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Thriller "Es": Das Böse hat ein Clownsgesicht

Von Der argentinische Regisseur Andy Muschetti und sein Kameramann finden angemessen furchterregende Bilder für die Geschichte vom Kinderschreck.
Wenn Pennywise (Bill Skarsgard) sein schönstes Grinsen aufsetzt, ist das nicht freundlich gemeint. Der mörderische Clown hat es auf Kinder abgesehen. Schon eine ganze Reihe von ihnen ist in der Kleinstadt Derry verschwunden. Foto: Brooke Palmer (Warner Bros) Wenn Pennywise (Bill Skarsgard) sein schönstes Grinsen aufsetzt, ist das nicht freundlich gemeint. Der mörderische Clown hat es auf Kinder abgesehen. Schon eine ganze Reihe von ihnen ist in der Kleinstadt Derry verschwunden.

Das Papierschiff, das Bill (Jaeden Lieberher) für seinen kleinen Bruder gefaltet hat, wird noch einmal kurz mit Lack überstrichen, bevor der Junge mit ihm hinausrennt in den Regen. Er setzt das Boot in den Rinnstein. Die hinabströmenden Wassermassen nehmen es mit sich, spülen es die Straße hinunter, bis das Gefährt in die Kanalöffnung getrieben wird. Und dort unten wartet es schon: das Böse. Es hat ein Clownsgesicht, übergroße Zähne und ein geschminktes Dauerlächeln. Kaum greift der Junge zögernd nach seinem Spielzeug, verwandelt sich der Clown in ein Ungeheuer und zieht das Kind hinein in die Finsternis.

Stephen Kings 1500 Seiten starker Horrorroman „Es“ gehört zu den schaurigsten seiner Art und verfügt über einen äußerst effizienten Bösewicht, der sich hinter der freundlichen Maske von den Ängsten seiner Opfer nährt. Der argentinische Regisseur Andy Muschetti („Mama“) hat nun die Kinoadaption des Gruselklassikers übernommen und die Handlung aus den 50ern in die 80er Jahre verlegt, in denen Kings Roman veröffentlicht wurde.

Die Kleinstadt Derry in Maine hat eine Vermisstenquote die sechsfach über Landesdurchschnitt liegt. Während die Erwachsenen sich mit dem spurlosen Verschwinden von Kindern abgefunden zu haben scheinen, macht sich eine Gruppe von Schülern in den Sommerferien an die Ermittlung. Bill ist überzeugt, dass sein verschwundener Bruder noch am Leben ist und bricht mit seinen Freunden in die Kanalisation auf, um nach Spuren zu suchen. Zu der Außenseiterbande stößt als einziges Mädchen noch Beverly (Sophia Lillis), die den sexuellen Zudringlichkeiten ihres Vaters entkommen will.

Ohnehin scheint jedes der Kinder vor dem Horror des Alltags in ein ungewisses Abenteuer fliehen zu wollen. Der korpulente Ben (Jeremy Ray Taylor) ist genauso im Visier einer brutalen Schlägerbande wie der Afroamerikaner Mike (Chosen Jacobs). Der jüdische Mitschüler Stephen (Wyatt Oleff) hat panische Angst vor einem Gemälde in der Synagoge, und der kränkliche Eddie (Jack Dylan Grazer) wird von einer überfürsorglichen Mutter an der kurzen Leine gehalten. Sie alle werden im Verlauf ihrer Suche nach den Verschwundenen von schrecklichen Visionen heimgesucht, in denen sich die eigenen Ängste potenzieren und sie nur um Haaresbreite dem Clown-Ungeheuer (Bill Skarsgard) entkommen. Während der blutige Horror für die Erwachsenen unsichtbar bleibt, wird für die Kinder klar, dass sie dem Bösen nur gemeinsam entgegentreten können.

Muschetti hat Kings Horrorwälzer, der auf zwei Zeitebenen die Auseinandersetzung der Helden mit dem Monster im Kindes- und Erwachsenenalter verhandelt, auf einen Erzählstrahl reduziert und öffnet damit die Möglichkeit für eine Fortsetzung. Die kompromisslose Fokussierung auf die Kindersicht und der Verzicht auf Rückblenden-Akrobatik stärkt die Spannung. Dabei ist Muschetti das Risiko eingegangen, den Film allein auf die Schultern einer Gruppe weitgehend unbekannter Kinderdarsteller zu laden – und gewinnt. Obwohl ihre Charaktere zunächst nur Außenseiterklischees zu entsprechen scheinen, bringen die fabelhaft ausgewählten Jungdarsteller ihre Figuren zum Leuchten und bauen sie zu tragfähigen Charakteren aus, die sich gemeinsam ihren Urängsten stellen. Gleichzeitig führt die dramaturgische Gleichbehandlung des Ensembles zu deutlichen Redundanzen. Wenn die Traumata im 10-Minuten-Takt in lautstarken Schocksequenzen aneinandergereiht werden, setzt dann doch eine gewisse Schreckensermüdung ein.

Muschetti arbeitet aber mit perfekt inszenierten Horrorbildern: subjektive Kameraperspektiven, sich langsam öffnende Türen, rasende Verfolgungssequenzen und schrill hereinbrechende Musikgewitter. Sein „Es“ ist eine Ode an die Lust des Schreckens, die vor allem durch die brillante Leistung des koreanischen Kameramannes Chung-hoon Chung („Die Taschendiebin“) an Qualität gewinnt. Allerdings sind die 135 Minuten Film zu lang. Nichts nutzt sich leichter ab als ein Bösewicht, der zu viele Auftritte hat. Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Berger (D+OF), Cinestar, Metropolis (D+E). Sulzbach: Kinopolis (D+OF). Limburg: Cineplex. Offenbach: Cinemaxx. Hanau: Kinopolis (D+OF). Mainz: Cinestar OF

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