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Familiendrama „Zu Hause ist es am schönsten“: Das Leben ist ein einziges großes Durcheinander

Von Regisseur Gabriele Muccino erzählt, wie bei einer Goldenen Hochzeit die ganze Verwandtschaft zusammenkommt, um sich zu lieben und zu streiten.
Wenn bei Italienern die ganze Familie zusammenkommt, geht es stürmisch zu, erst recht vor der Überfahrt auf die Insel. Foto: - (Wild Bunch Germany) Wenn bei Italienern die ganze Familie zusammenkommt, geht es stürmisch zu, erst recht vor der Überfahrt auf die Insel.

„Das Leben ist ein großes Durcheinander.“ Niemandem nimmt man diesen Satz leichter ab als einem Italiener. Doch ein Italiener klagt nicht etwa über die „Confusione“ in seinem Land, sondern lacht über sie, klatscht in die Hände, schickt ein zuversichtliches „Tutto bene“ hinterher und ruft zum Essen. Denn am großen, langen Tisch mit Pasta, Pizza, Panetone gelangt das „Dolce vita“ zur Perfektion. „Zu Hause ist es am schönsten“, lautet da schnell die Zusammenfassung quirliger südländischer Familienverhältnisse, und es muss schon ein Regisseur wie Gabriele Muccino kommen, wenn die Selbstzufriedenheit mit Selbstironie unterlegt werden soll.

Viele Temperamente

Nacheinander sind all die angereisten Söhne und Töchter am Bootssteg eingetroffen, um auf die Insel Ischia überzusetzen, wo die Eltern Alba (Stefania Sandrelli) und Pietro (Ivano Marescotti) ihre Goldene Hochzeit feiern. Schon diesen Anmarsch von Söhnen, Töchtern, Schwiegerkindern, Enkeln und entfernter Cousine hat Regisseur Muccino turbulent inszeniert, als explosives Gemisch unterschiedlichster Temperamente und Talente. Man kann sofort erahnen, dass die Wiedersehensfreude nicht ungetrübt bleiben wird, und vielleicht wäre es nicht einmal nötig, später vor der Rückreise übers Meer einen Sturm aufkommen zu lassen und die Fähre stillzulegen, um die Ereignisse zu einem einzigen großen Wirbel zu arrangieren. Denn es geht hier nicht vordergründig um die sprudelnde Fröhlichkeit, die sich nach der Überfahrt auf Ischia selbstverständlich gleich einstellt im Garten der Villa hoch über dem Golf von Neapel. Es geht um das Glück, das keiner der Söhne und Töchter so richtig gefunden hat und nach dem jeder von ihnen auf eigene Weise weitersucht.

Die Liebe böte sich zur Glücksfindung natürlich als erstes an, doch gerade sie hat sich bei allen am schnellsten davongemacht beziehungsweise gar nicht erst eingestellt. Und jetzt treffen bei der Feier frühere Ehefrauen auf heutige Ehefrauen, ablegte Ehemänner auf mögliche künftige Ehemänner, verheimlichte Geliebte auf verleugnete Geliebte, und alles, was sich an bestehenden Partnerschaften ohnehin kaum noch halten konnte, wankt nun unausweichlich dem Zusammenbruch entgegen. In der Luft rund um Capris Nachbarinsel liegt eine erfrischende Italianità, aber auch eine Melancholia, wie man sie seit dem Tod von Federico Fellini im italienischen Kino vermisst hat, neuerdings aber wieder öfter zu sehen bekommt und zuletzt auch in dem so stimmungsvollen Sommer-Liebesfilm „Call me by your name“ von Luca Guadagnino wahrnehmen konnte. Das Leben ist eben nicht nur ein Durcheinander, es ist auch eine Tagikomödie, und die Welt eine Bühne, auf der ein jeder seine Rolle spielt. Wer wusste das besser als Shakespeare, dessen „Sommernachtstraum“ eine Vorlage für „Zu Hause ist es am schönsten“ gewesen sein könnte.

Mut zum Glücklichsein

Denn Gabriele Muccino hat sein eigenes Drehbuch mit leicht dahinflatternden Dialogen aus Ernst und Heiterkeit erstellt. Die Worte fliegen scherzhaft hin und her, Hysterie und Egozentrik mischen sich ebenso darein wie Wut und Enttäuschung, aber letztlich ist alles getragen von einem höheren Etwas. Es offenbart sich in der Einsicht, dass zum eigenen Glück unteilbar das Glück der anderen gehört und eine langjährige Ehefrau deshalb mit ihrem kranken Ehemann weiterlebt, obwohl sie ihn und die Lage schon lange nicht mehr ertragen kann.

„Die wahre Liebe hält auch, wenn die Liebe weg ist“ heißt das bei Gabriele Muccino (51), der nach 12 Jahren Hollywood, wo er „Das Streben nach Glück“ mit Will Smith inszenierte, nach Italien zurückgekehrt ist und schauspielerisch vor allem den Frauen ganz große Auftritte gewährt. Ob sie nun Maria (Sandra Milo), Isabella (Elena Cucci) und Ariana (Tea Falco) heißen oder aber Beatrice (Claudia Gerini), Sara (Sabrina Impacciatore) und Ginevra (Carolina Crescentini). Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinema (OmU)

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