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Künstler in Frankfurt: Daniela Kneip Velescu – Seepferdchen im Gedächtnis

Anders als Berlin gilt Frankfurt nicht als Stadt der Künstler. Doch der Schein trügt. Wir besuchen junge Künstler in ihren Ateliers und stellen sie in loser Folge vor. Heute: Daniela Kneip Velescu.
Die aus Bukarest stammende Künstlerin Daniela Kneip Velescu interessiert sich nicht nur für Malerei, sondern auch für Hirnforschung und Neurologie.	Foto: El Die aus Bukarest stammende Künstlerin Daniela Kneip Velescu interessiert sich nicht nur für Malerei, sondern auch für Hirnforschung und Neurologie. Foto: El

Wir sind im vierten Stock des Frankfurter Atelierhauses „basis“, in einem aufgeräumten, gut organisierten Atelier. Auf einem Arbeitstisch sind Bücher gestapelt, ein Laptop ist auf einem weiteren Tisch aufgeschlagen. In der Ecke stehen Papierrollen. An der Wand sind Folien und Blätter mit Skizzen und Mindmaps angebracht. Immer wieder begegnet man dort Abbildungen von Seepferdchen. Warum eigentlich?

Die Künstlerin Daniela Kneip Velescu, die hier seit einigen Monaten arbeitet, erzählt von ihren Recherchen zum Thema Gedächtnis während ihres Studiums an der Städelschule. Das Langzeitgedächtnis sei im menschlichen Gehirn im Hippocampus angesiedelt, Hippocampus sei aber auch die lateinische Bezeichnung für das Seepferdchen. Dieses Motiv griff die 1982 in Bukarest geborene Künstlerin kürzlich wieder auf, als sie ein Objekt für eine Gruppenausstellung in Brüssel anfertigte. Wir sehen zunächst einen Spiegel. Darauf hat Kneip Velescu mithilfe von Graphitpapier ein Ornament aus mehreren kopulierenden Seepferdchenpaaren aufgetragen. Einige Stellen sind mit einem Hauttonlack übermalt. Bewusst habe sie Zeichnungen auf dem Spiegel nicht fixiert, erzählt Kneip Velescu, schließlich habe sie „ein Faible fürs Fragile“. Auch habe sie, wie schon so oft in ihrem Werk, platzsparende, günstige und flexible Materialien gewählt.

 

Kein fertiges Kunstwerk

 

Das Motiv des Seepferdchens war für Kneip Velescu lediglich ein gedanklicher Ausgangspunkt für ein Experiment mit offenem Ausgang. „Am Ende hast du etwas, was du nie beabsichtigt hast“ – kann man den Eigensinn des Kunstwerks und die Bedeutung des künstlerischen Arbeitsprozesses besser zum Ausdruck bringen? Prozesshaft zu arbeiten bedeute aber auch, ständig Entscheidungen treffen zu müssen. Kneip Velescu ist es außerdem wichtig, kein abgeschlossenes, „fertiges“ Kunstwerk zu produzieren. Es solle vielmehr veränderbar bleiben. Ihre Interessengebiete sind weit gestreut. Gedächtnis, Hirnforschung und Neurologie gehören seit langem schon dazu. „Ich mag Zahlen, ich mag Ordnung“, fügt sie überraschend hinzu. Auch wenn sie Brüche in der Ordnung wichtig findet: Daniela Kneip Velescu entspricht nicht der landläufigen Vorstellung vom wild malenden Künstlergenie. Stattdessen macht sie zum Beispiel profane Briefumschläge zum künstlerischen Material. Auch arbeitet sie von Zeit zu Zeit an Videoinstallationen. Dabei kommt zwar immer wieder Farbe ins Spiel, doch ist sie immer vorgegeben, sei es durch den Farbton der Innenteile der Briefumschläge, sei es durch den Hautton beim Spiegelobjekt. Viel wichtiger ist für Kneip Velescu die Linie. Zeichnung sei das einfachste und direkteste künstlerische Medium überhaupt. Sie zeichne am liebsten großformatig und gestisch.

Für eine solche Arbeitsweise braucht man einen geeigneten Raum. So kommt unser Gespräch auf Frankfurt. Die Ateliersituation sei hier schwierig, berichtet Kneip Velescu. Auch sei das Angebot an Galerien und nichtkommerziellen Ausstellungsräumen unzureichend. Dennoch möge sie Frankfurt als eine Stadt der Gegensätze und der kurzen Wege. Berlin sei einfach zu groß und biete zu wenige Jobs. Hier könne Frankfurt punkten.

 

Finanzieller Druck

 

Ein wichtiger Faktor seien auch die hier ansässigen, kunstinteressierten Institutionen und Privatleute, die Werke kaufen. Vor kurzem erst erwarb das Museum Wiesbaden eine Videoarbeit von Kneip Velescu. Im Jahr 2013 war sie zudem im Rahmen des Artist-in-Residence-Programms des Frankfurter Kulturamts für mehrere Monate in Budapest. Solche Angebote nehmen, so Kneip Velescu, den finanziellen Druck und ermöglichen es, für eine gewisse Zeit konzentriert und fokussiert künstlerisch arbeiten zu können.

Das Gespräch geht derweil weiter, entfernt sich vom eigentlichen Gegenstand. Die Künstlerin Daniela Kneip Velescu ist ein hellwacher, fordernder Gesprächspartner. Sie mag die klare Kante. So auch in ihrer Kunst, die Ordnung und Struktur mit Gedankenreichtum und subtilem Witz verbindet.

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