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Neuer Roman: Das Böse lauert in der Familie

In „Das Joshua-Profil“, dem neuen Roman von Sebastian Fitzek, geht es um ein Computerprogramm, das Verbrechen voraussagt.
Der Autor Sebastian Fitzek ist ein Meister des Psychothrills. Foto: Jens Kalaene (dpa-Zentralbild) Der Autor Sebastian Fitzek ist ein Meister des Psychothrills.

„Ich weiß, dass Sie sich strafbar machen werden!“ Diese Prophezeiung eines Sterbenden wirft den leidlich erfolgreichen Schriftsteller Max Rhode fast aus der Bahn. Noch mehr erschüttert ihn die Tatsache, dass unmittelbar danach seine Pflegetochter Jola bewusstlos vor der Pathologie einer Klinik gefunden wird. Und als Jola schließlich ihren leiblichen, Crack-süchtigen Eltern zurückgegeben werden soll, verliert er beinahe den Verstand. Prompt macht er sich strafbar, indem er mit dem Mädchen flieht. Oder es zumindest versucht – bevor das Kind entführt wird.

Das ist die Ausgangssituation des neuen Psychothrillers von Sebastian Fitzek („Passagier 23“) mit dem Titel „Das Joshua-Profil“. Seine Hauptfigur Max Rhode stattet er mit einer Leidensfähigkeit aus, die ihresgleichen sucht. Rhode geht es schon geraume Zeit nicht gut: Nur eines seiner Bücher hat sich bislang gut verkauft, nämlich „Die Blutschule“, ein Horror-Roman über zwei vom Vater misshandelte Jungen. Seine Ehe ist am Ende. Sein wegen Pädophilie verurteilter Bruder kommt stundenweise frei und ist ein Hauptgrund dafür, dass sich das Jugendamt bislang gegen eine Adoption Jolas durch Rhode ausgesprochen hat.

Doch was ihn nun erwartet, übersteigt jede Vorstellung – ausgenommen die seines geistigen Vaters Fitzek. Der 44-jährige Berliner, von dem natürlich eine fantasievolle neue Story erwartet wurde, hat ein Szenario erschaffen, das – obwohl unglaublich und stellenweise im höchsten Maße gruselig – doch gar nicht so wirklichkeitsfern ist. Im weitesten Sinne geht es um Big Data, hier auch als Joshua-Profil bezeichnet. Snowdens NSA-Skandal war gestern.

Es wäre unfair, zu viel von der Geschichte zu verraten, die an den Nerven zerrt, manchmal vor Spannung kaum zu ertragen ist und voller überraschender Wendungen steckt – besonders dann, wenn man gerade mal wieder aufatmen möchte. Klar ist aber auch, dass ein Computerprogramm, das Verbrechen vorhersagt, nicht nur die Welt im Innersten zusammenhalten, sondern auch von Bösewichten missbraucht werden kann, wie es hier ein skrupelloser Geschäftsmann vorhat, und das sowohl Fitzek als auch sein Alter Ego Rhode zu der Frage führt: Ist es gut oder doch zu gefährlich?

In seinem vorherigen Roman „Passagier 23“ hat der erfolgreiche Schriftsteller, dessen Werk in 25 Sprachen übersetzt wurde, mit seinem Ende nach dem Nachwort einen außergewöhnlichen Kunstgriff angewandt. Bei seinem Neuling ist er nicht weniger kreativ: Im „Joshua-Profil“ ist Max Rhode ein realer Schriftsteller und sein erstes Buch „Die Blutschule“, aus dem im „Joshua-Profil“ zitiert wird und das das Fundament der Geschichte bildet, ein realer Roman, der ebenfalls bei Bastei Lübbe erschienen ist. Natürlich steckt hinter Rhode Fitzek. Und was beide Bücher vor allem verbindet, wird klar, wenn man auch „Die Blutschule“ gelesen hat: Gewalt gegen Kinder und wie man sie verhindern kann.

Es ist eine irre Konstruktion, die Fitzek da ersonnen hat. Logik hin oder her: Sie offenbart nicht nur eine Fiktion in verschiedenen Auslegungsmöglichkeiten, sondern enthält auch einen zutiefst menschlichen Aspekt: den Glauben an das Gute. Der Berliner erklärt es in einem Interview so: „Das Böse nimmt seinen Ursprung meistens in der Familie. Aber eben auch das Gute. Und genau das will ich aufzeigen. Familie meint in dem Sinne aber nicht nur die leibliche Familie, sondern eben alle, die uns nahestehen.“

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