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Animationsfilm "Isle of Dogs": Das Hundeleben endet im Elend

Von In der Science-Fiction-Geschichte aus dem Japan der Zukunft wird jedes geschwächte Lebewesen von einem bestechlichen Bürgermeister ausgesondert.
Eine Szene des Films "Isle of Dogs - Ataris Reise". Der Film kommt am 10.05.2018 in die deutschen Kinos.  Foto: -/Twentieth Century Fox/dpa Foto: - (Twentieth Century Fox) Eine Szene des Films "Isle of Dogs - Ataris Reise". Der Film kommt am 10.05.2018 in die deutschen Kinos. Foto: -/Twentieth Century Fox/dpa

Während Hollywoods Pixel-Trickser am nahtlosen, perfekten Übergang zwischen Real- und Animationsfilm arbeiten, besinnt sich Regisseur Wes Anderson („Grand Budapest Hotel“) in seinem jüngsten Werk auf klassische Trickfilm-Traditionen. Der Charme von „Isle of Dogs“, der mit dem mühsamen Stop-Motion-Verfahren hergestellt wurde, besteht gerade im Bekenntnis zum sichtbaren Handwerk. Dabei kommt Andersons Film durch und durch als trübe Science-Fiction-Vorstellung daher, nur eben aus der Hundeperspektive.

Ausgehungerte Kreaturen

Im Japan der Zukunft regiert der korrupte Bürgermeister und Hundehasser Kobayashi die Stadt Megasaki. Eine grassierende Hundegrippe nimmt dieser zum Anlass, um alle Hunde einfangen und gnadenlos auf eine verseuchte Müllkippeninsel verfrachten zu lassen. Nach sechs Jahren sind aus den einstmals geliebten Haustieren verwahrloste, ausgehungerte Kreaturen geworden, die sich um jede Mülltüte blutige Kämpfe liefern. Das Blatt wendet sich erst, als der 12-jährige Atari, Adoptivsohn des Bürgermeisters, mit einem geklauten Flugzeug auf der Insel landet, um sich auf die Suche nach seinem treuen Bodyguard-Hund zu begeben, der von seinem Ziehvater als erster in die Verbannung geschickt wurde. Während in Megasaki eine amerikanische Austauschstudentin eine Rebellion gegen die korrupten Machenschaften des Stadtoberen anzettelt, beginnt nun auf der Insel für die Vierbeiner und den Zweibeiner eine epische Reise, die sich mit leiser Ironie an großformatige Leinwandwerke wie „Hobbits“ anlehnt.

Zwischen den Abenteuern philosophieren die Hunde auf dialektische Weise über das eigene Haustierdasein und ihre Streunerexistenz, über das Verhältnis zu ihren früheren Herrchen und das unfreiwillige Outlaw-Dasein. Wunderbar fächert Anderson die Tierschar in ein animalisches Charakter-Ensemble auf. In der amerikanischen Originalfassung haben Schauspieler-Größen wie Bill Murray, Brian Cranston, Edward Norton und Jeff Goldblum die Vierbeiner eingesprochen. Spricht man den Titel „Isle of Dogs“ schnell genug aus, hört er sich genauso an wie „I love Dogs“, und die Liebe zum Hund ist in diesem Film deutlich spürbar. Die Animateure haben hier wirklich keine kreativen Mühen gescheut, um die motorischen und seelischen Eigenheiten dieser Spezies bis ins Kleinste herauszuarbeiten. Auch wenn, wie zu Beginn des Filmes erklärt wird, ihr Bellen eigens in die Menschensprache übersetzt wurde, werden die Hunde hier nicht etwa nutzlos humanisiert, sondern dürfen ganz und gar Tier bleiben.

Gewitzte Dialoge

Außer mit gewitzten Dialogen überzeugt „Isle of Dogs“ vor allem durch seinen unaufdringlichen Humor und die liebevolle, detailversessene Ausstattung. Die Müllinsel ist kein düsterer Ort, sondern wirkt eher wie eine poesievolle Westernkulisse in einer Prärie aus Unrat. Die Sets von Megasaki wiederum wurden mit einem unübersehbaren Faible für Japanologie entworfen, und die Animation schreckt dabei vor keinem gestalterischen Aufwand zurück. Allein die Herstellung von vergifteten Sushi, mit denen der Bösewicht seinen politischen Gegner entsorgt, ist ein tricktechnisches Meisterwerk. Auch für Nicht-Hundebesitzer ist „Isle of Dogs“ ein äußerst liebenswertes Stück Kino, das Herz und Auge verwöhnt. Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinema (D+OmU),
Metropolis (OF), Mal seh’n (OmU)

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