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Interview: Damon Albarn: "Für mich gibt es nichts Schöneres als kreativ zu sein"

Mit seiner fiktiven Band „Gorillaz“ ist der Brite Damon Albarn berühmt geworden. Gerade erst ist das sechste Album erschienen, das sehr mitreißend und dynamisch ausgefallen ist.
Vier Comicfiguren bilden die fiktive Band „Gorillaz“. Ihr gleichnamiges Debütalbum verkaufte sich über sieben Millionen Mal. Vier Comicfiguren bilden die fiktive Band „Gorillaz“. Ihr gleichnamiges Debütalbum verkaufte sich über sieben Millionen Mal.

Das ging ja ruckzuck. Zusammen mit dem Produzenten James Ford („Arctic Monkeys“) hat Damon Albarn das neue, mitreißend pop-clubbig und sehr tanzbar geratene „Gorillaz“-Album „The Now Now“ eingespielt. Passend zum Titel vereint Albarn auf zeitgemäße Art Funk, Dance, Electro, Pop und House zu einem stimmigen, packenden Ganzen. Steffen Rüth traf den immer noch schelmisch und jungenhaft wirkenden Albarn in dessen Dachgeschossbüro im tiefen Londoner Westen.

Mr. Albarn, auch wenn Sie nicht so wirken: Sie sind seit März 50. Wie kommen Sie damit zurecht?

DAMON ALBARN: Älterwerden ist eine gute Sache. Ich finde, das Leben wird mit dem Alter interessanter. Es ist toll, ein bisschen reifer zu sein. Ich hoffe, dass ich mich mit dem Alter nicht zum Clown machen werde. Schauen Sie mal hier, das muss doch nicht sein (zeigt auf ein japanisches Magazin, das auf dem Tisch liegt, mit Bob Dylan auf dem Cover). Da war doch der Chirurg dran!

Und das sind die Schöpfer: Der Sänger Damon Albarn und der Zeichner Jamie Hewlett gründeten 1998 die „Gorillaz“. Bild-Zoom
Und das sind die Schöpfer: Der Sänger Damon Albarn und der Zeichner Jamie Hewlett gründeten 1998 die „Gorillaz“.

Sie glauben, Bob Dylan hat eine Schönheitsoperation gemacht?

ALBARN: Das Foto sieht auf jeden Fall so aus. Was soll das? So ein Quatsch, ich verstehe das nicht. Werde doch einfach alt, niemand interessiert sich dafür, wie du aussiehst! Wenn du irgendwann nicht mehr bist, dann hinterlässt du dein Werk, deine Arbeit. Darauf kommt es an.

Wie haben Sie ihren 50. Geburtstag verbracht?

ALBARN: Auf Tour. In Bogota, Kolumbien. Partys sind für mich immer ein wenig problematisch, ich kann schlecht auf Knopfdruck feiern, und an deinem eigenen Geburtstag ist immer so viel Druck, du bist naturgemäß der Mittelpunkt, was anstrengend ist. Aber diese Feier in Bogota, meine Herren, sie war exakt so, wie man sich das von einer Feier in Kolumbien vorstellt.

„The Now Now“ ist schon im Titel ein sehr zeitgeistiges, modernes Werk. Wieso ist ein älterer Herr wie Sie immer noch die coolste Socke im britischen Pop?

ALBARN: Tja, danke, dass Sie das sagen. Ich habe keine Ahnung. Ich liefere einfach mein Zeug ab, bin emsig, immer an neuen Impulsen interessiert. Ins Studio gehe ich wie andere Menschen zur Arbeit. Alles in allem ist die Musik für mich ein normaler Job. Ich bin in diesem Beruf, seit ich 21 bin, ich habe weder etwas anderes gelernt, noch je etwas anderes gearbeitet. Deshalb finde ich es immer etwas sonderbar, wenn man mich dafür kritisiert, dass ich zu viel arbeite.

Macht das denn jemand?

ALBARN: Das kommt vor, ja. Aber ich bin stolz auf meine Arbeit. Es gibt für mich nichts Schöneres, als kreativ zu sein. Ich bin glücklich, wenn es meiner Familie gut geht und ich in Ruhe im Studio ans Werk gehen kann. In diesem Jahr bin ich bislang besonders produktiv. Im Januar habe ich in Südafrika ein Album von „Africa Express“ aufgenommen, und erst vor kurzem habe ich die nächste Platte von „The Good, the Bad & the Queen“ produziert, die auch noch in diesem Jahr erscheint.

War es Ihr Ziel, drei Alben in einem halben Jahr aufzunehmen?

ALBARN: Nein, überhaupt nicht. Insbesondere an dieses Album bin ich ohne großartiges Nachdenken rangegangen. Es ging wirklich alles sehr flott, ohne Konzept und ohne Masterplan. Klar war vorher nur, dass die Songs mitreißen sollen, dass sie dynamisch sind. Ich wollte Musik machen, die ich gerne live spiele.

Kommt jetzt jedes Jahr ein neues „Gorillaz“-Album?

ALBARN: Nein. Das kann ich wohl ausschließen. Dieses kam auch deshalb so schnell, weil ich dringend neue Musik für die Liveshows in diesem Jahr haben wollte – damit wir nicht zwei Jahre lang immer dasselbe spielen müssen. Als Musiker lebst du ja heutzutage von den Konzerten, selbst für die „Gorillaz“ ist es schwierig, mit Platten Geld zu verdienen. Reich mit Albumverkäufen wird eigentlich nur noch Ed Sheeran.

„Humanz“ war im vergangenen Jahr randvoll mit Gastsängern, auf „The Now Now“ singen Sie fast alles selbst, nur George Benson und Snoop Dogg sind in je einem Song zu hören. Warum diese Gegensätze?

ALBARN: Weil Gegensätze Spaß machen. Die „Gorillaz“ kennen generell keine Regeln. Ich hatte mal wieder Lust zu singen, und keine Lust auf den umfangreichen Organisationskram. Wären mehr Gäste dabei gewesen, wäre es niemals so schnell gegangen.

Geschrieben haben Sie „The Now Now“ überwiegend auf der letztjährigen Tour, die Songs heißen „Lake Zurich“, „Idaho“ oder „Kansas“. War ihnen langweilig im Bus?

ALBARN: Außer schlafen und lesen bleiben dir auf diesen langen Fahrten in der Tat wenig sinnvolle Tätigkeiten. Ich kann sowieso überall Musik machen, an jedem Ort und in jedem Zustand. Sogar mit einem Kater wie heute. „Lake Zurich“ und „One Percent“ habe ich tatsächlich in Zürich geschrieben, „Soak Eye“ und „Hollywood“ in Los Angeles, „Idaho“ in Idaho. Vielleicht hätte ich mir bei den Titeln ein bisschen mehr Mühe geben sollen.

Speziell „Idaho“ klingt ziemlich schräg, man könnte sagen: bekifft. Rauchen Sie Gras, bevor Sie einen Song schreiben?

ALBARN: Oh, ich rauche eigentlich vor so gut wie jeder Aktivität Gras. Ich glaube, es war eher der Mangel an Marihuana in Idaho, der diesen verrückten Sound hervorgekitzelt hat.

Album „The Now Now“

Warner Music

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