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Buchmessen: „Das Dümmste ist, rechte Verlage zu verbieten“

Karte mit der Aufschrift „Kein Ort für Neonazis” auf der Buchmesse. Foto: Frank Rumpenhorst/Archiv Karte mit der Aufschrift „Kein Ort für Neonazis” auf der Buchmesse.

Wie soll man mit rechten Verlagen auf Buchmessen umgehen? „Grundsätzlich gehören rechte Verlage zum politischen Spektrum in Deutschland dazu“, sagt Daniel-Pascal Zorn, Co-Autor des Buches „Mit Rechten reden“. Zu einer Demokratie gehöre der Dissens von Meinungen, die miteinander streiten. Zorn plädiert dafür, sich anzuschauen, für welche Positionen rechte Verlage stehen, um sich dann mit ihnen auseinanderzusetzen. Man könne nicht qua Verdacht die Meinungsfreiheit aussetzen, nur weil man befürchte, dass Rechte auf der Leipziger Buchmesse Aussagen machen könnten, die einem nicht behagen. „Zu Vielfalt gehört nicht nur, was ich schön finde.“ Das Dümmste sei, ihre Teilnahme zu verbieten. „Dadurch macht man sie erst stark.“ Initiativen wie „Verlage gegen Rechts“ böten rechten Verlagen eine Vorlage, sich als Opfer der Meinungsfreiheit zu stilisieren, kritisiert Zorn. Das könne man daran sehen, wie die „Junge Freiheit“ ihre Teilnahme an der Buchmesse zurückgezogen hat. Jetzt könnten rechte Verlage behaupten, man wolle sie stummschalten. „Das ist sehr unklug.“ Damit hätten Linke Rechten einen Gefallen getan, sagt Zorn, weil rechte Verlage wesentlich mehr Raum bekommen hätten in der Öffentlichkeit. „Man kann doch die Stände auf der Buchmesse besuchen, sich die Bücher anschauen und unbequeme Fragen stellen“, schlägt Zorn als Alternative vor. Kontraproduktiv seien ausschließlich Podiumsgespräche mit linken Sozialwissenschaftlern, die erklärten, was die Rechte ist. „Da hören dann linke Menschen zu, die zustimmend nicken.“ Damit erreiche man nur das eigene Publikum.

Mit einer Unterschriftenliste gegen rechte Verlage hat hingegen die Initiative „Verlage gegen Rechts“, der rund 70 Verlage und 160 Einzelpersonen angehören, Position bezogen. Die Mitgründerin der Initiative „Verlage gegen Rechts“, die Krimiautorin Zoë Beck, sagt, sie sei zwar „nicht gegen die Anwesenheit von Meinungsvielfalt“ auf der Buchmesse. Den direkten Dialog mit rechten Publizisten lehnt sie aber ab. „Mit Demagogen kann man nicht reden“, sagt sie. Rechte Publizisten „öffnen sich nicht und sind nicht bereit, eine Debatte zu führen“. Stattdessen „wollen sie die eigenen Positionen ungemindert und in voller Lautstärke herauströten“. Dennoch bewegten sich „Compact“ oder der Antaios-Verlag „im Rahmen der Meinungsfreiheit, und deshalb muss die Messe sie zulassen“ und könne sie „schlicht nicht verbieten“, sagt Beck.

Mit Blick auf den teilweise tumultartigen Protest gegen rechte Verlage auf der Frankfurter Buchmesse betont die Autorin, sie halte Aktionen an deren Ständen für „komplett falsch“. Das produziere „nur die falschen Bilder“. epd

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