als Produzenten zusammenarbeitet, souverän. Ist es auch die Sprache, die ein Heimatgefühl vermittelt? Berg: „Ich denke schon. Denn der wichtigste Zugang zum Herzen ist das Wort. Selbst wenn ich sieben Fremdsprachen sprechen kann, werde ich immer in meiner Muttersprache träumen und fühlen. Du kannst deine tiefsten Emotionen am besten in deiner Muttersprache transportieren.“

Ist das Bedürfnis nach Schlager in unruhigen Zeiten wie heute besonders groß? „Es ist wie bei der Rindfleischsuppe von der Oma: Mit Musik kann man Menschen Bilder geben, die ihnen gut tun, die sie trösten. Ganz viele meiner Songs werden bei Beerdigungen gespielt. Die Menschen wünschen sich diese Lieder – weil sie Hoffnung machen.“

Nun geht es weiter. Mehr als 30 Termine stehen auf dem Tourplan. Am 22. Januar um 18 Uhr wird Berg auf der Bühne der Frankfurter Festhalle stehen. „Ich unterhalte“, sagt sie. Mit Liebe, Freude, Emotionen: „Das hat nicht unbedingt einen intellektuellen Anspruch. Das will ich auch gar nicht.“

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