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Architekturmuseum: Das Fahrrad erobert sich die Stadt zurück

Das Architekturmuseum zieht wieder mehr Besucher an. In diesem Jahr geht es vor allem ums Wohnen, auch in der Frankfurter Altstadt.
Schöne neue Fahrrad-Welt: Ein niederländisches Architektenbüro hat die Dafne-Schippers-Brücke in Utrecht entworfen, die sich elegant in Landschaft und Bebauung fügt. Schöne neue Fahrrad-Welt: Ein niederländisches Architektenbüro hat die Dafne-Schippers-Brücke in Utrecht entworfen, die sich elegant in Landschaft und Bebauung fügt.

Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt, kurz DAM genannt, packt heuer viele heiße Eisen an wie Wohnen und Mobilität oder die neue Frankfurter Altstadt. Und zur noch offenen Entscheidung, ob die hiesigen Städtischen Bühnen nur gründlich saniert oder doch völlig neu gebaut werden, plant das Museum eine Schau über europäische Bühnenbauten, die in den vergangenen zehn bis 15 Jahren vor ähnlichen Problemen standen. So dürfte das Haus wohl die 82 349 Besucher von 2017 noch toppen, die DAM-Chef Peter Cachola Schmal bei der Vorstellung der neuen Pläne erwähnte.

Dabei erwirtschaftet das Museum immerhin 83 Prozent seines Ausstellungsetats von rund 1,43 Millionen Euro selbst, durch nicht-städtische Drittmittel und durch Einnahmen. Nur den Rest übernimmt das Kulturamt. Freilich muss für jede Ausstellung neu geworben werden, es gibt keine festen Partner, wie bei vielen Museen. Vor allem im Bereich der bildenden Kunst gibt es feste Partnerschaften, lässt sich doch mit Stars allemal etwas hermachen. Da sind die 83 Prozent ein sehr guter Wert für ein Haus, das nicht immer im Zentrum des öffentlichen Interesses steht, obwohl das Bauen und Wohnen alle etwas angeht.

Und allein gelassen wird der DAM-Besucher auch nicht, fanden doch im vergangenen Jahr 304 Veranstaltungen statt, vor allem an Werktagen – also im Schnitt ein Projekt pro Tag. Nicht mitgezählt wurden dabei die üblichen Ausstellungsführungen. Doch der Erfolg macht dem DAM zusehends auch zu schaffen.

Schau über Bühnenbauten

Das Archiv wächst dank etlicher Schenkungen und Ankäufe von Nachlässen bedeutender Architekten, zumal die Baumeister noch immer viel mit Modellen arbeiten, die aber Platz brauchen. Doch das seit langer Zeit vom der Stadt geplante Zentralarchiv für alle Frankfurter Museen kommt nicht voran – es fehlt schlicht und einfach an einem geeignetem Grundstück.

Erfreulich hingegen entwickelten sich die beiden schon im vergangenen Jahr begonnenen Ausstellungen über die viel zu wenigen weiblichen Baumeister und über den Brutalismus-Stil, der oft zu Unrecht als „Betonarchitektur“ geschmäht wird – mehr als 25 000 Besucher wurden bisher gezählt. Auch die vor kurzem begonnene Schau über den „DAM-Preis 2018“ läuft gut an, wurde doch als Gewinner eine Münchner Häusergruppe gekürt, die Wohnungen zu bezahlbaren Preisen anbietet und zugleich viel Wert auf die Gemeinschaft der rund 300 Bewohner legt. Ein geglücktes Projekt der Baugenossenschaft „Wagnis“, das auch in anderen Städten funktionieren könnte.

Am 23. März wird die Schau über die Bühnenbauten eröffnet, die aber, so Andrea Jürges, die kuratierende Vize-Chefin des Hauses, lediglich im internationalen Vergleich informieren und nicht den bevorstehenden Entscheidungsprozess beeinflussen will. Vorgestellt werden Neubauten in Oslo oder Kopenhagen ebenso wie die Sanierung der Berliner Staatsoper oder der Kölner Bühnen. Doch Vergleiche sind schwierig, da es sich in Frankfurt um drei Bühnen handelt. Nur eines ist sicher, so Schmal: „Nirgendwo wurde bisher ein Theater oder eine Oper für die Hälfte der Summen gebaut, die derzeit in Frankfurt kursieren.“ Oft werden nämlich die Kosten des Umzugs oder der Ersatzspielstätten unter anderen Posten verborgen.

Auch die „Fahr-Rad!“-Schau ab 21. April ist anspruchsvoll, geht es doch nicht einfach um neue Radwege. Vielmehr wird die Integration von allen Verkehrsteilnehmern angestrebt, ohne dass man sich ständig in die Quere kommt. „Allerdings gibt es keine guten Beispiele in Deutschland“, so Schmal, „bei uns hinkt man hinterher im Vergleich zu Kopenhagen oder Oslo.“ Wie zentral dabei das Thema der Mobilität ist, wird sich in der Schau „Rhein-Main – Die Region leben“ ab 31. Mai zeigen.

Hochhaus-Preis

Das DAM begleitet sogar die umstrittene neue Frankfurter Altstadt mit einem kritischen Rückblick auf die oft wechselnden Vorstellungen von einer vorbildlichen Altstadt. Eine Woche vor Eröffnung des Areals rund um Dom und Römer kann man sich ab 21. September im DAM informieren. Und zur Buchmesse wird die Architektur des diesjährigen Gastlandes Georgien gezeigt. Für Besucherandrang sorgt sicherlich auch der Internationale Hochhaus-Preis im November.

Deutsches Architekturmuseum

Schaumainkai 43, Frankfurt.
Geöffnet Di/Do–So 11 bis 18 Uhr,
Mi 11 bis 20 Uhr. Eintritt 9 Euro. Telefon (069) 21 23 88 44.
Internet www.dam-online.de

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