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"Die Lebenden reparieren": Das Herz soll weiterwandern

Von Die französische Regisseurin Katell Quillévéré erzählt von einem Jungen, der über seinen Tod hinaus eine junge Frau retten könnte.
Marianne (Emmanuelle Seigner, rechts) und Vincent (Kool Shen) stehen am Krankenbett ihres Sohnes (Gabin Verdet). Foto: - (Wild Bunch) Marianne (Emmanuelle Seigner, rechts) und Vincent (Kool Shen) stehen am Krankenbett ihres Sohnes (Gabin Verdet).

Das Wasser an der französischen Atlantikküste formt sich zu faszinierende Wellen. Früh am Morgen ist Simon (Gabin Verdet) mit zwei Freunden dorthin gefahren. Sie surfen. Im Mondschein ist dies gefährlich. Aber nicht hier geschieht das Unglück, sondern später auf dem Nachhauseweg. Auf eisglatter Fahrbahn überschlägt sich der Minibus, in dem der 17-Jährige mitfährt. Während seine beiden Freunde überleben, stirbt Simon. Er erliegt seinen schweren Kopfverletzungen. Der Stationsarzt Pierre Revol (Bouli Lanners) im Krankenhaus von Le Havre kann Simons Mutter Marianne (Emanuelle Seigner) nur noch den Hirntod ihres innig geliebten Sohns mitteilen.

Sie und der von ihr getrennt lebende Ehemann Vincent (Kool Shen) sind völlig am Boden zerstört. Aber das Herz von Simon, das von Maschinen am Schlagen gehalten wird, könnte ein Leben retten. Etwa das der Musikerin Claire (Anne Dorval). Die zweifache Mutter leidet seit Jahren an einer schweren Herzkrankheit. Sie ist mittlerweile so schwach, dass sie keine langen Treppen mehr steigen kann. Selbst einen Regenschirm zu halten, ist ihr zu anstrengend. Nur ein gesundes Spenderherz könnte das Leben der 50-jährigen Pariserin retten.

Es braucht viel Feingefühl, um die Geschichte, die auf dem Bestseller „Réparer les Vivants“ von Maylis Kerangal basiert, zu verfilmen. Sicherlich ist es geglückt, weil die Autorin selbst gemeinsam mit der Regisseurin Katell Quillévéré und dem Co-Autor Gilles Taurand am Drehbuch für „Die Lebenden reparieren“ mitgeschrieben hat. In geschickt in die Handlung eingeflochtenen Rückblenden erfährt man, um wen die Eltern von Simon trauern. Dem gegenüber stehen die Szenen, in denen das Leben der todkranken Claire gezeigt wird. Dabei nimmt sich die Regisseurin viel Zeit, ihre beiden Hauptfiguren sorgfältig zu porträtieren. Auch sämtliche Nebenfiguren wirken in der Darstellung durch die äußerst stimmig aufspielenden Mimen mehrschichtig und interessant. Obwohl all diese Figuren in eine komplizierte Dramaturgie eingebunden sind, bleibt die Handlung stets in spannendem Fluss.

So wird man tief in ein Geschehen hineingezogen, dessen Thema nahezu von jedem Menschen lieber verdrängt wird. Wer einen Organspenderausweis hat, ist sich seiner eigenen Endlichkeit bewusst. Er hat sich mit seinem vielleicht ganz plötzlichen Tod auseinandergesetzt. Aufwendig und sehr eindringlich bebildert ist „Die Lebenden reparieren“. Aber der Film ist kein plakatives Plädoyer (für Organspende), sondern ein tiefsinniges und bewegendes. Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Harmonie (D+OmU).
Orfeos Erben

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